Equinoxe Teil 1 - AGFS

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Equinoxe Teil 1

Reiseberichte > Equinoxe

Die große Fahrt der Equinoxe, Standortmeldung 20
Gesendet: Freitag, 10. Juli 2009
Salvador da Bahia und Chapada Diamantina


Liebe Leute,
nun dürfen wir Salvador da Bahia und die Baía de Todos os Santos (Allerheiligenbucht) mit ihren zahlreichen Inseln und Buchten erkunden. Amerigo Vespucci lief am 01.11.1501 in eine große Bucht und gab ihr den Namen nach diesem Tag.
In diesem Abschnitt unserer Reise erfahren wir ein vorzügliches Segelrevier, einige vortrefflich ausgestattete Häfen, sichere und windgeschützte Ankerplätze und Strände mit prächtigen Badegewässern. Zugleich werden mit den vielfältigen Versorgungsmöglichkeiten langgehegte Ausrüstungswünsche wieder geweckt. Auch soll uns die Bai nach den Erkundungen eine gewünschte urlaubsmäßige Erholung bieten.

Zuerst zu Salvador da Bahia (Bahia, weil es das Bundesland Bahia ist)
Der historische Name lautet São Salvador da Baia de Todos os Santos (Heiliger Erlöser von der Bucht der Allerheiligen).

Von Norden segelnd empfängt uns schon von weitem ein nicht geahntes Großstadtpanorama, davor erkennen wir Sandstrände, weiße Sände mit Badegästen, kleinen Bars und Restaurants: Urlaubskulisse. Wir passieren den südlich der Bucht stehenden Leuchtturm und legen den Kurs steuerbords in die Bai. Passieren einen Yachtclub, dessen Boote ausschließlich an Mooringtonnen oder vor Anker liegen. Die Zufahrt wird über eine grüne und eine rote Tonne signalisiert. Wir halten Kurs Nord. Der folgende Hafen bietet alle Annehmlichkeiten (auch ShipShop, Bar und Restaurants), jedoch werden Passanten zu dem folgenden Hafen, der Marina Centro Nautico, verwiesen. Also einige Hundert Meter weiter; runden das Fort Sâo Marcelo und können einen Stegplatz in der stadtnahen, sicheren und sauberen Marina ansteuern. Der Skipper der holländischen MamaSan, den wir aus Recife kennen, ist schon dort und nimmt unsere Leinen entgegen. Schnell informiert er über das Notwendigste und am Abend können wir gemeinsam mit dem, dem Hafen gegenüberliegenden Elevador Lecerda (Aufzug) in die Oberstadt fahren und im Pelourinho, dem historischen Viertel, ein Restaurant aufsuchen. Am folgenden Tag findet wieder einmal die gewohnte Prozedur der Einklarierung statt. Und wieder einmal zieht Berthold den Vergleich mit deutschen Behördenbüros, deren Personal und deren Ausstattung.

Salvador besitzt viele Gebäude aus seiner Glanzzeit, doch vieles kann nicht erhalten werden und verfällt. Oft sind nur noch die Außenwände vorhanden. Während unseres Aufenthalts stürzt in der Unterstadt ein Gebäude ein. Glücklicherweise kommt niemand zu Schaden. Es herrscht reger Autoverkehr und so fällt uns besonders hier auf, dass es nur wenige Zebrastreifen mit Ampelanlagen gibt. Als Fußgänger heißt es schnell zu sein, um eine Straße zu queren. Die Autofahrer vermeiden es zu bremsen, sie hupen aber mehrmals. Die günstigste Gelegenheit für einen Seitenwechsel bietet ein Stau. Die Bürgersteige bzw. Fußwege sind in der Regel überholungsbedürftig. Waren sie doch einmal so vortrefflich gepflastert, werden die Unebenheiten, Vertiefungen und Lücken nun manchmal mit Sand aufgefüllt. Meistens sammelt sich jedoch nur Unrat in ihnen. So ist fehlendes Haushaltsbudget offensichtlich.

Von morgens bis spät in die Nacht herrscht reges Treiben. Unzählige Verkaufsstände bis hin zum Bauchladen bevölkern die Gehwege, bieten an Kleinigkeiten zu Essen, Erfrischungsgetränke, besonders zu erwähnen sind frische Kokusnüsse, in die ein Loch geschlagen wird und deren Inhalt mit einem Strohhalm getrunken wird (1,20 bis 1,50 Real), alle beliebten Tropenfrüchte und auch wiederkehrend krammarktmäßige Utensilien. Grundsätzlich sind die Essenswaren sauber, gepflegt und schmackhaft. Getränke (Dose, Flasche etc.) werden vom Käufer selbst oder unter seinen Augen geöffnet. Das Gesundheitsministerium rät in einer ansprechenden Infobroschüre unter anderem, unsaubere Küchen oder Restaurants nicht aufzusuchen bzw. sie zu verlassen. Wir haben das Gefühl, es trägt Früchte. Ab und zu sogar bis in die Sanitäranlagen hinein.
Es gibt alles in allen Qualitäten zu kaufen, die Frage ist nur wo? Aber hat man dann die Straße der Schuhmacher, der Eisenwarenhandlungen, der Plastikartikel, der Tuche und Stoffe, des Angelzubehörs usw. gefunden, ist ein Großteil des städtischen Angebots nahe beieinander.

Pelourinho
Ó paí, ó” – so heißt ein brasilianischer Spielfilm über den touristischen Stadtteil Pelourinho (”Schandpfahl”) und seine Bewohner in Salvador da Bahia; zu erstehen u. a. als Raubkopie für fünf Real bei den Straßenhändlern vor dem Lapa Shopping Center, unweit des Praça Piedade im Zentrum Salvadors. Ein Streifen, der anders als die mit Preisen ausgezeichneten Filme “Tropa de Elite” oder “Cidade de Deus” eher weniger auf spektakuläre Szenen von Bandenkriminalität setzt, sondern humorvoll den Alltag in diesem Viertel und dieser Stadt skizziert:
Trotz Minimo Salárío (Mindestverdienst, etwa 400 Real monatlich inklusive freier Kost und Logis) mogelt man sich erfolgreich durch den Alltag, sucht seinen persönlichen Jeitinho (Trick des Überlebens), lebt für den Augenblick und den nächsten Karneval – es wird auf den Straßen zugleich gestorben und geliebt und getanzt. Es ist die Energie der Menschen, die niemanden kalt bleiben lässt. Jorge Amado, Salvadors berühmtester Schriftsteller, bemerkte dazu einmal: “Das Volk ist stärker als die Armut. Auch wenn das Überleben vor lauter Schwierigkeiten und Grausamkeiten fast unmöglich erscheint, das Volk lebt, kämpft, lacht, gibt nicht auf.”
Man tut gut daran, hinter die Kulissen zu schauen, denn aufgrund der günstigen Flugverbindungen nach Salvador da Bahia boomt die Stadt als neues Tor zu Brasilien. Und die europäischen Touristen gelangen alle früher oder später in den Stadtteil Pelourinho, sind hier doch die bedeutendsten Kolonialbauten, Museen, Kirchen und eine komplette historische Barockstadt aus der Portugiesenzeit zu besichtigen.
Man kann tapsige Reisegruppen aus Spanien, Portugal, Argentinien, Holland oder Deutschland beobachten, die mit eigenem Sheriff und Reiseleiter über das Kopfsteinpflaster der Gassen geschleust werden, unangenehm berührt von zahnlosen Bettlern mit aufgeblähten Bäuchen (fast immer ein Zeichen von Wurmbefall und auf verunreinigtes Trinkwasser zurückzuführen) und aufdringlichen Schmuckverkäufern, die bunte Candomblé-Bändchen als gratis Presente anbieten und doch nur ihre überteuerten Holzketten verkaufen wollen. Auch in Brasilien wird ein Geschenk gewöhnlich mit einem Gegengeschenk beantwortet. Capoeira-Tänzer und Frauen in traditionellen Kostümen posieren für zehn Real vor den ausländischen Digitalkameras und Camcordern, oftmals routiniert wie Heidi Klum. Später verweilt man in einem dieser romantischen Cafés in der Altstadt, sitzt auf Plastikhockern, die schief auf dem Kopfsteinpflaster aufliegen und lauscht versonnen den brasilianischen Liedermachern mit ihrer Akustikgitarre.
Die Kellner in den blütenweißen Hemden servieren den Touristen aus Übersee überteuertes Bier für fast 8 Real (inklusive Zuschlag für die Musiker und Service) und ernten dafür ein schüchternes “Obrigado”. Die Romantik bröckelt dann doch irgendwann. Zu späterer Stunde wechseln nämlich Ware und Gäste, es erscheinen die Mariposa de la Noite, die Garotas de Programa, die auf Gringofang gehen und sich hier vor der Nachtschicht für fünf bis zehn Real die Nase pudern – Kokain kostet in Brasilien nur einen Bruchteil des europäischen Marktpreises. Man kennt sich, Kellner und Mädchen zwinkern einander zu, es gibt wenig neue Gesichter in der vertrauten Szene und die Toilette ist oft besetzt.
In der schmuddeligen Gasse hinter den Touristenrestaurants wanken betäubte Gestalten durch die junge Nacht. Die unverwüstlichen Klassiker von Bob Marley, neben Nelson Mandela und Malcom X, einer der Helden des schwarzen Salvadors, wehen über das raue Kopfsteinpflaster. Musicá de Malandros – Gangstarap für die einen, Befreiungsmusik für die anderen. Am Morgen erscheint hier regelmäßig ein Trupp städtischer Angestellter mit einem Hochdruckreiniger und kärchert die Reste der vergangenen Nacht in das Universum.
Nebenan beklagt ein Münchner Kneipenwirt, seit 13 Jahren im Pelourinho beheimatet, dass seine Gäste selbst Glühbirnen und Klopapier vom Lokus klauen würden. Ab sofort, so sein Plan, wird die Toilette so eng zugemauert, dass sich nur noch eine Person hineinzwängen kann. Warum? Nun ja, auf diese Weise gäbe es keine ausschweifenden Sex- und Drogenpartys mehr auf der Klobrille, also weniger Diebstähle und keine lästigen Polizeikontrollen, die mit aufgehaltener Hand nach „Bakschisch“ verlangen. Denn als Gringo, das ist klar, zahlt man hier immer für andere mit – Brasilien eben.
An den strategischen Punkten wacht durchaus das Auge des Gesetzes über den europäischen Touristenstrom, oftmals mit blinkenden Digitalkameras und kostbaren Uhren behangen. Aber auf diese unmotivierte Truppe ist nicht wirklich Verlass, zu gering ist das Einkommen (etwa 800 bis 1.000 Real monatlich), zu verbreitet die Korruption, zu groß das Desinteresse, einem beklauten Touristen beizustehen: Wer sich ein Flugticket nach Brasilien leisten kann, der kann sich auch eine neue Kamera kaufen.
Ein weiteres Problem ist die schwerfällige Justiz Brasiliens – nur rund 10% aller Gewalttäter werden rechtskräftig verurteilt. Also stehen die Uniformierten – wenn sie nicht gerade wieder streiken oder dunkelhäutige Verdächtige verhaften – sonntags grinsend in ihrer Wache und amüsieren sich über die Schlangen von herausgeputzten Touristen, die für ein Konzert der Sambagruppe Olodum neben der Casa de Journalista anstehen. Der Eintrittspreis beträgt dreißig Real und wird ohne mit der Wimper zu zucken gezahlt. Eine Summe, für die sich die Mädchen in der schmuddeligen Cidade Baixa (Unterstadt) bereits verkaufen oder gut gelaunte Drogenhändler bis zu fünf Gramm Kokain verhökern. Daneben die zerlumpten Dosensammler, die das zerdrückte Leergut der Touristen einsammeln und in riesigen Plastiksäcken hinter sich herziehen (manchmal auch mit Diebesgut gefüllt), und die für dreißig Real wohl bald eine Woche lang arbeiten müssten. Und auch der strubbelige Straßenjunge ist wieder da, der immer mit den drei Kokosnüssen vor den Touristen jongliert und auf diese Weise hin und wieder ein durchaus attraktives Einkommen erzielt. Sein Freund ist ein einäugiger Straßenhändler, ein Cachaçeiro (Säufer) mit schmierigem Handkarren, der einzelne Zigaretten, Streichhölzer und Bonbons für wenige Centavos anbietet. Eine Welt, in der die großen Fische die kleinen auffressen.
Und so ist es hier im Pelourinho der auffällige Kontrast zwischen arm und reich, der sich immer wieder unerfreulich bemerkbar macht. Normale Baianos lassen sich hier denn auch so selten wie möglich blicken, gilt der Stadtteil doch als touristisches “Disneyland”, in dem alles völlig überteuert ist und sich nächtens nur verdorbene Mitmenschen herumdrücken.

Doch auch in der Unterstadt fällt uns besonders der arme Teil der Bevölkerung auf. Neben den mit Obst und Gemüse prallgefüllten Marktständen bietet ein Großteil der Verkäufer seine Habseligkeiten an. Auf einem Hocker werden über mehr als 2 Wochen 3 Paar alte Schuhe angeboten. Bonbons, Kaugummi und Lutscher, deren Verpackungen einen längerfristigen Straßenaufenthalt bezeugen, werden auf etwa hockergroßen Tischchen feilgeboten. An anderer Stelle sind es einige Gummiringe und Nähnadeln. Doch ein Anblick, an den wir uns nicht gewöhnen können, ist, dass zwischen den Ständen oder an den Bürgersteigrändern Menschen, spärlich bekleidet nur auf einem Stück Karton liegend ihren Schlafbedarf erfüllend dahinleben. Gern wählen sie auch die Nähe von Bankeingängen.
Der Anteil junger drogensüchtiger Menschen erklärt die fortwährende und manchmal aggressive Bettelei gegenüber den Touristen. Bis abends spät laufen auch noch Kinder den ausländischen Touristen nach. Eine, mit entblößtem Bauch unverkennbar schwangere Frau war über eine Absage so erbost, dass sie der absagenden Frau mit ihren Fingernägeln über die Arme strich und ihr so einige heftig blutende Kratzer beibrachte. Wir geben grundsätzlich kein Geld, sondern haben für die Bitten, die fast immer mit Hunger- und Essgebärden unterstrichen sind, einige Paketchen Plätzchen oder etwas Obst im Rucksack. Einem schauspielerisch dem Zusammenbruch nahe bettelndem Jungen kaufte Christel unmittelbar vom handweit entfernten Obststand eine Banane mit der Frage, ob er noch mehr möchte. Enttäuscht zog er von dannen. Nach 20 Metern warf er die Banane in die Gosse. Christels Großmut ist seitdem etwas abgeschwächt.



Die Baia als Segelrevier
Mit seiner Inselwelt lockt uns die Baia als DAS Segelrevier. Fotos mit vielen Booten darauf zieren Reisekataloge. Schon bei unserer Einfahrt in die Baia sahen wir etwa zehn Ozeanfrachter, Container und Tanker, vor Anker liegen. Doch keine Segler. Und nun, wo wir das Revier erkunden, sind wir fortwährend allein segelnd auf dem Wasser. An allen Tagen auf der Baia haben wir maximal 3 Boote unter Segeln gesehen. Die farbenprächtigen Fotos von spinnakerfahrenden Booten stammen also von der jährlich im August stattfindenden Regatta. Wir überschlagen mal: in der Baia sind insgesamt soviel Boote wie in einer großen europäischen Marina. Der Anteil der ausländischen Boote wird bei etwa 50 liegen. Davon sind etwa 25 Eigner auf Heimaturlaub. Der Rest trifft sich immer wieder im Hafen und vor Anker, tauscht Neuigkeiten und die Adressen günstiger Beschaffungsquellen aus.

Als erstes segeln wir in die Bucht von Aratu. Die Equinoxe legen wir an eine freie Mooringtonne. Schnell das Dinghi klargemacht. Am Steg des Iate Clube begrüßen uns ganz herzlich Kurt und Karin von der Aleppo und Erich und Christiane von der Delphin. Es gibt viel zu erzählen und der Abend wird lang. In der Bucht sind zwei Clubs ansässig. Gäste können an Mooringtonnen festmachen oder ankern. Es werden Wassertaxi, Sanitärräume, WiFi und Restaurant geboten, in einem sogar Swimmingpool. Auch hier wird Sicherheit großgeschrieben. Beide Clubgelände sind eingezäunt und bewacht. Nachts fährt der Sicherheitsdienst mehrmals alle die an Mooring liegenden bzw. ankernden Boote an und kontrolliert.

Nach einigen Tagen ankern wir zwischen den Inseln Ilha do Frade und Ilha Bom Jesus. Dank Iridium sind wir auch hier kommunikationsfähig und können mit unseren Lieben zuhause die Osterwünsche austauschen. Am Ostersonntag machen wir uns auf den Weg (das heißt Fahrt mit dem Dinghi) zum Kirchgang, doch leider waren 2 Kirchen verschlossen. Und das am hochheiligen Ostertag. Etwas unverständlich. Da hat offensichtlich die Religiösität etwas gelitten.

So haben wir auf schmalen Pfaden die Inseln erkundet und so etwas wie den brasilianischen (Ur)Wald kennengelernt. Dichter Bewuchs, so dass nur ein Durchkommen mit der Machete möglich wäre. Kleine Ortschaften, die aus der Ferne niedlich und einladend aussehen entpuppen sich als für uns nicht so wünschenswertes Domizil. Ein Großteil der Straßen ist ungepflastert und weil es immer mal regnete (kurze kräftige Schauer) läuft ein Rinnsal Wasser durch die Straßen und spült den Sand mit sich. 95 % der Hütten, Häuser, Unterkünfte sind unfertig bzw. renovierungsbedürftig. Wir hatten die Möglichkeit, mal in einige Häuser hinein zu sehen, weil viele Türen offen stehen. Ein großes Sofa und ein großer Fernsehbildschirm nehmen den Hauptteil des Wohnraums ein. Die Menschen sind freundlich, wir grüßen uns, sie machen einen zufriedenen Eindruck.
Bei unserer Weiterfahrt mit dem Dinghi passieren wir eine kleine Insel mit Holzhäuschen, sauberen Anlagen, Restaurationsbetrieb. Ein kleiner Bootsanleger ist vorhanden und schon ist das Dinghi angebunden und wir zur Erkundung gerüstet. Security erscheint: Die Insel ist leider nur von angemeldeten Gäste zu betreten. Wir müssen weitertuckern. So fragt dann Christel auch am Abend, als wir klatschnass an Bord zurückkommen, wir bekamen unterwegs mit dem Dinghi nämlich noch eine kräftige Dusche Süßwasser: Was machen wir hier eigentlich im brasilianischen Wald? Wir sind auf den Spuren Humboldts.
Dann, wie jeden Tag um 18:00 Uhr wird die Dämmerung innerhalb von 20 Minuten in Dunkelheit umschlagen, erreicht uns aus dem Busch ein wildes Zirpen, Pfeifen und Rufen vieler Tiere. Langsam zieht noch ein Einbaum mit zwei Schwarzen an uns vorbei heimwärts; wir wähnen uns im Urwald. Wir lauschen dem Ganzen, hören noch einige Vögel ihrem Schlafplatz zufliegen, einige Fische durchbrechen plätschernd die Wasseroberfläche, es gibt was zu fressen oder sie werden gejagt. Derweil servieren wir uns ein Bier aus der Kühlbox, die dank Sonnen- und Windenergie eine wohlbekommende Trinktemperatur gehalten hat.

Wir besuchen die Insel Itaparica, von der der Schriftsteller João Ubaldo Ribeiro sagt, dass hier ein permanenter Intensivkurs in der schwierigen Kunst des Nichtstuns gehalten wird. Wir mögen Itaparica mit seinem kleinen Hafen, den vielen Ankerplätzen und seinen weißen Stränden und äußern uns zu gewissen Aussagen nicht.

Eine Fahrt den Rio Paraguaçu flussaufwärts bringt uns nach Maragogipe. Hier in der ländlichen Region findet jeden Samstag ein Markt statt. Für uns ist es ein Muss. Wegen der Gezeiten verlassen wir erst am Freitag zu Mittag den Ankerplatz bei Itaparica. Es ist wenig Wind und so erfahren wir noch einen nächtlichen, stockdunklen Ankeraufenthalt in einer Flussbiegung. Am Samstagmorgen können wir vor der langen Mole unseren Anker auswerfen. Nach uns kommen noch 3 Segelboote. Weitere Besucher kommen mit der täglich verkehrenden Fähre. Erst einmal am Markt sehen wir die weiteren Transportmittel: Fahrrad, Motorrad mit großen Seitentaschen und/oder Anhänger, viele Pickup-Autos, einige werden ihre Einkäufe von ihrem Esel heimtragen lassen. Doch für uns völlig überraschend kommt eine Vielzahl per Pferd, die beidseitig große Satteltaschen bzw. –Körbe tragen. Ein Besucher kommt per Ochs auf messingbeschlagenem, reich verziertem Sattel. Auch hier große Körbe, die den Einkauf sicher nach Hause bringen sollen. Leben, wie wir es nur aus dem Film kennen. Die offene Tür und der freie und zugleich einzige Frisierstuhl eines weniger als garagengroßen Salons lädt Berthold zu einem Schnitt von Kopf- und Barthaar ein. Der Friseur ist begeistert. Wahrscheinlich der erste Ausländer. Gekonnt erfüllt er die Wünsche und ungefragt seift er Berthold ein und rasiert ihn auch noch. Alles zusammen für 7,50 Real. So günstig rasiert verbleiben uns einige Centavos für Brötchen zu kaufen. Christel bedeutet der Verkäuferin mehrfach per Stimme und Handzeichen, dass sie 5 möchte. Sie freut sich über die Bestellung und zugleich bietet sie an, von einem großen Kuchen zu probieren (mmmh lecker) und kurz darauf wird eine übergroße Tüte in den Verkaufsraum getragen. Für uns?. Wir prusten los. Die Verkäuferin hat Christels Ansagen vermutlich addiert und will uns die Tüte mit etwa 30 Brötchen über die Theke reichen. Glücklicherweise konnten wir – nun gemeinsam lachend - den Kauf rückgängig machen. Noch einmal, und nur ein mal "cinco" und die geöffnete Hand gezeigt bescherten uns die ersehnten fünf Brötchen.

Zwischenzeitlich hören wir im Baia-Funk, dass Björn und Astrid von der Buena Vista alle deutschsprachigen Segler zu einem TO-Treffen (Verein Trans-Ocean) informieren. Auch Günter und Anne sollen mit ihrer Mingula inzwischen eingetrudelt bzw. von der Delphin in den Hafen geschleppt sein (Motorpech). Es treffen sich neben dem TO-Stützpunktleiter die Besatzungen von 8 Booten zum Besuch einer Churrascaria. Dieses ist ein Restaurant brasilianischer Art. Entree, Suppe, Gemüse, und Nachtisch und Eis werden buffetmäßig vorgehalten. Fleisch: vom brasilianischen Rind Hüftsteak, Rumpsteak, Filetsteak, Entrecôte, Filet Mignon und Picanha, aber auch Lammfilet, Schweinefilet und Schinken werden von den Cortadores (Grillmeister) unmittelbar am Tisch vom Spieß geschnitten. Soviel der Gast möchte. Zur Signalisierung eines Wunsches bzw. der vorübergehenden oder endgültigen Sättigung liegen bierdeckelgroße Karten am Platz, eine Seite grün = Hunger oder Durst und die andere rot = satt. Es wird ein vergnüglicher Abend, an dem wieder Erfahrungen ausgetauscht werden, besonders über die südlich und nördlich von Salvador vorhandenen Ankermöglichkeiten.

Einige Tage darauf möchte die Delphin nach Rio de Janeiro starten. Diese Zeit mit stetigen Süd- oder Südostwinden ist gar nicht günstig, doch die Leinen werden gelöst und mit Sirenengeheule und Kusshändchen wir sie aus dem Hafen verabschiedet. Die MamaSan ist inzwischen in Rio angekommen. Ruud berichtet von viel Wind von vorn, aber auch von gewissen Zeiten ohne Wind. Heißt also viel motoren und Tankstopps einzulegen. Später hören wir auch von der Delphin, dass die Winde sehr ungünstig waren. Zwei Tage gegen den Wind kreuzen brachten ihr 10 Meilen Süd und 30 Meilen West. Auch hier Tankstopp und Zwangsaufenthalt. Die Crew der Buena Vista bucht kurzentschlossen einen Flug nach Rio. Astrid und Björn wollen Rio und die Copacabana und weitere südlich gelegenen Sehenswürdigkeiten besuchen und dann mit einem Fernreisebus zurückkommen.

Neuer Sonnen- und Regenschutz
Mittlerweile regnet es häufiger. Der Monsun, die Regenzeit macht sich bemerkbar. Es ist Mai, auf dem südlichen Erdenrund und es wird Winter. Die Temperaturen sinken kaum, noch immer zeigt das Thermometer muntere 28°, die relative Luftfeuchtigkeit liegt oft über 80%.
Noch immer schlafen wir wegen der großen Hitze, die lediglich in den Morgenstunden ein wenig geringer ist, draußen in der Plicht. Unser Bimini hält tagsüber der brennenden Sonne stand, nicht jedoch dem immer wiederkehrenden starken Regen. Da tröpfelt es mal da mal dort und ist dann besonders in den Nächten ungemütlich, wenn wir mehrmals den Schlafplatz wechseln müssen. In dem Gedanken um die Anschaffung eines festen Biminis kommt daher auch ein größeres, über den Baum gespanntes Tuch in Erwägung. Ein Anruf bei einem Segelmacher auf der Insel Itaparica offeriert die Möglichkeit. Schon 2 Tage später ist seine Frau an Bord und alles schnell ausgemessen und der Auftrag perfekt.





Nationalpark Chapada Diamantina
Die Crews der Aleppo und der Equinoxe beraten einen Ausflug in den Chapada Diamantina, etwas über 400 Kilometer westlich von Salvador. Kurz entschlossen steigt auch die Crew der Mingula ein. Unser Ziel ist das ehemalige Diamantenwäscherstädtchen Lençóis am Rande des Nationalparks.
Die Attraktion des Parks ist seine landschaftliche Schönheit: Tafelberge, schroff aufragende Felsplateaus, Canyons, Wasserfälle, Grotten und Höhlen, dazu 60 Orchideenarten und seltene Bromelien begeistern den Naturfreund. Vereinzelt zeigen sich Papageien und Kolibris sowie seltene Finkenarten.

Der 1. Tag, Reise und Lençóis
Schon morgens um 0600 h treffen wir uns auf dem Steg und fragen uns gegenseitig ab: Pass, Fahrkarten, Wanderschuhe, Regenkleidung etc., und fahren dann mit 2 Taxen zum sehr gepflegten Busbahnhof Rodoviaria, der so weitläufig ist wie in Deutschland ein großstädtischer Hauptbahnhof. Schnell finden wir "unseren" Bus. Der Fahrer prüft Reisepass und Fahrkarte, erst dann können wir einsteigen und uns auf den reservierten Plätzen für die nächsten sieben Stunden gemütlich einrichten.

Die Busausstattung ist schön und sauber. Der vordere Teil, der Fahrer- und Beifahrerplatz sind vom Fahrgastraum getrennt. Der Beifahrer ist für Informationen und auch zur Herausgabe des Gepäcks zuständig. Die Sitzplätze bieten ausreichend Platz für die Beine. Anschnallen ist Pflicht.
Die Fahrt geht durch sehr grüne, hügelige Weidelandschaft, mit Herden von „normalen Rindern und Zeburindern, das sind die mit dem Buckel auf dem Rücken. Auch sehr viele Pferde grasen auf den Wiesen. Wir passieren eine sehr abwechslungsreiche Landschaft und unendliche Zuckerrohrfelder. Nach vier Stunden gibt es bei einem Restaurant einen Pinkelstopp von 30 Minuten. Das Restaurant hat bereits ein Büffet aufgebaut, so dass geschmacksorientierte und temporeiche Nahrungsaufnahme gewährleistet ist. Ab hier wird die Gegend immer bergiger. Um 14h30 erreichen wir Lençóis. Wir steigen gerade aus und schon "überfallen" uns etwa 15 junge Männer, selbsternannte Fremdenführer, einige ältere zeigen auch ihre Prospekte, doch nicht so aufdringlich. Die jungen preisen uns "ihre" Pousada (Pension), nämlich die ihrer Mutter, Oma, Tante oder eines Onkels in den höchsten Tönen an, und wollen uns dorthin schleppen. Es herrscht ein erstaunliches Getümmel und Palaver.
Noch unschlüssig entscheiden wir uns zu einem Spaziergang. 3 von uns bleiben beim Gepäck, 3 gehen mit nun noch 6 Führern zu den angebotenen Pousadas. Nach jeder unserer Absagen (zu klein, WC auf dem Flur, muffig, Wände nur bis 2,20 m Höhe gemauert und nach oben bis unters Dach offen) wissen sie die nächste – nur einige Minuten entfernt – anzubieten. Schließlich besuchen wir auch noch das FirstClassHotel der Stadt (hier begleiten sie uns nicht) und eigentlich ist für Berthold das Quartier nun schon gefunden. Doch Kurt lässt nicht locker und richtig genug, führen sie uns (zwischenzeitlich nur noch 4 Führer) zu einer innenstadtnahen Pousada, 250 Meter von der Bushaltestelle, rustikales Anwesen, am Hang gelegen, über mehrere Etagen, zünftige Ausstattung, Zimmer mit Balkon, Swimmingpool etc., pro Zimmer incl. Frühstück 70 Real. Geht doch. Warum nicht gleich so? Vielleicht die Provision zu gering?

Noch am Nachmittag erfragt die Wirtin auf unseren Wunsch einen deutschsprechenden Führer und wenig später stellt er sich schon vor: Tay, sympathischer Franzose aus Straßburg, er lebt mit Freundin und Kind seit einigen Jahren in Lençóis, seiner Wahlheimat. Wir tragen unsere Wünsche vor. Gleich vorweggesagt, auf die verschiedenen Grotten und auch die sehenswerte Tropfsteinhöhle Gruta do Lapão in der Nähe von Lençóis und die rd. 70 km entfernten Gruta Lapa Doce und Gruta da Pratinha) sowie auch auf dem Poço Encantado mit seinem blauen See (120 km entfernt) haben wir verzichtet. Von den bisher auf vielen Reisen besuchten Grotten und Höhlen wussten wir einander ausführlich zu erzählen und blaues Wasser hatten wir in letzter Zeit auch genügend gesehen. Danach hat er schnell ein für uns ansprechendes Programm zusammengestellt und schon am folgenden Morgen um 0900 h wird es losgehen.
Wir erfrischen uns in der Pousada mit einem kühlen Bier, erkunden anschließend den Ort und landen am Abend in einem von unserem Reiseführer empfohlenen Restaurant. Dem zusätzlichen Rat, wir sollten für 6 Personen lediglich 3 Portionen bestellen, konnten wir aus unterschiedlichen Geschmackswünschen nicht nachkommen. Doch unser übergroßer Appetit hat die Speisereste klein gehalten. Noch ein Schlaftrunk auf dem Heimweg und schon suchen wir unsere Zimmer auf.



Mitte des 19. Jahrhunderts lockten Diamantenfunde zahlreiche Menschen in diese Region (um 1850 ca. 30.000 Einwohner). Brasilianische und europäische Edelsteinhändler ließen damals- im Gegensatz zu den Lehmhütten der meisten Bewohner- verschwenderisch ausgestattete, zweistöckige Herrenhäuser aus Stein erbauen. Ende des 19 Jahrhunderts wurden die Diamantenfunde allerdings spärlicher. Außerdem führten die ergiebigen Minen in Südafrika zum Preisverfall, der die Edelsteinsuche hier unrentabel werden ließ. 1980 wurde die Suche endgültig eingestellt. Heute ist Lençóis ein schönes Städtchen mit etwa 9.000 Einwohnern, das sich in den letzten 150 Jahren architektonisch wenig verändert hat. Auch der zunehmende Tourismus hat bisher noch keine hässlichen Folgen hinterlassen, sondern zur Erhaltung der Bausubstanz beigetragen. Lençóis bedeutet übrigens „Leintuch“, weil die Diamantensucher und Goldgräber ihre Lager und Schürfstellen mit weissen Tüchern beschatteten. Der Ort bildet das Zentrum für Ausflüge in den 1985 eingerichteten riesigen Nationalpark.



Der zweite Tag bedeutet für uns Wandern.
Gerade aus dem Ort heraus, wähnen wir uns wie im Film. An einem Fluss, der 10 bis 20 Meter breit den Felsen herunterfließt und immer wieder in kleinen Tümpeln verharrt, sehen wir die größte Waschanstalt von Lençóis. Etwa 100 Frauen und Mädchen, viele Kinder spielen am Wasser, waschen hier Wäsche und legen sie zum Trocknen auf die Felsen links und rechts des Flusses. Es sieht wie ein riesiger Flickenteppich aus. Unser Reiseleiter Tay bekräftigt, dass hier jeden Tag, soweit es nicht regnet, Großer Waschtag ist.
Wir halten uns rechts und flussaufwärts geht es über ehemalige Goldgräber-und Diamantenpfade, springen über Stock und Stein, klettern unter und über gewaltige Felsen, arbeiten uns von kleinem Steinblock zu mächtigem Steinblock den Fluss hinauf bis zu einem Wasserfall mit glasklarem Wasser. Tay zeigt uns schnell, wo unter dem Wasserfall geduscht wird und springt danach gleich in die große Badewanne davor.
Danach geht´s erst mal den gleichen Weg zurück, doch biegen wir dann ab zum Wasserfall Ribeirão do Meio. Hier gibt es eine natürliche Rutschbahn, auf der man auf dem Hosenboden die ausgewaschene, felsige Wasserrinne hinunter rutschen kann. Es sieht nicht sehr bequem aus, so überlassen wir den Spaß Kurt. Er schwimmt von unserem Lagerplatz hinüber, erklettert am Rande des Gesteins eine beachtliche Höhe um dann – einmal ins Rutschen geraten – bremsenlos holpernd über die Steine in das darunter liegende Becken zu rutschen. Unseren Beifall nimmt er gelassen entgegen.. Nach einer weiteren Stunde Wanderung (nicht von Stein zu Stein springen), kommen wir ganz in der Nähe von Lençóis zu vielen kleinen Tümpeln. Schnell wieder ein Bad, wobei man bergabwärts über den ausgewaschenen Steinen von einem in das nächste Becken rutschen kann. Wir kommen in der Dämmerung nach Lençóis zurück. Hier besuchen wir noch die Pousada einer deutschen Auswanderin (leider bei unserer Anfrage ausgebucht), lassen uns abseits vom Herrenhaus in einer kleinen offenen Buschbar zu einem erfrischendem Umtrunk nieder und nach kurzer Zeit wird die Buschküche aktiviert und wir werden mit brasilianischen Köstlichkeiten verwöhnt. Ein toller Tag.



Der dritte Tag, Besuch der Tafelberge

Tay holt uns mit einem Landrover, in dem wir alle Platz finden. Wieder über Stock und Stein erreichen wir einen Fluss, an dessen Ufern wir nach etwa 1 Kilometer zu einem 25 m hohen Wasserfall kommen. Das Wasser ist moorig schwarz. Flussgrund und Steine nicht zu sehen. Tay weiß jedoch einen wunderbaren Kopfsprungeinstieg. Erst als er wieder auftaucht, folgt Berthold ihm und sie schwimmen nun unter den Wasserfall. Hier herrscht ein wildes Getöse des Wassers und eine Rufverständigung ist nicht mehr möglich. Und wenn erstmal das Wasser auf den Kopf plätschert, ist auch nur noch schemenhaft etwas zu erkennen. Langsam klettern wir bergauf. Irgendwann ist Tay gesprungen. Sein Auftauchen konnte Berthold nicht sehen. Aber nur durch einen Sprung in das dunkle Wasser ging es zurück. Der Weg zurück führt uns zu einer kleinen schon angefeuerten Grillstation. Natürlich halten wir Einkehr und schon sind die niedlichen handgroßen Äffchen um uns herum, weil es bei uns doch etwas zu knabbern gibt.

Auf dem Weg zu den Tafelbergen besuchen wir einen Orchideengarten. Hunderte verschiedenfarbiger und verschiedenartiger Orchideen wachsen hier. Danach noch einige Kilometer mit dem Auto und wir erblicken die Tafelberge und den Morro do Pai Inácio, 1.120 m hoch und das Wahrzeichen der Chapada Diamantina. Nach einem gesicherten Aufstieg bietet sich von dem Plateau eine herrliche Aussicht in die Chapada. Von hier oben ist ein etwa 80 km langer Wanderweg durchs völlig unbewohnte Land auszumachen. In Christels Augen erkenne ich Wandersehnsucht.
Auf dem Rückweg nach Lençóis kommen wir an grossen Feldern mit Mamona-Pflanzen vorbei. Aus dem Samen dieser Pflanze wird Oel gepresst und aus 100 Litern von diesem Oel gibt es 90 Liter Bio-Diesel. Wir finden das sehr interessant, zumal wir auch noch das Auto auftanken müssen. Tay füllt Benzin mit Alkohol ein. Dieser Alkohol kommt vom Zuckerrohr. In Brasilien dürfen keine PKW's mit Diesel fahren. Diesel ist nur für die Trucks bestimmt.
Um 1800 h liefert uns Tay in unserer Pousada wohlbehalten ab. Noch müssen wir schnell in die Stadt und einige leckere Sachen für das für morgen geplante Picknick kaufen.



Der vierte Tag heißt paddeln
Schon um 0730 h holt Tay uns von der vorzüglich gedeckten Frühstückstafel. Der erste Weg führt uns über sehr unebene Wege in ein ehemaliges Sklavendorf. Hierhin weit in den Busch flüchteten ehemals entlaufende Sklaven. Heute ist hier eine Ansammlung von etwa 15 Hütten und Häuschen, die sich um einen großen Platz gruppieren. An einem der Häuschen stehen Paddel und hängen Rettungswesten, so erkennen wir gleich, dass wir bald wieder Wasser unter dem Kiel haben werden.
Der Dorfälteste bekommt üblicherweise einen Besuchsobolus (wir nannten es Eintrittsgeld). Mit diesem Geld wird die bescheidene Schule unterhalten. Erst vor 3 Jahren wurde Elektrizität ins Dorf gebracht. Während Tay die Modalitäten einer Kanutour bespricht, können wir uns einer Besichtigung des Dorfes widmen. Doch schon sind Rettungswesten, Paddel etc. auf den Wagen geladen. Ein einheimischer Bootsführer findet außen am Landrover noch ein Plätzchen um sich zu halten und fährt so auch einige hundert Meter mit zu dem Rio Santo Antonio mit einer Anlegestelle für Kanus. Wir besteigen ein großes Kanu (auch wir "seeerfahrenen" bewegen uns zu Anfang sehr vorsichtig, damit das Kanu nicht zu sehr schaukelt. Und ab geht es. Die Ufer und mit ihm Seerosen, Papyrusgras, Wasserlilien und alle Sumpfgewächse spiegeln sich in dem dunklen Moorwasser. Viele bunte und einige schwarzweiße Vögel begleiteten uns. Auf einer Seite Wald auf der anderen Gras- bzw. Buschland. Mehrere Male wachsen Seerosen und Anemonen bis zur Ufermitte, so dass wir sie teilend durchfahren. Einmal stecken wir in einer weiten Seerosenlandschaft fest. Die Paddel werden fast achtlos in die Rosen gestoßen, dem Blumenfreund tut so etwas weh, doch wir müssen weiter und so gelangen wir bis zum Rio Roncador.
Kurz darauf wird der Fluss breiter und das Wasser untief, das Kanu wird auf eine Sandbank gezogen. Wir können einige Hundert Meter weiter den Fluss durchwaten, nur von dort führt ein Weg bergan. Tay musste derweil noch mal schnell hinter die Büsche. Eigentlich ein einfaches Unterfangen, doch ungestüm laufend kam er zurück. Moskitos hatten ihn überfallen. Nun flink Autan etc. raus und wir uns alle eingerieben. Tay wunderte sich, dass wir auch ein Mittel für nach dem Stich dabei hatten und freute sich über die Einreibung von weiblichen Händen. Später stellten wir fest, dass er mindestens 50 Stiche davongetragen hat.
Ein weiterer Pfad führt uns zu einem Wasserfall mit mehreren aneinander verbundenen ausgedehnten Wasserbecken. Hier richten wir uns zum Picknick ein und machen mal wieder Badepause. Tay kann uns einige Wasserfälle hinab zu einem beeindruckenden Canyon führen. Hier ist die Flut doch so gewaltig, dass ein Schwimmen verboten ist. Auf der Rückfahrt müssen wir das Kanu gegen den Strom fahren und benötigen dafür etwa 3 Stunden. An der Anlegestelle angekommen, können wir den einheimischen Frauen beim Geschirrspülen zusehen; in dem Flusswasser neben den Kanus.
In der halboffenen "Dorfbar" nehmen wir einen Abschiedsdrink und fahren im Dunkeln wieder heim nach Lençóis.



Der 5. Tag und Rückreise
Ein mit Lieblingszutaten (Picknickreste) bereichertes Frühstück lässt uns noch einmal die morgendliche Runde mit Blick auf die Berglandschaft mit dem satten Grün genießen. Mit unseren Taschen und Rucksäcken gehen wir so rechtzeitig zur Bushaltestelle, so dass wir noch die Gelegenheit haben, uns auf halbem Weg von der Bar unseres abendlichen Schlaftrunks zu verabschieden. Hier lassen wir die Tage in Lençóis Revue passieren. Noch einmal das erste Bad im Wasserfall, die Wasserrutsche, die Tafelberge, die Paddeltour, der Canyon und das Besondere dazu: 3 Tage keinen Regen. Eine Frau, sie trägt ihre gewaschene Wäsche auf dem Kopf, kommt vorbei, eine andere, sie balanciert einen großen Kessel Wasser auf dem Kopf. Ihr folgt eine Putzkolonne, überwiegend Frauen, mit ihren zünftigen Naturbesen. Ja, in Lençóis werden täglich Plätze und Straßen gefegt. Eine saubere Stadt. Wir sind wieder einmal begeistert von Ort und Park, obwohl wir doch nur so wenig gesehen haben. Sollten wir vielleicht noch einmal für eine große Wanderung hier einkehren?

Dann kommt auch schon pünktlich der Bus und wir machen es uns bequem. Nur wenige Reisende ermöglichen es uns, jeder einen Fensterplatz einzunehmen und die befahrene Gegend zu genießen. Nach 2 Stunden ist wieder ein kleiner Aufenthalt eingeplant. Am Abend erreichen wir den Busbahnhof von Salvador, 2 Taxen bringen uns schnell zur Marina.



Tolle Überraschung. Wasser im Schiff.
Hatten wir doch unseren Lüfter neu abgedichtet, geprüft und wasserdicht bezeichnet. Wat nu? Woher kommt denn immer noch Wasser?
Auf dem Salonboden steht Wasser. Nicht hoch, doch unangenehm. Die Bilge ist noch trocken. Es ist, der größte Schreck vorbei, Süßwasser. Wassertanks dicht? Ist es also Regenwasser? Bislang war es nur im WC nass und einige Rinnsale in den Salon gelaufen. Christel ist schnell dabei, das Wasser aufzunehmen und stellt schon fest: Der Fußboden ist hin. Das Holz hat Wasser gezogen.
Noch einmal alles durchsehen, alle im Cockpitbereich befindlichen Schrauben nachziehen und siehe da, unter der festen Scheibe im Cockpit ist ein Schraubloch von einem früheren Tenax-Bolzen zu sehen, in dem sich nun selbstverständlich keine Schraube befindet. Bei starkem Regen oder auch Schwell wird das Wasser unter den Rahmen geleitet und so kann das Loch Wasser ziehen. Wir können es mit Tesafilm überkleben und somit kinderleicht abdichten.



Ribeira, Pier Salvador
Einige Tage später verholen wir in die Marina von Ribeira, etwas nördlich von Salvador. Sie ist auf keiner Seekarte, weder Papier noch elektronisch, zu finden. Auch die Seehandbücher verschweigen sie. Die Aleppo und die Delphin hatten sie bei einem Landausflug entdeckt. Die Segelanweisung an uns: Nur bei Hochwasser anlaufen. Nördlich der Landnase ist eine rote Tonne zu sehen, diese backbords runden und dann südlich halten. Genau, nur so geht es. Angekommen werden wir vom Hafenmeister und seinen Marineros an einen freien Mooringliegeplatz am Steg gewunken. Die Bugleinen werden angenommen und belegt während die Mooringleine achtern vom Dinghi-Marinero belegt wird. Wir schauen interessiert zu und können signalisieren, dass wir mit ihrem Manöver sehr zufrieden sind. Da erscheint ein weiterer Marinero auf dem Steg. Gekonnt balanciert er ein Tablett mit 2 Longdrinks und bietet sie uns zur Begrüßung an. So einen willkommenen und servicegeladenen Anleger hatten wir bisher noch nicht.

Heimflug
Unsere Aufenthaltsgenehmigung für Brasilien neigt sich dem Ende. Die Regenzeit beginnt. Wir wollen keine Verlängerung beantragen. Wir haben Heimweh. Wir haben einen Hafen gefunden, in dem wir die Equinoxe beruhigt einige Zeit alleine lassen können. Wir buchen einen Heimflug.

Kurt und Karin ergattern den gleichen Flug und so verabschieden wir uns im Flughafen von Frankfurt. Sie fliegen weiter nach Wien und wir setzen uns in den Zug nach Essen.

Berthold und Christel





Bericht vom 10. April 2009

Wie Du ja weißt, sind wir inzwischen in Salvador angekommen und erkunden nun die Bay mit ihren kleinen Baias und Flüssen. Der Aratu Iate Clube bietet 3 Tage kostenloses Liegen an einer Mooring, viele saubere Duschen, einen Pool, ein preisgünstiges Restaurant mit sehr aufmerksamem Personal und bis auf die Ankerplätze WiFi.
An die Wärme bzw. Hitze können wir uns immer noch nicht gewöhnen. Heute ist es bewölkt und es geht ein Wind von 2 – 3 Bft. Dank eines Windsacks durchflutet er auch den Salon. Kommt Christel gerade runter und meint: oh, hier ist es aber kühl. Ja stimmt. Nur noch 30 Grad. Die Wassertemperatur liegt bei 28-29. Welch eine Erfrischung.
Hast ja Recht. Wenn einer so etwas genießen darf, kann er gut lästern.
Ich sende Dir mal ein paar Bildchen mit Palmen, damit Du noch heißer auf die kommende Saison wirst.

Liebe Grüße
Berthold und Christel

Die große Fahrt der Equinoxe, Standortmeldung 19. Eingang 2. April 2009

Von Recife nach Salvador de Bahia/Brasilien
Das ist hier


Liebe Leute,
manchmal glauben wir es noch nicht, wir sind wirklich über'n großen
Teich gesegelt. Das haben wir wirklich mit unserer Nussschale geschafft.
Eine völlig neue Welt erfahren wir und sind sooo weit weg und täglich
neue Dinge, von denen wir nicht einmal geträumt hatten. Natürlich
konnten wir uns während der langen Überfahrt schon mal ein wenig von dem
neuen Kontinent anlesen, ein paar Vokabeln lernen, jedoch der
hauptsächliche Teil der Vorbereitung lag auf nautischem Gebiet. Auf
welchen Kursen gen Süd segeln, um am günstigsten den Äquator zu queren,
damit die windarmen Zonen möglichst gering sind. Wie den Squalls
(schwere Regengüsse mit Starkwinden und manchmal Gewittern) begegnen,
was machen wir wenn... und was machen wir dann...  und weiter: Wie ist
die Küste beschaffen, wann, wie, wo, was ansteuern, Beschaffenheit der
Buchten und Flüsse, vorhandene Strömungen, vorherrschende Winde,
Gezeiten und -höhen, Häfen und deren Ausstattungen, und auch wann, wie
und wo einklarieren.  Vieles ist bedacht, manches so gekommen wie
erwartet, doch einiges ganz anders wie gedacht.
Wie schon erwähnt, war der Empfang der Equinoxe in Recife gewaltig. Der
Hafenmeister des Clubs hatte volles Verständnis dafür, dass wir zur
Anmeldung bei ihm erst am folgenden Tag erschienen. Mit einigen Daten
von Boot und Eigner war er dann auch schon zufrieden. Er wusste, was wir
noch zu erledigen hatten:
Die Einklarierung.
Das Büropersonal des Hafens hatte schon vorbereitet einen kleinen
Lageplan der verschiedenen von uns zu besuchenden Stellen. Unsere
österreichischen Freunde hatten uns schon auf einige Besonderheiten
aufmerksam gemacht, so dass wir frischen Mutes die Sache angehen
konnten. Mit dem Taxi zur ersten Stelle, der Policia Federal, der
Einwanderungsbehörde. Leider hatte der Taxifahrer falsche Informationen,
so fuhr er uns zur Policia Federal-Zentrale anstatt zu dem speziell für
ankommendes Boatspeople im Hafenareal (und zwar im Güterhafen)
eingerichtetem Gebäude. Nach mehreren Erkundigungen konnten wir ihn dann
doch glücklich entlassen und durch eine Personenschleuse in den
Hafenkomplex gelangen. Eine Mitarbeiterin der Security führte uns bis
zum mit Stahlgittern abgeschlossenen Eingang der Policia Federal und auf
beharrliches Klopfen wurde uns schon freundlichst geöffnet. Ach ja,
Einreise, ach ja, mit dem Boot gekommen, ach ja schön, alles kein
Problem. Mit netten Gesten (beiderseits) wurden mehrere Papiere erstellt
und bald schon konnten wir ein Dokument der Einreise in den Händen
halten. Ja, für Berthold, doch Christel nein? Kleine Nachfrage und
Erläuterung: Einreise schon in Fernando de Noronha registriert. Nun hier
auf dem Festland in Pernambuco (ein Bundesland von 25 in Brasilien)
bestätigt und gültig für 3 Monate. Bei weiterem Aufenthaltswunsch ist
der Besuch der Zentrale (kennen wir schon) angesagt. Wir bedanken uns
und haben dann die Info, den Aduana, den Zoll (wir führen schließlich
ein Boot ein) zu besuchen. So ein Pech aber auch, gerade vor
verschlossenem Gitter erschienen. Es ist Mittag. Die Eingänge aller
Bürogebäude sind mit Gittern verschlossen. Eine Kette mit
Vorhängeschloss sichert unerlaubtes Öffnen. Wir warten und sehen uns
derweil Be- und Entladen der Schiffe an. Riesenfrachter aus Russland und
Indien werden mit übergroßen Gebinden von 50kg-Getreidesäcken beladen.
Daneben liefert ein Frachter weißen Sand. Wir können nicht in Erfahrung
bringen, wofür der notwendig ist, liegt doch die gesamte Küste voller
weißer Sand. Vielleicht darum?
Leider gibt es im Hafenareal nichts zu Essen oder zu Trinken und so
freuen wir uns, als ein Mitarbeiter des Zollamts uns schon vorzeitig
durch den Hintereingang reinlotst und uns gekühltes Wasser zur
Erfrischung anbietet. Und bald schon ist auch die zuständige freundliche
Beamtin erschienen und schnell sind mit ihrer Hilfe die notwendigen
Papiere ausgefüllt. Noch ein paar Kopien gefertigt, noch ein paar
Stempel drauf, alle unterschreiben und so können wir schon die nächste
Stelle anlaufen. Der Chef des Hafens von Recife und der Häfen des Landes
Pernambuco, der Capitania dos Portos, möchte dann auch den Capitania der
Equinoxe und deren Crew begrüßen, na ja, sein Adjudant macht das, aber
immerhin. Wir verlassen das Hafenareal und stehen nach kurzer Zeit vor
einem Marine-Gebäude, welches in Baustil und Außenpflege seinesgleichen
sucht. Capitania steht angeschrieben. Also entern. In zwei großen Räumen
mit 7 Arbeitsplätzen befinden sich etwa 80 Personen in den Wartezonen.
Das wird heute nichts mehr, oder? Bevor wir eine Bearbeitungsnummer
ziehen, sehen wir uns mal da und mal da um. Nicht gerade im Flüsterton
geben wir uns unsere neuesten Erkenntnisse kund und siehe da: Can I help
you? Ein freundlicher Mitarbeiter hat seinen Arbeitsplatz verlassen und
leitet uns zu einer anderen Stelle, wo er uns als "veleiros de Alemanha"
vorstellt. Wir können Platz nehmen, keine Nummer, aber mehrfach
Erfrischungswasser. Ein Uniformierter fragt höflich nach unseren
Papieren, wir händigen sie ihm aus und nach einigen Minuten erscheint er
zurück und leitet uns in ein gekühltes Büro. Vier freundliche Menschen
kümmern sich um unser Wohlergehen. Doch auch sie können nicht umhin, uns
auf ein fehlendes Dokument aufmerksam zu machen. Wir haben die
Gesundheitsbehörde noch nicht besucht. Und wo ist diese? Im Hafenareal,
welches wir vor einiger Zeit fröhlich verlassen haben. Und es geht auch
kein Weg daran vorbei. Also wieder zurück. Hafeneingang Hauptportal:
Bitte Pässe vorlegen, hier wird alles registriert. Doch was nun? Der
Registrierungscomputer spricht nur englisch. Der Kontrolleur versucht
mehrmals, sich mit Hilfe seiner Automationsstelle einzuloggen. Kein
Ergebnis. Na ja, dann bitte ohne Registrierung passieren. Geht doch.
Schnell haben wir die Envisa, die Gesundheitsbehörde erreicht. Mit zwei
freundlichen Mitarbeiterinnen haben wir ebenso schnell die zum Teil
ausschließlich portugiesischen Fragebögen ausgefüllt. Wir bekommen ein
Testat, an Bord und Besatzung alles gesund, Aufenthalt aus medizinischer
Sicht ohne Bedenken. Weitere Informationen über die verschiedenen
Gesundheitsrisiken in den verschiedenen Gebieten/Bundesstaaten runden
unser Kennenlernen ab und schon passieren wir wieder die
Hafenausgangskontrolle. Zurück beim  Capitania des Portos. Ach was, die
Wartehalle ist leer. Es ist Feierabend. Am Haupteingang werden wir
vorstellig, freundlich begrüßt und nach kurzer Zeit weiter geleitet.
Durch eine Hintertür können wir in die Wartehalle, bekommen
Erfrischungswasser angeboten, unsere Papiere werden wieder einmal auf
Vollständigkeit geprüft. Wieder füllen wir Papiere aus und dann dauert
es nicht lange, ein englischsprechender Uniformierter erscheint,
erklärt, was wir zu tun und zu lassen haben, wünscht uns einen schönen
Aufenthalt und schon kommt auch sein Kollege und bringt uns das noch
notwendige Papier zur Vervollständigung unserer Akten. Außer bei den
Damen vom Gesundheitsamt sind wir in jeder Stelle ausdrücklich darauf
hingewiesen worden, dass wir uns vor einer Weiterreise unbedingt bei
dieser abzumelden haben. Auf die verschiedenen Dienstzeiten wurde
aufmerksam gemacht.
Nach diesen Erfahrungen gehen wir davon aus, dass wir die Abmeldung in
einem halben Tag schaffen müssten. Den vielen Bemerkungen zur
Freundlichkeit möchten wir hier noch etwas hinzufügen: wir mussten
nirgendwo warten, weil ein Beschäftigter glaubte, etwas anderes noch
erledigen zu müssen. Verständigungsprobleme wurden mit Geduld und einem
Lächeln gelöst. Kein Frust. Über die Notwendigkeit dieser Prozedur, die
uns auch in den nächsten Häfen begleiten wird, macht sich offensichtlich
hier niemand Gedanken.
Das war natürlich eine Erfahrung, der wir - vielleicht unangenehm - in
der nächsten Bananenrepublik begegnen können.

Jetzt können wir uns aber wieder unserem Boot widmen. Irgendwie und
irgendwo ist alles salzig. Es riecht nach Salz. Alles klebt salzig.
Großputz. Klamotten raus, Schränke geputzt und gelüftet, Betten
abgezogen, Polster abgezogen und uns den Vorteil einer nicht vorhandenen
Waschmaschine gegönnt. Nach 3 Tagen lieferte Lavanderia ebenso viele
Ikea-Taschen (die großen) mit wohlig riechendem und zum Teil gebügeltem
Inhalt. In der Zwischenzeit hatte Christel die vielen unklaren und
komplizierten Ecken inspiziert und den Erfordernissen der
vorherrschenden klimatischen Verhältnisse angepasst. Danach Meldung: Bis
in die Bilge keimfrei !!! Kleiderschapps wieder gefüllt, Betten und
Polster neu. Nun noch das vorhandene Wasser aus den Tanks nehmen, dann
Reinigung und Neubefüllung, jetzt aber mit Chlor und Lanoxin. Bei steten
30° Außentemperatur muss hier mehr Sorgfalt als bisher walten. Unsere 2,
insgesamt 180 Liter fassenden Wassertanks fanden wir manchmal zu klein.
Doch jedes Mal, wenn wir sie schnell und unkompliziert inspizieren und
ggf. reinigen konnten, freuen wir uns über das geringe Fassungsvermögen.
Nun mal zu den Temperaturen
Auf den Kapverden konnten wir abends noch mal ein Pullöverchen
überlegen. Doch dann, je weiter wir südlich segelten, begeisterte uns
das Badehosen-Outfit. Es kühlte auch nachts nicht ab. Oft erinnerten wir
uns unserer Törns in der Nordsee, bei denen wir mehrfach trotz
mehrlagiger Kleidung gefroren haben. In Schottland haben wir uns
kälteschutzmäßig noch vervollständigen müssen. Und trotzdem gefroren.
Und nun hier das Gegenteil. Da freuen wir uns auf einen zünftigen
Regenguss, auch des nachts, günstig zum Duschen. Dass danach die
Luftfeuchtigkeit dermaßen steigt, die Poren geöffnet werden und es, weil
in der Regel dann Windstille herrscht, schon wieder ungemütlich wird,
das müssen wir hinnehmen.
Es ist tagsüber so um die 30°. Im Boot steigt es aufgrund der
Sonneneinstrahlung auf rund 35°. Mit Windsäcken in den Luken wird es
nicht entscheidend kühler, jedoch bringt der Luftzug eine angenehme
Wirkung. Am Abend und des Nachts macht der Wind sich mit einer
Temperaturreduzierung bemerkbar. Aber kühl/kalt wird es nicht. Um
Mitternacht sind es noch 28°. Wir schlafen seit einiger Zeit - zumindest
die ersten Stunden - in der Plicht, weil dort ein kühler Hauch Wind geht
und wir so der Schwüle vom Salon und Achterschiff entfliehen können.
Unser noch im Tannenbusch genähtes und in Portugal geändertes Bimini
werden wir auch in Kürze wasserdicht haben. Es deckt die gesamte Plicht
ab. Wir
erwägen, noch eine Erweiterung über das Achterschiff-Luk anzubauen, aber
erst dann, wenn die anderen kleinen Baustellen abgearbeitet sind.
Christel erwägt gerade die Erweiterung zu einer Regenauffangplane. Das
über das öffentliche Leitungsnetz zu beziehende Wasser ist nicht
unbeschränkt trinkbar. Abkochen ist empfohlen. Wir geben noch
keimtötende und haltbar machende Mittel hinzu.
Zusätzlich zum Bimini haben wir eine große Plane über das Vorschiff
gespannt. Dann wird zum einen das Deck nicht so warm und wir können
außerdem die Luken geöffnet lassen. Bislang mussten wir sie beim
Verlassen des Bootes schließen, denn es ist immer mit Regen (und dann
gießt es wie aus Eimern) zu rechnen. Hier müssen wir jedoch noch die
Erprobung fahren. Diesen für uns ungewohnten Temperaturen kommen jedoch
Hafen und Ausstattung
entgegen. Das nicht ganz so Schöne ist die Wasserqualität im
Hafenbecken. Glasklar oder grün ist nicht möglich, Recife hat mehrere
Flussmündungen und diese bringen einiges an Unrat und Geröll mit. Bei
Flut schiebt es sich in den Hafen und wird dann erst mit der Ebbe
rausgetrieben, doch die Ebbe schafft nicht immer alles weg. Bei Ebbe
riecht es, bei Ebbe in Springzeit riecht es sehr streng.
Die Boote liegen gut und sicher. Der Security-Dienst steht nicht nur auf
dem Papier. Neben dem Hafenbüro mit der Anmeldung sind ein Restaurant
mit äußerst günstigen Preisen und einer aufmerksamen Bedienung die
seinesgleichen sucht, Swimming-Pool mit Bar, Spielplätze, Grillbar,
TV-Raum, Möglichkeit Internet-Anschluss, Fitness-Räume, Tennisplätze,
Fußball- und Volleyballfeld, Ajurveda-Gesundheits-Center und auch eine
Werkstatt für Bootsreparaturen vorhanden. Als Gastlieger dürfen wir alle
Einrichtungen kostenfrei nutzen. Preislich gesehen sind die Hafenkosten
etwas über dem bisherigen Schnitt avisiert. Die Alternative wäre im
Fluss zu ankern, doch wir haben während der Atlantiküberquerung kein
Geld ausgegeben und so gönnen wir uns jetzt etwas.
Ein wenig haben wir uns hier schon eingelebt. Kennen schon einige
Stadtviertel, sind schon mehrmals mit einem Bus gefahren. Sind auch Taxi
gefahren, weil wir mit dem Bus nicht mehr weiterkamen. Sind im
Nachbarort zu einem Bootsshop gewesen, haben 3 Stunden palavert, mit
Händen und Füßen gearbeitet und dabei auch noch kleine Zeichnungen zur
Erläuterung gefertigt und das Ergebnis: Alles wie gewünscht, bekommen.
Lediglich eine Ankerführung (wir bekommen eine zusätzlich) hatte er
nicht auf Lager. Konnten wir aber mit seinem uns leihweise überlassenem
Telefon in Sao Paulo bestellen. Hat auch geklappt. Soll schon Anfang der
Woche geliefert werden. Na ja - abwarten, nicht so/zu enthusiastisch
sein. Nun wollen wir noch unseren Anker verstärken, dazu suchen wir noch
einen Schweißer. Wir sind noch guten Mutes, dass wir das auch
hinkriegen. Dann sind natürlich wieder so diverse Kleinigkeiten - alles
Spezialitäten - auf der Wunschliste. Doch Recife ist eine Riesenstadt
und irgendwo gibt es alles das, was wir benötigen. Die Suche dauert,
doch der günstige Preis rechtfertigt den Aufwand.
Der erste Eindruck
Nach den ersten Tagen gefällt uns Brasilien gut. Die Menschen sind nett
und hilfsbereit. Wir müssen nicht übervorsichtig sein. Wir müssen keine
Angst haben. Wir können - und das ist schön so - in Straßen gehen, in
denen das Leben, das einheimische in allen Nuancen pulsiert. Dort setzen
wir uns auf ein Bier in den "letzten Schuppen" und genießen die Aussicht
auf das Tun und Lassen der Bevölkerung. Das Stadtviertel Cabanga, wo wir
nun sind, ist nicht das Viertel der ersten Klasse, doch hier ist halt
der Hafen. Der Unterschied arm und reich ist schon 150 m vom
Hafeneingang entfernt brutal sichtbar. Hier wohnt man unter einer Brücke
mit seinem gesamten Hausrat. Katzen sind angebunden, denn so werden die
Ratten fern  gehalten. Hier haben wir unser Winterbett (Christels großes
Herz verbunden mit der Wärme/Hitze machten es möglich) und einiges an
entbehrlicher Kleidung (zu warm oder zu klein) als gottgefällige Gabe
lassen können. Apropos gottgefällig, Kirchen etc. haben wir noch gar
nicht besuchen können. Und dabei müssen wir so dringend ein bis zwei
Kerzen anstecken. Für so eine glückliche Überfahrt. Im Auge behalten.
Der Verkehr rollt pausenlos und sehr zügig auf 2-4 spurigen Straßen.
Häufiges Spurwechseln ohne Blinkzeichen, aber kräftiges Gehupe bei
vermeintlichen Trödlern und das Geräusch des nicht immer glatten
Straßenbelags erzeugen eine nicht bekannte Geräuschkulisse. Es ist alles
etwas lauter als gewohnt. Auch die Menschen äußern sich gern laut.
Beliebt als CD- und DVD-Verkaufsstand oder als Reklameträger sind im
Stadtbild Fahrräder mit einem Aufbau für Batterie, Lautsprechern und
CD-Spieler. Dieserart Gefährt wird mit Überlautstärke gefahren oder auch
mal eben an einer Ampelanlage abgestellt. Eine Unterhaltung der
Fußgänger ist dann nicht mehr möglich. Apropos Fußgänger. Es ist schwer
als Fußgänger die Straßen zu kreuzen. Schnelligkeit ist gefragt. Auch an
Zebrastreifen gilt es einen günstigen Augenblick abzuwarten und dann zu
rennen. Es gibt einige Radwege. Grundsätzlich fährt jedoch jeder dort,
wo es gerade passt. Auf einer 3-spurigen Autostraße wird gern außen,
links oder rechts, gefahren, aber möglichst dem Verkehr entgegen. Es
macht kein Problem. In den Läden und Supermärkten wird der Einkauf vom
Personal eingepackt. Dafür ist neben dem Kassenpersonal zusätzliches
Personal vorhanden. In einem großen Einkaufszentrum ist uns aufgefallen,
dass in den vielen Boutiquen 5 - 7 Verkäufer(innen) der Kundschaft zur
Verfügung stehen. Hier muss kein Kunde warten. In Eisenwarenhandlungen,
in Baumärkten, in Gartenbedarfsmärkten (Ihr glaubt gar nicht, in welchen
Märkten und Läden ein Fahrtensegler seinen Ausrüstungsbedarf decken
muss) ist immer Personal für Info und Hilfe ansprechbar. An den
Tankstellen ist selbstverständlich Tank- und Pflegepersonal vorhanden.
Wir erfahren später, dass in vielen Betrieben ein Mindestlohn gezahlt
wird und dieser Lohn durch Prämie, Umsatz etc. aufgestockt wird. So
etwas fördert die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Wir erkunden indessen weiter Stadt und Umgebung. Die kleinen Reparaturen
an Bord sind inzwischen erledigt. Wir haben einen Schweißer gefunden,
der unseren Anker größer und schwerer gemacht hat. Jetzt heißt es
testen. Doch wir warten noch auf die neue Ankerhalterung. Eine Anfrage
an den Marineshop wird mit einer Lieferverzögerung von 1 - 2 Tagen
beantwortet.

Weiterreise wird verzögert
Die österreichischen Freunde sind inzwischen weiter gen Süden gesegelt
und melden, dass dort das Paradies, oder zumindest paradiesähnliche
Zustände zu finden sind. Nun sind wir ja gar nicht neugierig. Aber
diesen Spuren zu folgen ist mehr als ein Reiz. Unsere diesbezügliche
Anfrage an unseren Versicherer Pantaenius beantwortete er umgehend:
"Wir haben das Fahrtgebiet kostenlos erweitert auf: "Küstengewässer
Brasilien jedoch nicht südlich Rio de Janeiro". Diese Antwort - obwohl
mächtig über unser Fahrtziel hinausgeschossen - ermutigt uns, weitere
Planungen hinsichtlich der paradiesischen Erkundigungen aufzunehmen.
Das südafrikanische Paar segelt gen Norden, backbords wartet ein
Holländer (Einhandsegler mit Hallberg Rassy 53) auf seine neue
Kreditkarte (ihm ist eine gestohlen worden) und steuerbords macht eine
Farr 56 (Franzosen (echte), kommen von Barcelona unter belgischer
Flagge) fest. Ihr seht, man segelt nicht mehr mit 32 Fuß Booten. Dann
kommt noch ein Ami, Riesenkatamaran und dann doch noch einer unserer
Größe: ein Holländer, van de Stadt 34, kommt von Indien, über
Süd-Afrika, will in die Karibik, weiter zu den Azoren und dann nach
Hause.

Am Montag fahren wir zum MarineShop, denn nun muss die Ankerhalterung
geliefert sein. Der Chef begrüßt uns hocherfreut und läuft ins Magazin.
Nach einigen Minuten denken wir, dass er doch vielleicht viele Pakete
öffnen muss, bevor er unser Teil auspacken kann. Doch dann hören wir von
seinem Angestellten, sie könnte schon in 2 - 3 Tagen, nach unserer
konkreten Nachfrage dann bestimmt in 4 Tagen, geliefert sein. Wieso, was
ist passiert?  Glücklicherweise betritt ein weiterer Kunde den Laden und
hört uns palavern. Schnell hängt er sich rein: can I help you? Und dann
macht er den Dolmetscher. Der Shop hat nicht bestellt. Noch härter: er
hat unsere Bestellung in Sao Paulo nicht bestätigt. Tut ihm leid, doch
nun glaubt er, in 2 Tagen liefern zu können. Wir lassen unseren Unmut
dolmetschen (der Dolmetscher ist auch irritiert über den Shop) und
erklärt uns, dass es bei einer solchen Bestellung üblich ist, 50% der
Kaufsumme anzuzahlen. Warum jetzt dieser Hinweis?
Danke schön, mit diesem Shop möchten wir keine Geschäfte mehr machen.
Der Angestellte ist erstaunt, doch wir bleiben dabei und er kann seinen
Bestellblock wieder beiseite legen. Adios. Draußen bemerke ich, dass ich
meine Mütze im Laden vergessen habe. Schnell zurück. Und siehe da: der
Chef ist auch wieder da. Der Dolmetscher kann dann mitteilen, dass er
(der Chef) nicht bestellt hat, weil er geglaubt hat, das Teil wäre uns zu
teuer, aber wir könnten eventuell........ in 2 Tagen....Nein, hier nicht
mehr!!! Dafür haben wir zuviel Wartezeit im Hafen verbracht. Zwar
geschützt und sicher, und mit einem Service von Küche und Keller der zur
Höchstform auflief, doch für uns heißt es

Ausklarieren und weiter
Haben also Police Federal, Aduana und den Chef aller Häfen besucht,
konnten dort noch ein paar Seekarten erwerben (von Salvador hat er
leider keine, aber die bekämen wir dort) und siehe da, wie vorgesehen,
nur einen halben Tag und schon alles erledigt.
Unser holländischer Nachbar hat das Gleiche nachmittags versucht. Leider
hat er nicht alles geschafft und muss am folgenden Tag noch einmal in
die Mühle. Auch die Amis haben die Anmeldung nicht in einem Tag
geschafft.
Diese Informationen werden dann abends auf der Restaurantterrasse mit
einem Caipirinha sowie einigen Bier ausgetauscht. Gegessen wird auch.
Wie sagen hier alle segelnden Damen: Für die Restaurant-Preise kann ich
nicht einkaufen gehen und den Ofen anwerfen, wobei es im Boot noch
heißer wird. Geschweige dann noch spülen und abtrocknen. Ach übrigens,
dem Hafenmeister haben wir unsere baldige Rückkehr avisiert, nach kurzer
Rücksprache bekamen wir 50% Nachlass auf die Hafengebühren. Da sollten
wir wirklich wieder hin.
So, und dann endlich geht es weiter. Planungsgemäß morgens um 09:00 h
verlassen wir Recife und halten den Kurs Süd. Leichter Wind, der uns auf
Amwindkurs mit 3,5 bis 4,5 Knoten weiterbringt. Es läuft gut. Wir
erreichen die Insel Tatuóca und versuchen die Passage zu einem
Ankerplatz zu finden. Ein wenig backbords, ein wenig mehr steuerbords,
Berthold
glaubt besser hier, Christel glaubt besser da, dann umgekehrt, die Karte
gibt einfach nichts genaues her, die elektrischen Karten schweigen sich
auch aus. Es bleibt bei Probieren. Doch dann, ja dann, geht gar nichts
mehr. Eine erste Barre ist mit einem leichten Nicken des Bugs geschafft,
die zweite kann nicht ebenso genommen werden, weil die Fahrt zu gering
ist und dann, ja und dann..... kann der auf diese Navigationskünste
nicht unbedingt stolze Skipper Christel beruhigen: kurzfristig keine
Aktion mehr, keinen Anker auslegen, Motor aus; was möchtest Du trinken?

Um uns herum blendendweiße Sandstrände wechseln ab mit Mangrovenfeldern.
Für die nächsten 6 Stunden ist Pause. Es ist ja ablaufend Wasser. Spät
in der Nacht buddeln wir uns nach ungefähr einer Stunde frei.
Entfernungen zum Ufer sind schlecht zu schätzen und so lassen wir
weitere Versuche. Wir fahren zurück und werfen bei 4 Meter den Anker und
warten ab bis zum nächsten Morgen. Die Mücken warten in dieser Nacht
nicht ab. Sie beißen was sie können. Und sie können!!! Am Morgen lecken
wir unsere Wunden, nehmen ein erfrischendes Bad, frühstücken ein wenig
und setzen zwei Stunden nach auflaufend Wasser erneut an. Wir finden die
Passage, können eine größere Distanz mit 20 - 30 cm Wasser unter dem
Kiel passieren, sind dann aber bei einer Sandbank nach drei Versuchen
aufgeschmissen. Kein Durchkommen. Also ankern wir hier und werden von
hier das Revier erkunden.
Doch da naht Hilfe, navigatorische Hilfe. Ein freundlicher Mensch von
den 4 am Ufer  stehenden Hütten, macht sein altersschwaches schwimmendes
Etwas klar und hält auf uns zu. Das Problem brauchen wir nicht zu
erörtern. Wir bekommen ganz präzise Anweisungen, 100 m zurück, dann
Fahrwasserseite wechseln, an das Ufer, dann wieder auf die Mitte zu,
dann wechselnd von Ufer zur Mitte und dann sind wir schon durch und haben
mehr als 1 m Wasser unter dem Kiel. Auf eine Fahrwassertonne zuhalten,
dann backbords, 2,5 tief. Ankergrund. Anker fällt. Er freut sich über
das Trinkgeld.
Sein Tipp: Die Bar bietet kühles Bier und etwas zu Essen kommt zur
rechten Zeit. Wir trinken jedoch Cola, essen leckeren Fisch mit
Tomatensalat (die hygienischen Gegebenheiten nehmen wir mal einfach so
hin) und erleben eine Welt, die wir noch irgendwo auf der Welt in dieser
Art vermutet haben. Eine Welt von der wir wussten, die müssen wir uns
ansehen: Eine Holzbude, aus Baum- und Abfallhölzern zusammen gezimmert.
2-stöckig sogar, als Balkon dient jeweils ein Brett 2,50 x 0,30, der
untere Teil der Hütte hellblau gemalt. Daneben ein festes Haus. 4x4 m.
Aus Lehm. Zwischen den einzelnen Lehmziegeln sind Bambus- oder
Mangrovenstöcke eingelegt. Der Grund konnte noch nicht erfahren werden.
Die Kinder sind ausnahmslos hübsch und unbedarft. Sie spielen auf alten,
zerfledderten Matratzen. Ins Wasser gehen sie nur unter Kontrolle.
Neugierig beäugen sie uns. Es wird nicht gebettelt. Und das 100 m vom
Ankerplatz. Da gehen wir wieder hin.

Also, wenn hier noch nicht das Paradies ist, so denken wir, dass wir
sehr nahe dran sind. Morgen (natürlich mit auflaufend Wasser) wollen wir
noch ein weiteres Stück erkunden. Ach und die Mücken. Den haben wir
einen Streich gespielt. Wir haben über Sprayhood und Segel-Bimini (das
2. also) ein Mückennetz gezogen, mit Wäscheklammern angedockt und haben
himmlische Ruhe vor ihnen. Es ist schön zuzusehen, dass sie nicht
reinkönnen. Zusätzlich haben wir mit der Flensburger Teufelskralle die
Ankerkette auf die Achterklampe belegt, so dass eine leichte Brise in
die Plicht weht. Es ist Nacht. Die Kulisse, die Geräusche um uns herum
beeindrucken. Heute sind wir lange wach und genießen diesen Ort.
Am folgenden Tag erfreuen wir uns noch einmal an gegrilltem Fisch und
tasten uns dann in den Untiefen weiter vor. In der Nähe einer
Hotelanlage werfen wir den Anker. Am folgenden Tag besuchen wir Hotel
und das kleine Dorf daneben. Der örtliche Apotheker weiß  Christels
Mückenstiche mit einem kostengünstigen Mittel zu lindern. Leider ist ein
Großteil der Häuser vergittert, so dass für uns der Eindruck entsteht,
ein großes Gefängnis zu besuchen. Offensichtlich ist der
Sicherheitsbedarf hier sehr groß.  Spät am Nachmittag, es geht auf
Hochwasser zu, lichten wir den Anker und mit Schleichfahrt schlängeln
wir uns an den Untiefen vorbei und haben bald wieder 10 m Wasser unter
dem Kiel. Schnell die Segel gesetzt und weiter geht die Fahrt in die
Dunkelheit gen Süden. Einige Fischer kreuzen nachts unseren Kurs, doch
keine besonderen Vorkommnisse. Am folgenden Nachmittag erreichen wir

Maceió,
eine Großstadt mit geschütztem Hafen, im Bundesstaat Alagoa,
wo wir an einer Mooring des örtlichen Segelclubs festmachen können.
Carli, ein dunkler Typ kommt angerudert, bittet uns, weil wir einige
Tage bleiben wollen, an einer anderen, ufernäheren Mooring festzumachen
und fragt nach Abfall, nimmt diesen entgegen (fragt nicht nach Geld) und
erkundigt sich, ob wir Diesel brauchen, Wasser (in den Tank oder in
Flaschen) wünschen, ob wir jetzt duschen möchten, ob wir heute abend
noch ins Restaurant möchten und noch einiges, was wir nicht verstanden
haben. Wir stellen mal erst fest, im Hafen ist einigermaßen sauberes
Wasser, kein Schwell, also ruhiges Liegen, doch wir müssen mit dem
Dinghi zum Club. Normal kein böses Unterfangen, doch hier heißt es: Vor
dem Club ist der Strand ein Müllplatz und dort müssen wir hin.
Steuerbords von uns gesehen wohnt das ärmste Volk, was wir bisher so
gesehen haben, der Strand ist voll von Altholz, Plastik und sonstigem
Abfall und da müssen wir dann das Dinghi durchtragen zum großen Tor vom
Club (ca 10 - 20 Meter je nach Tide). Der Club ist rundum gesichert.
Selbstverständlich holt jemand auf unser Winken einen Schlüssel und
öffnet das Tor zur Wasserseite. Und wenn wir mal eben zur Equinoxe
zurück wollen, geht die ganze Prozedur zurück. Also heißt es ab nun: gut
überlegen, wo wollen wir hin, wie lange bleiben wir, was nehmen wir mit.
Das Angebot der Duschen haben wir angenommen. Wir hätten allerdings
solche Duschen nicht angeboten. Anschließend haben wir uns in der Bar
ein Bier gegönnt und mit der Dunkelheit sind wir zurück auf die
Equinoxe.
Zur Stadtseite hat der Club sein Anmeldungsbüro, dort sitzen die
Sicherheitsleute und erklären alles weitere Vorgehen. Wir müssen nämlich
wieder Einklarieren und bei Verlassen des Hafens auch Ausklarieren, weil
wir in einem anderen Bundesland sind. Alle sind sehr bemüht und weisen
uns auch darauf hin, kein Geld, keinen Schmuck, Fotoapparat, Taschen
etc. mitzunehmen. Es könnte sein, dass die lieben Landsleute uns etwas
oder sogar alles abnehmen. Na ja, hier ist Aufpassen angesagt. Es stellt
sich später heraus, dass normal übliche Vorsicht völlig ausreichend ist.
Aber besser ist besser.

Bevor wir mit Einklarierung, Stadterkundung etc beginnen, rufen wir Joáo
Batista an. Ihn haben wir in Recife, in der Sprachenabteilung eines
Buchladens getroffen. Er war überrascht, deutsche Worte zu hören. Er ist
ein sympathischer Ur-Brasilianer, Richter am örtlichen Landgericht und
hat einige Monate deutsch gelernt. Ihn interessieren Europa und die
vielen Länder. Schnell hatten wir uns dort verabredet, uns in Maceió zu
treffen.
Schon 2 Stunden später kommen er und seine Frau Maria Itacira zum Hafen,
klären schnell im Club die Möglichkeiten unserer eventuellen späteren
Heimkehr und Rückkehr zur Equinoxe und schon zeigen sie uns die
Strandpromenade mit ihren verschiedenen Stadtvierteln. In einem Gemisch
aus Deutsch, Englisch und Portugiesisch, erfahren wir die ersten
Eindrücke aus Maceió. Sie führen uns in ein Lokal, wo der Besitzer sich
persönlich um unsere Belange kümmert. Als er hört, dass wir aus Europa
sind, ist er hocherfreut. Sein Sohn kommt gerade aus Europa zurück, er
hat in Paris den Master de Cuisine gemacht und führt nun in einer
Kleinküche mit Bar der Verwandtschaft seine Kochkünste vor. Schnell
lotst er uns in die Privaträume und auch wir können die ersten
Leckerbissen des netten Jungkochs probieren.  Später planen wir schon
den Ablauf des folgenden Tags, müssen wir doch einklarieren steht schon
wieder ein Essen und weitere Besichtigung an.

Einklarierung
Der Besuch beim Capitania dos Portos zog sich so lange hin, dass das
Büro des Police Federal schon geschlossen hatte. Folglich konnten wir
uns schon für den Aduana (den Zoll) interessieren, doch niemand weiß, wo
sich das Amt befindet. Capitania sagt bei Police Federal, Police Federal
sagt in der Nähe des Hafens, am Hafen kennt keiner Aduana. Also alle
Stellen noch einmal durch. Wieder nicht Aduana. Doch Aduana ist wichtig,
hat Capitania gesagt. Und dann, ein Mitglied des Clubs lächelt weise,
greift zum Telefon, führt 4 längere Gespräche und schüttelt den Kopf. Er
kann es nicht fassen. Niemand weiß, wo Aduana ist.  Wir gehen noch
einmal los. In den Güterhafen. Dort ist jemand ganz sicher, dass Aduana
nicht im Hafen ist. Wir lassen noch nicht nach, bis ein Kollege weiß,
dass Aduana im 50 m entfernten Gebäude residiert. Na endlich. Nach 3
Tagen wissen wir, wo Aduana ist. Doch heute ist schon Feierabend. Am
folgenden Morgen suchen wir die Amtsstube auf. 4 Personen sind anwesend
und freuen sich über unseren Besuch. Wir fragen noch einmal
ausdrücklich, ob wir nun endlich bei Aduana sind, wird bejaht, 2
Personen kommen (fast stürzen sie sich auf uns) gleichzeitig zu unserer
Bearbeitung: Papiere, Einreise, Ausreise, machen wir, Moment bitte, darf
ich Ihnen Kaffee oder ein Wasser anbieten, schon wird kühles Wasser
gereicht, nehmen Sie doch Platz, der Kollege (ein 3.) macht alles sofort
fertig, einen Augenblick bitte. Ja, das ist Service. Fragen zur Segelei,
zum Wetter, zu Distanzen und Fahrtzeiten überbrücken die Wartezeit. Ein
Bearbeiter kommt hinzu. Er spricht fast ohne Punkt und Komma. Unseren
Einwand, dass wir ihn nicht verstehen, ignoriert er. Wir glauben, er
sagt verschiedene Gedichte. Die übrigen Bearbeiter lächeln milde ob des
Redeschwalls. Doch dann endlich drängen sie ihn beiseite. Unsere Papiere
sind fertig. Nur noch eben eine Unterschrift. Schnell das Dokument
eingepackt und schon wähnen wir uns draußen. Doch 2 Bearbeiter machen
sich bereit: Wir möchten gerne die Equinoxe inspizieren, das geht doch?
Normal ja, doch dem Skipper fällt siedendheiß ein, dass ein Besuch im
Moment schlecht ist, weil wir einen Termin beim Capitano dos Portos
haben. Doch am Nachmittag wäre es günstig. Und tatsächlich, sie sehen
von ihrem Begehren ab. Puh, das ist gut gegangen.
Am Abend sortiert Christel alle Papiere nach Behörde und Datum. Und nach
dem ersten Schreck können wir nur noch den Kopf schütteln. Der
Bearbeiter im Police Federal hat ein falsches Datum eingetragen. Doch
die Krone ist: Die Aduana hat uns ohne weitere Fragen eine
Gesundheitsbescheinigung für 3 Monate ausgestellt. Trotz unserer
ausdrücklichen Frage waren die Bearbeiter doch wohl nicht von der
Aduana. Es wird die Gesundheitsbehörde gewesen sein; ein lustiger
Haufen.
Es ist Freitagmittag. Ab jetzt haben die Behörden bis zum Montag
geschlossen. Wir sind jedoch bei Police und Capitania für eine Abreise
am Sonntag gebucht. Nach deren Vermerken dürfen wir nicht länger
bleiben. Also müssen wir ohne Aduana-Papiere reisen. Und das machen wir
dann auch.
Weiter genießen wir die unsagbare Gastfreundschaft von João Batista und
Maria Itacira bei Ihnen zu Hause oder in Restaurants. Am Samstag fahren
sie uns aus Maceió hinaus. Wir besuchen einen Onkel seiner Tante (oder
war das umgekehrt?) in einem Dorf, wo das Leben noch ganz ursprünglich
ist. Wir lernen viele brasilianische Haustiere kennen, viele Früchte,
deren Namen wir noch nicht gehört haben,  können wir unmittelbar vom
Baum oder Strauch probieren. Die Erläuterung vieler Kräuter runden das
Brasilien-Info-Programm ab. Am Sonntag besuchen sie uns auf der
Equinoxe. Obwohl wir gemeinsam die frühe Zeit um h gewählt haben,
stellen wir nach einiger Zeit fest, dass es an Bord nun doch zu warm
wird und wir fahren per Dinghi in den Club zurück.
Am Nachmittag lösen wir die Mooringleine, verabschieden uns von den
neben uns lebenden Kanadiern (See you in Salvador) und gehen auf Kurs
Süd. Ein frischer Ostwind lässt die Equinoxe mit 6-7 Knoten durch ihr
Element rauschen. 51 Stunden und 272 Meilen weiter erreichen wir
Salvador de Bahia.
Wir nehmen einen Stegplatz in der stadtnahen, sicheren und sauberen
Marina Centro Nautico. Auch hier der Hinweis: Das Leitungswasser ist
kein Trinkwasser. Nach Einklarierung und hafennaher Erkundung werden wir
in den nächsten Tagen starten, um die Inselwelt in der Bahia zu
erkunden.
Und das ist dann eine neue Standortmeldung wert.






Die große Fahrt der Equinoxe, Standortmeldung 18, Eingang 1.03.2009

Ankunft Brasilien, Recife

Liebe Leute,
wir sind und wir haben es geschafft. Am 27.02.09, 14:30 UTC, nach 1.716
Meilen (3.178 Kilometer) haben wir das Festland von Brasilien, den Hafen
Recife, Cabanga Iate Clube, Position 08° 04' 48" S, 034° 53' 13" W, erreicht. das ist hier

Wir sind froh, glücklich und auch ein wenig stolz, dass wir
diesen Törn geschafft haben. Obwohl Wind und Wellen uns einige Male ganz
kräftig gebeutelt haben, war Neptun uns gnädig.
Kurz vor der Hafeneinfahrt kam uns ein Dinghi mit lauten Tönen aus
mehreren Signalhörnern entgegen: "Die Equinoxe ist da". Unsere
österreichischen Freunde von der Aleppo und der Delphin, die wir in der
ersten Nacht nach der Abfahrt von den Kapverden aus den Augen verloren
haben, begrüßen uns. Schon sind wir hier nicht mehr fremd. Kurt versteht
es wieder einmal, uns mit einem (es wurden dann mehrere) mit gestoßenem
Eis und Zitrone versetzten Gin-Tonic zu verwöhnen.

300 Meilen (555 Kilometer) vor Erreichen des Festlands haben wir schon
die brasilianische Gastlandflagge gesetzt und haben die zu Brasilien
gehörende Atlantikinsel
Fernando de Noronha für einen Zwischenstopp angelaufen. Es war schon ein
erhabenes Gefühl, 14 Tage nach Verlassen der Kapverden: Land in Sicht!
sagen zu können. Und nach all den bisherigen Stein- und Sandinseln sehen
wir schon von weitem, eine grüne Insel.
diese müßte es sein
Unser Anker fällt in der Baia de
Santo Antonio auf 10 Meter Wassertiefe bei mittlerem Schwell zwischen
rund 30 Tauch- und Ausflugsbooten. Uns erstaunt, dass wir einziger
ausländischer Segler sind. Schnell ist unser Dinghi aufgeblasen, Motor
angehangen und schon tuckern wir mit der hohen Dünung vorbei am
Wellenbrecher Richtung Strand. Es gibt keinen Dinghisteg, so dass wir
auch hier nur durch die Brandung an Land können. Mit mittlerer Fahrt auf
den Strand zugehalten setzen wir mit einer Welle das Dinghi auf den
Sand, Motor aus, rausspringen und - damit nicht eine folgende Welle in
das Dinghi schwappt - dieses vom Wasser forttragen ist eins. Wir sind
nicht allzu nass geworden. Sonne und Wind trocknen uns schnell und so
erreichen wir das Hafenbüro.
Der Hafenmeister empfängt uns ausgesprochen zuvorkommend in seinem mit
Aircondition gekühltem Büro. Er bietet uns Kaffee und Wasser an. Hier
bekommen wir die erste Lektion in brasilianisch-portugiesisch, heute:
Einklarierungsformalitäten in Schnellsprache. Nix verstanden -
weiterlernen.
Die gesamte Insel ist Nationalpark. Daher sind Ankergebühren und
Besuchsgebühren für den Park fällig. Anhand eines Inselplanes erklärt er
uns die weiteren notwendigen Schritte. Er unterstellt richtig, dass wir
noch nicht im Besitze der Landeswährung sind und bietet uns leihweise 15
Real, damit wir in der Hitze nicht laufen müssen, sondern mit dem Bus in
die übernächste Ortschaft zur Polizei etc. fahren und noch am gleichen
Tag alles erledigen können. Später erfahren wir, wir waren in der
Hauptstadt. Es gibt außer dem Regierungsgebäude eine Bank, einen
Tauchshop, 5-6 Restaurants und etliche Anwesen, von Hütte bis Villa.
Viele Häuschen sind als Pousada markiert, sie können gemietet werden.
Wir schaffen tatsächlich noch Zoll, Immigration, Geldwechsel in einem
Tauchshop (die Bank macht das hier nicht) und das erste Inselfeeling mit
einen Ankunftsdrink zu nehmen. Übrigens, auch wir müssen einen guten
Eindruck gemacht haben; wir bekommen die Genehmigung für 5 Tage
Aufenthalt (normal 3). Die einheimische Bevölkerung ist schwarz, braun,
weiß und ausgesprochen freundlich. Überall werden wir zuvorkommend
behandelt. 95 % der Autos sind offene Buggys oder Pickups. Anhand des
mitgeführten Equipments ist zu sehen, ob es zum Strand oder zum Tauchen
geht. Urlaubsstimmung pur. Doch wir wollen zurück zur Equinoxe: wir
kommen gut um den Wellenbrecher herum, dann die lange Welle schräg
hinauf und hinunter. Bei der heftig schaukelnden Equinoxe an Bord zu
kommen ist dann noch eine kleine akrobatische Übung fällig. Geschafft.
Nach 14 Tagen Segelei vom Feinsten, aber auch übler Schaukelei in den
Kalmen hatten wir gedacht, hier nun ein ruhiges Plätzchen zum
Ausschlafen zu finden. Das war wohl nichts. Manchmal hatten wir draußen
auf dem Atlantik ruhigere Bootsbewegungen. Der Schwell blieb auch die
nächsten Tage. Gern hätten wir es nachts etwas ruhiger gehabt.
Kurz vor Sonnenaufgang kommen Delfine an der Westspitze der Insel an. Im
Laufe des Vormittags ziehen sie an der Nordküste entlang bis zum
Ankerplatz. Während wir frühstücken, können wir sie einige Male aus der
Nähe beobachten. Auch Schildkröten, 60 bis 80 cm Durchmesser, besuchen
uns. Sie tauchen jedoch schnell weg, wenn man ihnen mit dem Dinghi
näherkommt.
Wir genießen wundervolle, gemütliche Tage auf dieser kleinen grünen
Insel. Wandern auf teilweise von Büschen und Bäumen beschatteten Wegen
zu den verschiedenen Ansiedlungen, besuchen einige Strände zum schwimmen
und schnorcheln. Doch wir haben auch die Regenzeit - die ist jetzt -
kennengelernt. Eines Mittags beginnt es zu regnen. Wir packen ein und
bis wir an Bord sind, sind wir durchnass. Ab nun regnet es
ununterbrochen, mittelstark bis sehr stark. Der folgende Tag war der
Ausklarierungstag (von der Polizei festgesetzt auf einen Tag vor
Abreise). Beim Hafenmeister angekommen, konnten wir schon mal die
Kleider wechseln. Nach einem kurzen Telefonat von ihm hören wir, dass
für unsere Ausklarierung die Bundespolizei zum Hafenbüro kommt. Wir
hätten dafür noch eine Garderobe im Rucksack gehabt. Die Beamtin hat
sich aufgrund des Regens in ihr Auto gesetzt und ist sogar noch so nett,
uns anschließend zum Supermarkt zu fahren, wo wir noch einige frische
Lebensmittel einkaufen können.

Schon früh am folgenden Tag sind wir startbereit und nun noch schnell
den Anker aufholen. Doch leider will er nicht. Ihm gefällt es hier so
gut. Wat nu? Wir glauben, dass die Kette an einem Unterwasserhindernis
hakt. Alle unsere Manöver scheitern. Bei 10 Meter gehen wir auch nicht
mit dem Freediver runter. Weder Hafenmeister noch Tauchshop sind per
Funk zu erreichen. Unser gutverstautes Dinghi wollen wir nicht wieder
auspacken. Also Geduld. Gegen Mittag kommen die Boote mit den
Tauchgästen zurück. Unser Problem dargelegt und schon springt einer vom
Boot und taucht der Ankerkette nach. Er ruft noch einen zweiten Taucher
zu Hilfe und bald können wir den Anker lichten. Die Kette hatte sich
während des Schwojens um einen Stein gewickelt. Mal wieder glücklich
verlaufen.

Nun waren noch die restlichen 300 Meilen zu segeln. Kurs am Wind bei 2-3
Bft und kleiner Welle. Die Windsteueranlage hielt bis kurz vor Recife
ununterbrochen den Kurs, dann schlief der Wind leider ein und wir
konnten getrost den Diesel einsetzen, um noch bei Tageslicht den Hafen
zu erreichen. Nun haben wir noch 3 Wünsche. Das sind erstens: schlafen,
zweitens: schlafen, drittens: schlafen. Dann ist die Equinoxe vom Salz
(Wäsche, Polster, Holz) zu befreien. Erst dann gehen wir Recife zur
Erkundung an.

Liebe Grüße von Bord
Berthold und Christel





Die große Fahrt der Equinoxe, Standortmeldung 17

16.02.2009 Äquatorquerung

Liebe Leute,
wir grüßen vom Südatlantik. Heute, 16.02.09 um 06:43 UTC querten wir die
Äquatorlinie bei 29° 04' westlicher Breite.

Vorher hat Neptun uns jedoch noch eine mittelschwere Prüfung beschert.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag zog ein Gewitter an uns vorbei.
Mehrere Blitze erschienen und die zuckten in stockdunkler Nacht - kein
Mond keine Sterne zu sehen - besonders grell. Christel wusste sofort,
dass wir jetzt GPS, Plotter, Funkgerät, Navtex und sonstige elektrischen
Geräte in den Backofen legen müssen, dort sollen sie bei Blitzeinschlag
sicher sein. In der Überlegung welche Geräte sie bevorzugen würde,
fielen ein paar Regentropfen und das war es dann auch schon gottseidank.
Nach Mitternacht änderte sich einiges. Der Wind legt zu bis auf
Starkwind, fällt ab bis auf kein Wind, dann wieder Wind und der dreht
auf Süd, dann mehrfach um die Kompassrose, leichter Regen tritt ein, es
folgt starker Regen und dann hat es gegossen wie aus Kübeln. Und das
Ganze hin und wieder zurück. Wir währenddessen Segel raus, Segel rein,
Kurswechsel, Windsteuerung eingestellt und der Wind dreht und wir fahren
nach Osten, nach Norden etc. Neue Kurseinstellung, Genua ausgebaumt und
wieder zurück und dann auch noch Wasser im Schiff. Vielleicht ist ein Lüfter nicht ganz dicht und so
läuft das Wasser durch das Deck und kommt im Bad durch das Inspektionsluk raus. Nicht so viel,
als dass wir es nicht aufnehmen können, aber auch nicht zu
vernachlässigen. Und dann läuft auch noch Wasser vom Cockpitpaneel durch
den Kabelkanal in die Zwischendecke. Von hier dann in den Salon. Diesen
Sachen werden wir später nachgehen. Bis morgens um 04:00 war Action an
Bord. Dann konnte Christel sich im immer noch starken Regen eine
Süßwasserdusche gönnen, peelen, eincremen und Wache übernehmen. Berthold
hatte schon mehrere Duschen genossen, er ging schlafen. Am Morgen um
08:00 wurde dieses Programm noch einmal gespielt. Neptun hat dann
erkannt, dass wir diese Arbeit beherrschen und ließ die Wolken
verschwinden und die Sonne scheinen.
Wir fragen uns dann mal wieder: Was machen wir hier eigentlich?
Freiwillig!
Einen Vorteil hat das Revier jedoch: Auch am frühen Morgen, bei Wind und
Regen ist bei der Arbeit an Deck keine Jacke, Hose oder Schuhe
notwendig. Selbst der Regen ist nicht kalt. Jedoch die hohe
Luftfeuchtigkeit - im Mittel über 70% - macht zu schaffen.
Den gleichzeitig hohen Temperaturen arbeiten wir mit der sogenannten
Kübeldusche entgegen. Auf dem Vordeck wird Eimer um Eimer herrlich
klares Salzwasser über uns geschüttet. Sehr erfrischend aufgrund der Verdunstungskälte.

Schon um 07:00, also 15 Minuten nach Überfahren der Linie, spüren wir
Wind aufkommen. Schnell angetestet und schon sind Groß und Genua1
gesetzt und mit 4,5 Knoten am Wind fahren wir auf Kurslinie dem nächsten
Ziel entgegen.
Nach zwei Stunden tauchen jedoch einige dunkle Wolken auf, werden
dunkler und kompakter und kommen auf uns zu. Das sind wieder die berühmt
berüchtigten Squalls. Fix die Segel runter, den Motor starten, doch O
Weh. Er will nicht mehr schnaufen. Vermutlich der Anlasser defekt. Also
Segel gerefft, um dem Unheil zu entgehen und siehe da, Neptun hat ein
Einsehen. Eine Wolke lässt er Voraus und eine Achteraus passieren. Das
ging gut, doch jetzt widmen wir uns dem Anlasser. Wie sagten wir?
Kielholen war früher.

Ihr seht, hier an Bord ist nicht viel los. Wir sind nur immer erstaunt,
dass es nach Frühstück, Einholung von Wettervorhersagen,
Navigationsbesprechung, Kommunikationsbearbeitung und der
Atlantik-Funkrunde (die segelnden Amateurfunker tauschen Wetterberichte
und sonstige Infos aus) schon Mittag ist und der Tages-Arbeitszettel
wieder nicht vollständig abgearbeitet werden kann.
Wir wünschen Euch eine schöne Woche
Berthold und Christel

PS: Für die Skeptiker unserer technischen Fähigkeiten. Wir haben einen
Ersatzanlasser an Bord. Wir suchen gerade die Einbauanleitung.





Die große Fahrt der Equinoxe, Standortmeldung 16, 12.02.2009

Immer SüdSüdWest

Liebe Leute,
nun segeln wir schon fast eine Woche SSW und können zuerst mal
festhalten: die Karibik wird noch auf uns warten müssen. Einige von Euch
hatten ja schon gemerkt, dass unser Kurs ein seltsamer für das bisher
angepeilte Ziel ist.
Nach dem Verlassen der Kapverden haben wir doch einige Male kräftige
Heckduschen bekommen und bei einigen Brechern ist sogar reichlich Wasser
(Salzwasser) übergekommen und auch in der Achterkabine (unser
Schlafzimmer) gelandet. Die Gummidichtung des Luks hielt den
Anforderungen nicht stand. Während der Skipper das Luk von außen mit
Klebeband abgedichtet hat, konnte Christel die Salzwasserbrühe
aufwischen und die Laken mit Frischwasser durchspülen. Die ersten Tage
mussten wir uns (mal) wohl oder (mal) übel an die Beseitigung kleiner
Missstände machen, nun ist mittlerweile eine gewisse Bordroutine
eingetreten. Schlaf- und Essenszeiten nehmen wieder einen vertrauten
Charakter ein, obwohl das Menü jeweils eine besondere Kreation ist. Die
seglerischen Tätigkeiten laufen häufig fast schon in gewohnter Weise ab.
Berthold konnte erstmals auf 5.086 Meter ein erfrischendes Bad nehmen
(im großen Pool vor der Tür). Eines Nachts sind uns einige fliegende
Fische an Bord gekommen, wir haben sie wieder ihrem Element übergeben.
Von der Großschifffahrt haben uns lediglich 3 Signale erreicht.
Erst heute haben wir einen kleinen Arbeitsplan (Kleben, Nähen, Spleißen)
für die kommenden Tage erstellt. Es ist aber zu berücksichtigen, dass
für alle Tätigkeiten ein 2- bis 3-facher Zeitbedarf des Normalen
notwendig ist. DasSeegangsverhalten mit der ständigen Schaukelei und
Rollerei verlangt ihren Tribut. Sich festkeilen und mit den Füßen
abstützen (so wie jetzt beim Schreiben), am Herd angurten (trotzdem
Kaffee und Milch verschütten) und immer eine Hand fürs Schiff verlangt
ständige Anspannung und Aufmerksamkeit. Dieses kompensieren wir mit
erhöhter Schlafzeit. Zu weiteren Aktivitäten raffen wir uns noch nicht
auf.
Nun ist erfreulich, dass der Wind abgenommen hat und damit auch die
Wellenhöhe. Mit etwas Vorsicht konnten wir die Luken schon wieder öffnen
und die frische Luft gibt ein neues Gefühl. Zwischenzeitlich ist es noch
mal wieder wärmer geworden. Die Sonne lässt sich häufig sehen. Zur Zeit
ist Vollmond und sein Licht lässt das Wasser silbern leuchten. Es ist
eine schöne Welt, wenn es so weitergeht.
Und weitergehen soll es noch mehrere Tage.
Wir befinden uns derzeit im NordOst-Passat, segeln weiter auf Peter und
Paul zu und werden in den nächsten Tagen die ITKZ (Intertropische
Konvergenzzone) uns bekannt als Kalmen oder Rossbreiten, erreichen. Hier
wird nur leichter oder gar kein Wind sein und das Wetter wird schwül und
heiß. Die einzigen Unterbrechungen werden Böen und Gewitter sein, die
Squalls, bei denen es sehr stark regnen und stürmen kann. Dann heißt es:
Sofort alles Tuch runter. Die Ausbreitungen des Kalmengürtels schwanken
ständig und wir hoffen, dass wir ihn recht klein antreffen, denn Ihr
wisst ja: unser Dieselvorrat!!! Zu Essen hätten wir genügend. Unsere
Planung ist, bei 27 bis 28 ° westlicher Länge einzutauchen. Und dann
wird es spannend. Schon stellen wir uns eine zünftige Äquatortaufe vor.
Kielholen war früher. Heute gönnen wir uns Spaß. Wir wussten schon,
warum wir eine Flasche Sekt mitgenommen haben. Drückt die Daumen, dass
das alles gut läuft.
Der Transäquatorialstrom wird uns nach Westen tragen, er darf es aber
nicht zu weit tun, denn wir möchten südlich des Äquators soweit wie
möglich östlich in den SüdOst-Passat, um mit diesem nach Fernando zu
segeln und das günstigst mit raumen Wind. Auf Fernando wollen wir einen
Zwischenstopp einlegen. Einklarierung ist dort nicht möglich, doch ein
kleiner Notfall wird einen Aufenthalt erlauben.
Unsere Koordinaten: 05°07'N, 027°45'W

Bis bald grüßen wir Euch von Bord
Berthold und Christel





Standortmeldung Equinoxe vom 6.02.2009

Start zur Atlantik-Überquerung

Liebe Leute,
wir machen rüber. Seit gestern Nachmittag 1700 schaukeln uns wieder Wind und Wellen. Wir haben die kapverdische Insel São Vicente und dort den Hafen Mindelo verlassen. Noch einmal wurden Küche und Keller mit allen Köstlichkeiten komplettiert und die Wasservorräte aufgefrischt. Von unserem Diesel von den Kanaren haben wir lediglich für Hafenein- und -ausfahrten einige Tropfen benötigt, so dass wir den Etat hierfür in Bier und eine Flasche Sekt umsetzen konnten. Nun, Freitagmittag haben wir schon wieder 100 Meilen auf dem Log und über 4000 Meter Wasser unter dem Kiel. Unser Kurs ist SüdSüdWest. Mit stark gereffter Genua läuft die Equinoxe circa 6 Knoten und das ist für uns bei über 2 Meter Wellenhöhe ganz komfortabel. So empfinden wir das zumindest, weil wir von allen Vorbereitungen zu diesem Unternehmen stark beansprucht wurden und jetzt
auf dem Wasser erst einmal ein wenig Ruhe tanken müssen. Gerade war es Christel sogar gelungen, für etwa 10 Minuten durchgehend zu schlafen. Wir haben auf den Kapverden von Mitseglern einige Seekarten und Handbücher kopiert, so dass wir neben der Karibik nun auch andere interessante Ziele ansteuern können.





8.01.2009

Liebe Leute,
wieder ist uns eine Etappe gelungen. Nach 786 sm und 6 Tagen und 2,5
Stunden haben wir die Kapverden, die Insel Sal, die Ankerbucht
von Palmeira, ohne unliebsame Ereignisse erreicht. Lediglich 2 Schiffe
haben wir gesehen, die uns von Radardetektor und AIS angekündigt
wurden. Ansonsten nur viel Wasser und hohe Wellen.
Auf 6m Wassertiefe legten wir im dichtbelegtem Ankerfeld unseren Anker
aus. Die österreichischen Freunde haben uns schon erwartet und konnten
uns bei der Wahl des Ankerplatzes behilflich sein. Sie haben nicht nur
mit uns gerechnet, sondern auch schon ein gemeinsames Abendessen
geplant.
Entgegen der Wettervorhersage hat es zum Schluss des Törns noch einmal
tüchtig geweht, so dass wir nicht nur die Segel gerefft, sondern auch
manchmal recht nass gesegelt sind. Christel hat sich nahrungsmäßig sehr
zurückgehalten, war aber trotz des flauen Magens guter Dinge. Unseren
Dieselvorrat brauchten wir nicht anzugreifen, lediglich das hervorragend
schmeckende LaPalma-Wasser ist im Bestand gesunken. Wir könnten also
ohne zusätzliches Bunkern weiterfahren.
Die abendliche, leider schon in Dunkelheit, vorgenommene Ortserkundung
von Palmeira, zeigten uns einige kleine Restaurants (viel Terrasse und
kleine Theke, Wände mit Motiven von Stränden, Fischern und Fischen) und
Kaufläden (Tante-Emma-Läden, mit der Ausstattung wie wir sie noch von
ganz früher kennen) und freundliche Leute. Leider ist kein Dinghi-Steg
vorhanden, so dass nur die schmuddelige Kaianlage genutzt oder am Strand
angelandet werden kann. Vielleicht werden wir noch eine günstigere
Gelegenheit finden.
Wir haben die Insel Sal gewählt, weil Palmeira zugleich ein
Einklarierungshafen ist. Unsere Q-Flagge weht jedoch immer noch unter
der kapverdischen Gastlandflagge, was bedeutet, dass wir noch nicht
einklariert haben. Denn seit heute morgen kachelt es heftig. Bei zwei
Booten wird schon der 2. Anker ausgelegt. Wir haben noch 10 m Kette
zusätzlich gegeben. Dann meldete sich der Käptn eines Riesenkatamarans,
dass er Probleme beim Auslaufen bzw. Einlaufen hat, weil wir "im Weg"
liegen. Und wie wir so in der Plicht sitzen und über das weitere
Vorgehen sinnieren, stellen wir fest, dass die Entfernung zu den vor uns
liegenden Booten stets größer wird. Die Equinoxe ist auf Slip, so im
Seglerjargon. Andere sagen: Euer Anker hält nicht. Wir haben einen neuen
Platz seitlich des Ankerfelds gewählt, mit Blick auf ein vor 3 Tagen
gestrandetes Segelboot. In der Dünung schlägt es nun stets auf den
felsigen Strand, so dass Christel schon wieder keine Auge zu bekommt.
Bei Ebbe sehen wir derweil, wie von einigen Leuten das Boot ausgeräumt
wird. Da der Wind noch zulegt und die Dünung bis in das von uns gewählte
Ankergebiet reicht, haben wir um 16:00 beschlossen, einen 2. Anker
zusätzlich auszulegen. In den Tiefen unserer Backskisten fanden wir das
in vielen Jahren zusammengetragene Equipment und konnten um 19:00 bei
vorangeschrittener Dämmerung die Aktion erfolgreich abgeschliessen. Dem
Hafenfunk (viele Boote hören nach Absprache auf Kanal 72) ist zu
entnehmen, dass der Starkwind voraussichtlich noch 3 Tage so bleiben
wird. So wird die Einklarierung noch warten müssen. Doch diese benötigen
wir für den Besuch weiterer Inseln. Darüber später mehr.

Liebe Grüße
Berthold + Christel





Die große Fahrt der Equinoxe, die Erlebnisse, Nr. 9 Von Las Palmas de Gran Canaria nach Santa Cruz de La Palma
Wie in vorhergehender Standortmeldung berichtet, erreichen wir unter zahlreicher Begleitung von Seeschwalben und Delfinen Las Palmas. Im Sportboothafen, festgemacht an Steg und Heck/Bugmooring liegt die Equinoxe auch bei starken Winden völlig ruhig und ohne an den Leinen zu rucken. Strom und Wasser ist am Steg vorhanden. Das Stegtor ist verschließbar, lässt sich mit Trick jedoch auch ohne Schlüssel öffnen wie uns eine muntere Französin demonstriert. Um uns herum wieder Segler vieler Nationalitäten und manche verbringen hier schon mehrere Monate und ganz offensichtlich werden einige auch noch längere Zeit hier verbleiben. Sie überholen ihre von Salz, Wind und Wetter stark beanspruchten Boote und das Arbeitstempo lässt häufig den Schluss auf eine lange Verweilzeit zu. Manchmal fehlt es an Material, manchmal daran, es kaufen zu können, manchmal aber auch an Lust und Laune. Die Equinoxe wird zuerst von grobem Sand und Staub, mit dem sie auf Fuerteventura reichlich eingedeckt wurde, befreit. Dann bekommt sie noch eine Wäsche und dann eine Politurwäsche und strahlt wieder im gewohnten Glanz. Weitere Arbeiten erschöpfen sich zuerst in einigen Ausbesserungen des Gelcoats, einige Bläschen konnten den Umwelteinflüssen nicht standhalten. Auch einige Haarrisse zeigen sich aufgrund der Beanspruchungen und sind zumindest abzudichten. Der Teakbelag in der Plicht ist an zwei Stellen gebrochen, doch der Skipper kann ihn geschickt durch Einfügen neuer Latten ausbessern, so dass ein vollständiger Ersatz erstmal nicht notwendig ist. Unseren Energiehaushalt konnten wir entscheidend optimieren. Unsere "alten", erst 8 Jahre alten Paneele schafften es nicht mehr, bei der vorherrschenden Wärme die Kühlbox durchgehend zu kühlen. Sie waren für die Leistungsanforderung zu schwach ausgelegt. Zudem zeigte sich ein Paneel als defekt. Ein neues Photovoltaik-Paneel von Kyocera mit 87 Watt schafft nun mühelos kühle Biere. Der Beschaffung vor ging jedoch eine fast 2-tägige Preisfindung, die sich aufgrund laufend neuer Informationen von Mitseglern und auch Händlern in einem Umkreis von rund 8 km erstreckte. Mit dem Bordrad eigentlich leicht zu erstrampeln, doch die Wege, die teilweise in die Berge führten, waren mühsam, die Verkaufsläden zu finden ebenfalls. In einem Falle haben 8 freundliche Leute geholfen, ein hinter einem geschlossenen Garagentor befindliches Ingenieurbüro zu finden. Und erst einmal angeklopft, Tor aufgeschoben, Wunsch kund getan, werde ich in ein Großraumbüro geführt, wo 6 Leutchen hinter ihren Schreibtischen bzw. Desktops brüten. Das Garagentor ist übrigens der Original-Eingang zum Büro. Später, nach Bauarbeiten, soll er mal durch einen Seiteneingang geführt werden. Im Endstadium der Bearbeitung meiner Anfrage bekomme ich von 4 Schreibtischen sich gegenseitig ergänzende Informationen und mehrere Muster vorgeführt. Aus preislichen Gründen führte es nicht zu einem Auftrag. Im " Conrad von Las Palmas" wurde das günstigste Angebot gemacht. Die Änderung der Installation an Bord ohne André's technische Assistenz erforderte im Anschluss doch ganzen Einsatz.
Das alte, noch funktionstüchtige Paneel, schenken wir der kleinen Französin, die stolz und glücklich damit abzog. Dafür nähte sie uns einen neuen Reißverschluss in die Genuapersenning.
Hier in Las Palmas ist es der südlichste europäische Stützpunkt, wo es gilt, noch einmal alles auf seine Funktionalität zu prüfen. Noch sind Reparaturen möglich, Ersatzteile zu kaufen. Die ShipShops um den Hafen führen alle nautischen Produkte sowie gängigen Ersatzteile. Sollte etwas nicht vorhanden sein, kann es kurzfristig geliefert werden. Das Verkaufspersonal arbeitet rührig, ist bemüht, freundlich und nett. 46,5 Stunden die Woche. Der Verdienst liegt bei 700 Euro. Leider führt derjenige Shop, der u.a. auch Seekarten von den Kanaren vorrätig hat, gerade jetzt eine Inventur durch. Die Dauer dieser Arbeit ist ungewiss und ein Zwischenverkauf nicht möglich. Das gibt es auch. Starten wir unsere Inselumseglung mit einer Straßenkarte?
Einen ganzen Tag verbrachten wir in dem Industrieviertel …. Hier sind erstmal Autohäuser aller Marken vertreten, Möbelhäuser, Fleischhallen für Groß- und Detailverkauf, Fischumschlagplätze und Verkaufshallen, Märkte für den Profi-Handwerker incl. Großmaschinen, Bau- und Gartenmärkte. Also nichts Neues, oder? Einen Großteil nehmen ein Kleinbetriebe und Werkstätten für Metalle aller Art, Holzverarbeitung, Kunststoffe etc etc., die vielfach zusätzlich einen Kleinverkauf mit betreiben. Erstmal in einem Laden gefragt, bekommen wir schon die Adresse eines weiteren Lieferanten. Diesen aufgesucht und erfahren, dass er grundsätzlich so etwas führt, doch nicht in allen Größen. Besser wären wir bei - und er gibt uns die nächste Adresse – aufgehoben. Nur noch zwei mal Passanten nach dem richtigen Weg gefragt und schon stehen wir wieder vor nettem, zuvorkommendem Personal und können unsere Wünsche vortragen. So besuchen wir unter anderem 3 Firmen mit dem Nachnamen Salazar (von Bruder nach Schwager und Cousin) und bekommen zum günstigsten Preis in Las Palmas und Umgebung genau die von uns so sehr gewünschten Bohrer für Nirostahl. Der Kauf eines Reduziernippels für die Wasserkühlanlage des Motors gestaltet sich fast ebenso problemlos. Die beinahe unüberschaubare Vielfalt der vorrätigen Anschlussmöglichkeiten (Nippel, Krümmer, in Zoll und cm) ist für uns eher ein Problem.In einem Industrierestaurant nehmen wir ein Mittagessen ein, die Bedienung ist sensationell,Mit der einen Hand wird abgeräumt, mit der anderen die Bestellung aufgenommen, und mit der nächsten serviert, und das im fast Jogging-Tempo.
Von Las Palmas aus möchten wir eine Inselumrundung entgegen dem Uhrzeigersinn vornehmen. Unser Start ist schon wetterbedingt terminiert, leider verzögert sich die Inventur im Kartenshop. Also werden wir den folgenden Hafen – Puerto de Mogán – mit Hilfe einer Inselkarte des Tourist-Offices anlaufen. Das Hafenhandbuch "Atlantic Islands" von Anne Hammick beschreibt diesen Hafen als einen der besten und populärsten in den Kanaren. Auch von anderen Seglern haben wir die Besonderheiten dieses Hafens aber auch der extremen Kosten vernommen. Wir denken, dass wir uns das für einmal erlauben können. Und um die Verweildauer in der Exklusivität voll ausnutzen zu können, verlassen wir am Mittag Las Palmas, um am folgenden Tag "irgendwann in der Frühe" Puerto de Mogán zu erreichen. Zuerst kreuzen wir gegen den Wind gen Norden und können nach passieren der Höhe La Isleta auf Backbordbug am Wind den Nordteil der Küste absegeln. Hier sehen wir die Berge, Straßen und Höhlen wieder, die wir mit Bus und als Fußweg schon passiert haben. Der Wind ist für diesen Törn zu Beginn günstiger als die Vorhersage zweier Wetterdienste und mit gerefftem Groß und der zu einem Drittel eingerollten Genua erleben wir den Sonnenuntergang und können dabei den Teide, den höchsten Berg der Insel Teneriffas ausmachen. Dann erfahren wir die sogenannte Düse zwischen den Inseln. Der doch schon so gute Wind legt um einiges zu. Wir nehmen immer mehr Tuch weg (reffen bzw. verkleinern die Segel) und machen dann schließlich nur unter Topp und Takel 4,5 – 5 Knoten Fahrt. Um Mitternacht ist die Wellenhöhe schon beträchtlich und auf diese wird die Equinoxe unablässig raufgeschoben und runtergejagt und je nach Einfallswinkel back- oder steuerbords gerollt. Doch insgesamt gesehen lässt sie sich gut steuern und ist diese Art zudem recht Material schonend. Auch der Autopilot kann den Kurs halten. Der Geräuschpegel nimmt indes weiter zu. Die Wellen brechen zischend, der Wind pfeift und heult, der Windgenerator surrt in höchsten Tönen (und lädt dabei freundlich unsere Batterien). In der Kajüte ist es vergleichsweise leise und Christel kriecht zu einem erfolgreichen Verbleib mit Schläfchen in die Achterkajüte. So geigen wir schon um 05:30 auf die Hafeneinfahrt von
Puerto de Mogán zu. Im Stillen denken wir, jetzt kommt uns das kleine Hafendinghi entgegen, fragt nach Bootsgröße und Verweildauer, geleitet uns zum Liegeplatz und die Marineros sind behilflich beim Anlegen. Bei den schönen Häfen erlebten wir das so. Und dieser ist ja "unzweifelhaft einer der Besten". In Puerto de Mogán ist das doch etwas anders. Der Wachmann der Security kommt an die gemauerte Mole und bittet uns, dort festzumachen. Er ist auch behilflich dabei. Auf Fragen erklärt er, dass der Hafenmeister um 0800 kommt und es dann einen Platz am Ponton gibt bzw. geben kann. Normal kein Problem. Doch hier, kurz vor Hochwasser, ist beträchtlicher Schwell und nachdem sich schon ein Fender plattgedrückt hat und die Relingsstützen in arge Bedrängnis geraten, sind die Leinen schnell wieder gelöst. Hinweis darauf und auch unsere zweite Bitte für einen Pontonplatz kann nicht erfüllt werden. Bevor größeres Unglück passiert und wir nicht willens und auch nicht in der Lage waren, das Boot schutzfrei von den Steinen abzuhalten, verabschiedeten wir uns auf die Reede. Hier herrschte leichter bis starker, doch ungefährlicher Schwell und ließ uns die Zeit lang werden. Um 0815, gut dass der Wind abgenommen hatte, besuchen wir wieder den Hafen. Der Hafenmeister erschien schon um 08:30, fragte nach woher, wohin, wie lange wir zu bleiben gedächten und bedeutete uns dann, dass um 09:00 sein Dienst beginnt. Jedoch schon 10 Minuten vor Dienstbeginn wies er uns einen Platz zu. Dieser ist, wie alle Stege im Hafen, mit einer Mooringleine ausgelegt. Also nix da Fingersteg. Der Laufsteg besteht aus Eisen und Plastikwürfeln, die teilweise schon gebrochen sind. Keine Festmacher-Klampen; unter dem Steg sind Ringe (nicht rostfrei), durch die die Festmacher gezogen werden können. Keine Poller, so dass sich der Steg incl. der Boote bei Wind (und den hatten wir) in Bewegung hält und so gewährleistet ist, dass die Boote mit Bug oder Heck an den Steg stoßen können. Das Hafenpersonal ist dann sehr beschäftigt, aber nur mit mittleren Erfolgen. Die Strom- und Wasserkästen werden bei diesen Aktionen sehr in Mitleidenschaft gezogen. Die Sanitäranlagen sind im Erdgeschoss der Capitainerie untergebracht. Einen Schlüssel haben wir schon bekommen. Sie sind rundum gefliest und mit Bordüren farblich abgesetzt. Es gibt Warm- und Kaltwasser mit Mischbatterie. Die Warmwasserrohre sind rot, die Kaltwasserrohre sind blau angestrichen. Die Anlagen insgesamt waren vor vielen Jahren sicherlich sehr schön. Wenn das nun der schönste Hafen auf Gran Canaria ist, dann sind wir auf die anderen gespannt.
Aber erst einmal wollen wir Anne Hammick, der Autorin des Hafenhandbuches zugute halten, dass sie mit ihrer Einschätzung vermutlich die Gesamtanlage gemeint hat und wahrscheinlich zu sehr das Hafenrund besucht hat. Denn dieses ist mit maximal 3-stöckigen wunderschönen Häusern, Hotels oder mietbare Appartements umgeben, die in ein Blumenmeer getaucht sind. In den Erdgeschossen sind diese gespickt mit Bars und Restaurants und bieten für jeden Gaumen das Beste. Daneben finden wir auch Boutiquen mit chicen Sachen aber auch die gewohnten Billig- und 1-Euro-Läden. Viele Touristen, viele Infos in deutsch. Wir bleiben einige Tage, besuchen auch die den Namen gebende Stadt Mogan, die für uns nichts zu bieten hat. Dann legen wir wieder einen Wandertag ein. Wir folgen der Küste nordwärts einer, mit einer Schranke abgesperrten Straße, die als Schotterpiste ausgelegt, doch zu beiden Seiten mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt und bewässert, passieren nach einigen Kilometern eine Gärtnerei und zwei Bananenplantagen und erreichen nach weiteren Kilometern den nächsten Bergeinschnitt, von dessen Höhe wir in ein langgezogenes Tal mit vielen Bananenplantagen sehen können. Diese Straße, so erfahren wir später, wurde schon auf Verdacht einer weiteren Ferienanlage von privater Hand mit "Aussicht" auf viel Gewinn gebaut. Die Planungen zur Tourismusverstärkung wurden staatlicherseits eingestellt und nun dient sie nur einigen Transportfahrzeugen und den wenigen Wanderern.
In der Nähe des Hafens werden Buggy-Touren angeboten. Wir entschließen uns an einer Tourteilzunehmen, was riesig Spaß gemacht hat die Serpentinen herauf und herunter zu düsen. Hierbei lernen wir den anderen Teil des Tales kennen. Doch dann lösen wir wieder die Leinen der Equinoxe und besuchen den einige Meilen weiter liegenden Hafen
Puerto Rico Wir bekommen im Hafen einen Liegeplatz für ein paar Tage angeboten. Die Anlagen sind großzügig angelegt und gut gepflegt. Stege mit Mooringleinen. Tourismus in höchster Vollendung. Hotels, Appartements und Residentenwohnungen soweit das Auge reicht. Shoppingcenter mit allen nicht benötigten Angeboten. Den Touristen versucht man hier in ihrer kurzen Verweildauer das Geld sprichwörtlich aus den Taschen zu reißen. Immer wieder werden wir angesprochen, doch das gerade vor uns befindliche Restaurant (das erste Getränk frei) zu besuchen, die einmalig günstige Kamera, die Sonnenbrille oder Armbanduhr oder sonstiges zu kaufen. Wir brauchen solches nicht, wir wollen solches auch nicht und sind es satt, bei diesen "Angriffen" einigermaßen freundlich zu bleiben. So nehmen wir wieder unsere Inselübersicht zur Hand (eine Seekarte gab es bisher nicht zu kaufen) und sehen uns die weiteren Möglichkeiten an und stoßen auf den kleinen Hafen
Pasito blanco.Mit viel Glück bekommen wir einen Liegeplatz, ach wie schön: für ein kleines Boot findet sich meistens noch ein Plätzchen. Schöne und sichere Häfen sind schnell gefüllt. Der Hafen ist in eine Wohnanlage eingebunden, die von der Küstenstraße nur per Pförtnerhäuschen mit Schranke zu erreichen ist. Die Häuser sind in schöne Gärten, parkähnlich, eingebettet. Die gesamte Anlage wird durch einen Golfplatz sowie Badestrand abgerundet. Und wir mittendrin. Hier ist relaxen angesagt. Leider ist keine Bar oder Restaurant vorhanden, aber ein kleiner Spar-Super-Markt, der gut sortiert ist und schon am frühen Morgen frisches Brot vorrätig hat.Von hier aus können wir mit dem Bus, oder auch am Ufer entlang zu Fuß in die Dünen von Maspalomas, Sanddünen wie in der Sahara, die man erklettern und durchlaufen kann, wobei man schon aufpassen muss, das man sich nicht verläuft. Hier am südlichen Zipfel der Insel ist auch Playa del Inglés gelegen. Das Umfeld ähnelt sehr dem von Puerto Rico und so können wir es bei einer langen Strandwanderung belassen.
Ab hier widmen wir uns der Planung der Rückreise in den Norden. Planen deshalb, weil hier zum einen nördliche Winde vorherrschen und zudem ein Südstrom von 0,5 bis zu 1 Knoten setzt. Unsere Planungen werden von einem steten Westwind im Hafen getragen, der der Windvorhersage von 4-5 Bft aus Nordost widerspricht. Diesen tatsächlich gefühlten Wind wollen wir nutzen und lösen schnell die Leinen und machen tatsächlich gute Fahrt gen Osten, um das Kap zu runden. Nach einigen Meilen dreht der Wind, langsam aber beständig über SüdWest nach Süd und dann aus SüdOst. Noch sind wir guten Mutes, dass wir den günstigsten Zeitpunkt für die Reise erwischt haben. Doch nach kurzer Zeit sehen wir flaches Wasser vor uns und als wir diesen Teil erreichen, stellen wir fest, dass aus der guten Brise eine völlige Flaute entstanden ist. Doch in der Ferne sehen wir sich brechende Wellen und das bedeutet in diesem Fall: Dort herrscht Wind. Die kurze Distanz überbrücken wir mit Dieselhilfe und schon können wir weitersegeln, doch nicht lange. Der Wind dreht weiter auf Ost und dann NordOst. Und je weiter wir segeln, desto kräftiger der Wind und höher die Wellen. Auf dieses waren wir gar nicht eingestellt. Zuerst einmal: Nicht ausreichend geplant. Dann: Neu planen. Und das heißt für uns eine Wende einleiten und mit einer Rauschefahrt zurück bis in die Flaute. Querung wieder mit Dieselhilfe, dann raumen Wind, halben Wind und Wind von vorne. Nachmittags waren wir wieder in Pasito blanco. Ein schöner Hafen ist anziehend.
Unsere neue Planung am folgenden Tag mit den Erfahrungen vom vergangenen Tag, noch immer 4-5 Bft und das auch für die nächsten Tage, führt uns zum Ergebnis einer Nachtfahrt, weil nächstens der Wind um bis zu 2 Windstärken nachlässt und damit auch die Welle geringer ist. Im Hafen ist immer noch Wind aus Westen. Am Abend starten wir erneut. Das gleiche Wind/Wellen-Verhältnis wie vorher. Aber nun waren wir mental darauf eingestellt. Nach anfänglichen Kreuzen mit miesen Ergebnissen (wie schon gesagt: Wind und Strom gegenan) starteten wir die Maschine und mit gedrosselter Fahrt trotzten wir Wind und Wellen. Salzgebadet erreichten wir im Morgengrauen
Las Palmas und können, wie bereits bei erster Ankunft, an Steg 16 festmachen. Künftig sollten wir den Segelanweisungen der "alten Hasen" doch mehr folgen.Unsere Tests während dieser kurzen Reise zeigten leider ein Defizit in unserem Energiehaushalt auf. Die Zuschaltung eines weiteren Paneels auf einen zweiten Stromkreis erweist sich als sinnvoll. Der Kauf des Paneels ging nach den vorherigen Preiserkundungen nun schnell, doch wieder war die Montagedauer (anschrauben, verschrauben, umschrauben, Regler einbauen, Kabel ziehen, anschließen) mit 2 Hobbywerktagen anzusetzen. An weiteren 3 Tagen brachten wir unser schwimmendes Zuhause wieder in wohnbaren Zustand.
Kurz-Heimat-Urlaub stand an. Der Essener Terminkalender wird gefüllt und gefüllt. Wir schaffen ihn nicht vollständig abzuarbeiten und der Skipper hat nicht nur schon wieder Sehnsucht nach der Equinoxe, sondern es ist angesagt, dass sie bald den Hafen verlassen muss. Die ARC-Segler, die Segler die an der Atlantic Rallye for Cruisers teilnehmen, haben zuhauf Liegeplätze reservieren lassen. Das heißt dann für die Nichtteilnehmer so wie wir, doch bitte die Liegeplätze ab September zu räumen. Die Vielzahl der Segler verlässt dann für 2-3 Monate den Hafen, um anschließend – der günstigen Hafenliegegebühren wegen – zurückzukommen. Christel hat noch "im Berg" zu tun und so fliegt der Skipper schon mal voraus, damit nichts anbrennt. Er darf noch einige Tage in Las Palmas bleiben, doch dann ist Hafenwechsel angesagt. Und damit auch wieder ein Einhand-Törn (immer wieder hochinteressant). Bei günstigen Bedingungen starte ich morgens um 04:00 h, günstig, weil während der Nacht in der Regel der Wind etwas nachlässt und so ist für Auslaufen und Segelsetzen etwas mehr Ruhe. Der Schwell im Vorhafen ist jedoch noch beträchtlich und es schaukelt sich sehr auf. Beim Setzen des Großsegels sind dann alle möglichen vorkommenden Hindernisse aufgetreten. 1. Schäkel des Großfalls verhakt sich in Lazy-Jacks, 2. das gleiche noch einmal, 3. ein Vorlieksreiter klemmt, 4. Großfall klemmt, 5. Reffleinen, beide, kommen nicht klar, Achterliek geht nicht hoch, 6. Unterliek verdreht sich und klemmt im Reffhaken. Ich immer wieder zum Mast und zurück in die Plicht, und das bei der Schaukelei. Trotzdem ich lediglich Shorts und Shirt trug, denn es war noch 20 Grad, wurde mir in der frühen Stunde schon warm. Doch dann lief es wie in guten Tagen. Später konnte ich noch eine neue Bimini-Variante entwickeln, denn die Sonne brannte unbarmherzig und zwang mich immer wieder unter Deck. Werden wir also im Auge behalten und noch ein Teil nähen. Leider ließ der Wind am Nachmittag nach, so dass ich noch für rund 1 1/2 Stunden den Motor nutzen musste, um nicht in Dunkelheit den unbekannten Hafen auf
Teneriffa, die Marina Atlantico anlaufen zu müssen. Der Hafen liegt ganz nahe dem Centrum und dem Kai der Cruise-Schiffe. Wassser, Strom, Sanitär alles ok. Leider ist kein Hafen-WiFi vorhanden, ca 200 m entfernt ist jedoch ein Tourist-Info mit HotSpot. Leider kein 230 V, so dass hier nur mit Accu-Laufzeit gesurft werden kann. Kleine traurige Episode am Rande: Einer befreundeten Seglerin, die auch auf der berühmten Mauer am Tourist-Office (Hotspot) im Internet surft, wird von einem auf Sie zugehenden jungen Mann sozusagen der PC aus der Hand genommen, angelächelt, PC zugeklappt und er gibt (mit PC) Fersengeld. Ihr Mann versucht, ihm zu folgen, hat aber nur FlipFlops an und stolpert und stürzt hin. Polizei gemeldet und alles, leider nichts zurück bekommen. Also nur einhand tippen. Mit der anderen Notebook festhalten. Die Stadt, die Parks, die Promenade alles ist sehr sauber (gegenüber Las Palmas) und es gibt sogar eine Straßenbahn nach La Laguna, eine rund ½ Stunde Fahrt kostet 1,30 Euro. Das Busnetz ist ausgezeichnet und wir erreichen alle Ziele, auch weit über 1 Stunde entfernte, für fast 1,30 Euro. Der pflichtgemäße Törn verhindert leider ein Treffen mit Mecki und Fiete, die kurz darauf auf Gran Canaria Urlaub machen.
Ein paar Tage darauf kommt auch Christel angeflogen und dann nimmt zum ersten das Hafenleben und dann das Bergleben wieder Besitz von uns. Viele Bergtouren fordern uns und oft brennen besonders dem Skipper am Abend die Füße. Auch auf den Gipfel des Teide, bis dort wo es nicht höher geht und nur mit Sondergenehmigung möglich ist, sind wir gestiegen. Der Empfehlung zu einem problemlosen zweistündigen Teilabstieg sind wir gefolgt mit einer tatsächlich benötigten Zeit von 4 ½ Stunden. Es schläft sich danach ausgesprochen gut. Wir tauschen Erfahrungen und Pläne mit Wolfgang, dem Einhandsegler von der Pelikan, Kurt und Karin von der Aleppo, Arndt und Bente von der Avento. Hier im Hafen besucht uns auch der Kollege und Knobelbruder Jürgen mit Frau Barbara, die gerade mit der Aidabella eine Kanarenkreuzfahrt unternehmen. Schon erstaunlich, wer und was sich so alles in der Kanarenwelt umhertreibt.
Für uns heißt es erneut Boots-Check, kleine Aus- und Verbesserungen, Shoppen, Bunkern, etc. und dann wird es auch schon wieder Zeit weiterzuziehen. Die Liegeplatzkosten sind mehr als doppelt so hoch wie in Las Palmas. Auf lange Sicht nicht gut für die Bordkasse und das erleichtert den Abschied. Noch können wir in einem Nautic-Shop günstig einen Mer-Veille, einen Radar-Detektor, erstehen. Und wieder werden Kabel durch die Equinoxe gezogen und Stromkreise geschlossen. Ein Testlauf zeigt uns: Funktion möglich. Inwieweit auch gut und richtig, das werden wir auf See feststellen. Mehr darüber später. Bei guter Wettervorhersage lösen wir noch vor Mittag die Leinen und arbeiten uns gegen den gewohnten Norder, es weht einfach "immer" aus nördlicher Richtung, runden das östliche Kap und den Leuchtturm auf Rufweite und können westlichen Kurs anlegen nach
Santa Cruz de La Palma.Nur einmal kurz lässt der Wind uns hängen – aus guter Fahrt heraus stehen wir mit killenden Segeln in der Dünung und nur ein flott eingeleiteter Motoreinsatz schiebt uns in die nächste Brise, doch dann mit noch günstigerer Windrichtung geht es zügig in die Dämmerung und eine Weile erfreuen wir uns an den Lichtern der Küstenorte. Noch spät in der Nacht sind die ausgesprochen hellen Lichter auszumachen. Über uns ein Sternenhimmel von grandioser Schönheit, Sternschnuppen fallen vom Himmel, so viele Wünsche kann man garnicht haben. Schon bald sehen wir die Lichter von La Palma. Um 1000 Uhr erreichen wir die Marina La Palma, in der wir an nietnagelneuen Stegen festmachen können. Die Anschlüsse für Strom und Wasser sind noch nicht verlegt, so dass eine Stromquelle mit immer weiteren Mehrfachsteckern von 13 Nutzern angezapft wird. Wie ist so etwas wohl abgesichert? Ein langer Wasserschlauch versorgt den gesamten Steg.
Hier erwarten uns Walter und Irmie, Freunde aus dem Münsterland, die gerade hier Urlaub verbringen. Doch dann kommt das Fiasko. Am Abend beginnt das Wasser im Hafen unruhig zu werden. Die Boote werden mit den Strömungen wenig und mehr bewegt und rucken an den Leinen. Normal gesehen kein Problem. Für so etwas gibt es an Bord sogenannte Ruckdämpfer. Leinen mit eingespleißtem Gummi, die die ruckigen Bewegungen dämpfen. Schnell sind sie ausgebracht. Doch in der Nacht werden die Bewegungen immer heftiger. Es sind rund 12 bewohnte Boote verschiedener Nationalitäten im Hafen und für deren Skipper ist an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Außer bei der Equinoxe. Der Skipper schläft und die Besatzung ist in großer Sorge. Nicht zu unrecht. Mittlerweile werden die Boote hin und her geworfen. Zu Recht besteht die Sorge, dass die Masten nebeneinander liegender Boote zusammen stoßen können. Die Leinen werden noch einmal gefiert oder angeholt um nicht so extrem belastet zu werden bzw. eine günstigere Position des Bootes herzustellen. Der Druck auf die Fender, sowohl backbords zum Steg als auch steuerbords zum Nachbarn nimmt zu. Manchmal sind sie einfach platt gedrückt. Die Fendersocken zeigen schon starke Verschleißerscheinungen. Mittlerweile ist im Boot eine Bewegung spürbar, wie bei großer Welle. Wieder nach draußen und kontrollieren und in dem Moment werden Teller und Tassen vom Tisch geräumt. Mit großem Lärm wird ein Teil unseres eigentlich unkaputtbaren Essservices zerdeppert. Und dann holt die Equinoxe sogar so weit über, dass die Fender unter dem Steg verschwinden und eigentlich müsste jetzt der Relingsdraht reißen, doch bevor die Gegenbewegung kommt, schiebt das Wasser das Boot zum Nachbarschiff. Glück gehabt. Zwischenzeitlich tritt wieder etwas Ruhe ein. Doch gerade, wenn Aufatmen angesagt ist, geht die ganze Chose mit gleicher Wucht wieder los. Das gesamte Hafeninterieur ist in Bewegung. Die Stege schaukeln dermaßen, dass das Begehen mehr zu einem Hüpfen wird mit gleichzeitiger Sorge eines Sturzes auf den Steg oder noch doller, ins Wasser. Wir haben schon einige unruhige Hafengewässer kennengelernt, doch keines hat uns so berührt wie hier in Santa Cruz. Und hier müssen wir schleunigst raus. Nur die Frage eins, wie die Leinen lösen, damit nicht noch größeres Unglück passiert. Die Frage 2, wohin? Die Marineros (Angestellte der Hafenverwaltung) schleichen schaukelnd über die Stege. Diesen Gewalten haben auch sie nichts entgegenzusetzen. Bedauernd und ehrlich entschuldigend (wofür?) wissen sie keinen Rat. Von einem heimischen Segler hören wir, dass dieses Inferno sich bei jeder Wellenhöhe um 3 Meter wiederholt. Nun verstehen wir, warum nur so wenige Boote im Hafen sind und auch künftig die Stege nicht gefüllt werden. Die Mannschaften der Boote laufen zusammen und beratschlagen weiteres Vorgehen. Dabei haben wir die besten Chancen.
Walter und Irmie wohnen an der Westküste der Insel und dort ist der zweite Hafen der Insel: Puerto de Tazacorte. Auf unsere frühmorgendliche Bitte sehen sich die beiden nicht nur den Hafen und die Umgebung an, sondern melden von der Hafenmeistersitzung per Telefon: Hafen und Umfeld ok, kein Schwell, aber im Hafen nur 2 Plätze frei. Noch können sie unmittelbar vor Ort einen Platz für die Equinoxe reservieren. Für unsere österreichischen Freunde Kurt und Karin ist auch auf telefonische Anfrage einfach keine Reservierung möglich. Wat nu? Zwischenzeitlich sind Walter und Irmie in Santa Cruz eingetroffen und berichten noch einmal im Einzelnen. Derweil fallen noch ein paar Windböen über den Hafen. Christel und Irmie fahren mit dem Auto zurück nach Tazacorte, um den Hafenmeister für den freien Liegeplatz zu becircen. Ganz flott haben Walter und der Skipper die Equinoxe klar zum Auslaufen und ihnen gelingt ein Ablegen ohne Crash. Nur unter Fock mit über 6 Knoten geht es aus dem Hafen und während der Skipper stehendes und laufendes Gut prüft und sichert, hält Walter raumschots den Kurs gen Süd. So eine Rauschefahrt möchte er sich trotz der immer wieder einfallenden Regenschauer nicht nehmen lassen. Nach Umrundung des Südkaps wechselt das Wetter schlagartig. Sonnenschein, leichte Winde um 3 Bft, beachte bitte, jetzt aus West. Und noch doller, nach 3 Meilen ist nur eine leichte Brise vorhanden und wir nehmen den Diesel zu Hilfe, damit wir vor Dunkelheit den Hafen
Tacacorte de La Palma erreichen. Das zwischenzeitlich achtern aufkommende Boot entpuppt sich als das unserer Alpensegler. Irmie hat es geschafft, für sie den letzten freien Liegeplatz als reserviert zu bekommen. Danke Irmie.
Wenn einem so viel Gutes widerfährt, …………….. ist das ein bunter Abend wert.
Wir liegen hinter einem 10 Meter hohen Wellenbrecher gut festgebunden und genießen die Ruhe, die Christel endlich einmal schlafen lässt. Unmittelbar neben dem Hafen sind 2 Strände und diese eingerahmt von kleinen Cafés und Restaurants. Die Häuschen rundum maximal 3 Etagen. Keine Hotelburgen. Mehrere kleine Modeläden, die überwiegend von Deutschen geführt werden. Rundum sehen wir die Berge und viel Grün der Bananenplantagen, die hier nicht unter Folie versteckt sind. Irmie und Walter organisieren Bergtouren und Inselrundfahrten. Auch ein erneuter Sturm lässt uns in diesem Hafen wie in Abrahams Schoß verweilen.
Berthold + Christel a/b Equinoxe





Die große Fahrt der Equinoxe, die Erlebnisgeschichte Nr. 8
Islas Canarias, von La Graciosa bis Las Palmas de Gran Canaria
Wie schon gewohnt, zuerst wieder einmal zurück in die Erinnerung: die Überfahrt von Madeira nach La Graciosa. Nach wundervollen 3 Segeltagen und –Nächten und 285 Meilen fahren wir in den bei allen Wetterlagen geschützten Hafen von
Caleta del Sebo auf der Insel La Graciosa,
der kleinsten und östlichsten bewohnten Insel der Kanaren. Dieses bedeutet für uns den Einstieg in die kanarische Welt, die wir nun bei meistens nördlichen und östlichen Winden ersegeln wollen.
Doch vorab noch eine Ergänzung zu unseren Erlebnissen Nr. 7.:
Wir hatten unsere erste Walbegegnung und diese fast vergessen. Nachdem wir Madeira einen Tag verlassen hatten, sieht Berthold circa 100 m steuerbords querab einen massigen Körper an der Wasseroberfläche, erkennt einen Wal, der dann auch schon seine Luft ausbläst. Schnell kommt Christel auch in die Plicht und wir sind fasziniert von dem Anblick. Zugleich sind wir aber auch erschrocken über seine Größe. Ich meine, so groß wie die Equinoxe, Christel meint, er wäre noch größer. Er taucht wieder unter, wieder auf und bläst. Der Wal schwimmt von uns aus gesehen nach achtern, der Abstand von rd. 100 Metern zur Equinoxe bleibt und dann zieht er seine Bahn nach backbord achtern weiter. Taucht unter und wieder auf und bläst. Erst da fällt uns ein, dass wir das Fotografieren ganz vergessen haben. Nun wünschen wir uns weitere Begegnungen dieser Art.
Die Insel La Graciosa erkundeten wir ausgiebig. Nicht nur der preisgünstige Liegeplatz (3,70 Euro pro Tag), sondern auch die netten Segler an den vorhandenen 2 Stegen ließen uns einige Wochen hier bleiben. In der Seglerszene wird neben den von Boot zu Boot ausgesprochenen Einladungen und Besuchen hier als Allgemeintreff der Freitagabend zum Sonnenuntergang am Ende der Hafenmole als weitere Kennenlernmöglichkeit offeriert. Die Besatzungen bringen zu Essen und zu Trinken mit. Nicht vorrangig für sich, sondern für die Gäste. Und so probieren wir den französischen Wein, schwedisch zubereitete Nudeln, die dänisch geschmorten Sardellen, die von canadischer Hand belegten Häppchen, britisches Salzgebäck und die tschechische Crew wusste Spezialitäten aus ihrer Heimat zu kredenzen. Natürlich ging der Abend wieder viel zu schnell vorbei. Doch umso erfreulicher, die neuen Bekanntschaften wurden an den nächsten Abenden vertieft. Neben den Inselerkundungen fuhren wir auch mit dem Dinghi über den Estrecho del Rio nach Lanzarote zum Baden. Starke Strömung auf der Rückfahrt ließen unsere Nerven kitzeln, denn wir waren uns nicht gewiss, ob das Benzin reicht. Im Falle von Nein hätte es schwere Arbeit bedeutet (Christel sagt: für Berthold). Es hat gereicht. Einige Tage darauf treffen wir die Aphrodite wieder. Sie haben den Weg von Madeira zu den Kanaren noch gemacht, denn hier endet ihre Atlantiküberquerung. Sie wollen nicht mehr weiter. Sie wollen auf ein größeres Boot sparen.
Wir verabschieden uns, lösen die Leinen und von der Hafenausfahrt können wir in einigen hundert Metern die Nordspitze von Lanzarote sehen, drehen backbords ab, passieren also den Rio, am Ende halten wir guten Abstand zu den vorgelagerten Riffs und segeln dann entlang der Ostküste Lanzarotes gen Süden und erreichen zum Abend Arrecife. Hier fahren wir in den Fährhafen, wo zwei Segler ankern, und von dort weiter in den Yachthafen, der immer und überall als gefüllt beschrieben ist. Doch hineinsehen müssen wir doch mal. Er ist gefüllt. Was sind wir jedoch erstaunt, plötzlich Equinoxe sowie unsere Namen zu hören. Ankern doch unsere dänischen Segler, Marianne und Carlo (von Haus aus Italiener) nahe der Mooring-Tonnen und sienseren Bootsnamen en...dert Metern die Nordspitze von Lanzarote. redenzenwieder viel zu schnell vorbei. wissen mitzuteilen, dass es hier guten Ankergrund gibt. Der Hafen ist wirklich proppevoll. Wir fahren in das Mooring-Feld, sehen eine bei den bestehenden Winden günstige Ankermöglichkeit und kurz danach sind die beiden bei uns an Bord und es wird eine lange Nacht. Man trifft sie immer wieder gerne: weitgereiste, aufgeschlossene, nette und symphatische Leute, mit denen das Leidwesen dieser Welt, aber auch die Möglichkeiten internationaler Veränderungen zum Guten in fast einer Nacht besprochen werden können. Schade, dass wir mit dem Ergebnis hier so alleine bleiben. Die beiden treffen wir später noch einmal in Corralejo (Fuerteventura Nord). Marianne und Carlo bleiben jetzt noch länger in Arrecife, wir segeln weiter in den Süden Lanzarotes. Puerto Calero. Ein traumhaft schöner Hafen. Goldene Poller (es ist Messing), die vom Hafenpersonal immer wieder auf Hochglanz gewienert werden. Strom, Wasser, Internet frei Haus. Rundum internationale Lokalitäten. Leider kein weiteres erwanderungswürdiges Umfeld. Unser nächstes Ziel ist die Südküste. Marina Rubicón. Vom allerfeinsten. Viele Liegeplätze frei. In der Nähe der Urlaubsort Playa Blanca. Barbara und Jan besuchen uns hier und genießen mit uns hafeneigenen Pool und Strand. Wir entschließen uns, die Equinoxe für die Überwinterung hier am Steg zu lassen, denn wir wollen doch Weihnachten in Deutschland sein und so sind wir Anfang Dezember wieder in Essen.
Schon im Januar 2008 wollte Berthold wieder in Rubicón sein, aber bei seiner jährlichen Gesundheitsbestätigung stellte sein Arzt nach allen guten Werten abschließend fest: "Ach, da haben wir ja doch noch etwas gefunden". Leistenbruch. Bei der Kontroll-Untersuchung im Krankenhaus interessiert sich die zuständige Ärztin auch für das Aussehen des Bauchnabels. Aha, also auch Nabelbruch. Beides nicht so arg und in einer Narkose zu reparieren. Kurzer Termin wäre schön, denn zwischenzeitlich diagnostiziert der HNO-Doktor linksseitig einen Hörsturz und Tinnitus und empfiehlt ein Hörgerät. So kann Berthold von der chirurgischen unmittelbar in die HNO verlegt werden. Ergebnis: Leiste und Nabel okay, Hören schlecht.
Christel hat in und um den Tannenbusch noch einiges zu regeln, Berthold will kein Hörgerät, hat aber Kontrollwünsche zur Equinoxe und so ist er bereits mit Bruder Berni Anfang März in Lanzarote. Die Equinoxe wird segelfertig gemacht und getestet. Läuft nicht so gut, denn es haben sich nach zwischenzeitlich einem Jahr der Überholung einiges an Seepocken und Schnecken am Unterwasserschiff festgesetzt und bevor das überhand nimmt, ist eine Überholung angesagt. In Rubicón bekommt die Equinoxe nicht nur einen neuen Unterwasseranstrich, sondern auch unseren zwischenzeitlich in Holland und Dänemark reparierten 3-flügeligen Klapppropeller verpasst. Und sie ist segelklar, bis auf ein paar Kleinigkeiten, die Christel bei ihrer Ankunft jedoch sofort erkennt, schamlos bemängelt und mit der nicht widersprechbaren Bitte kundtut, das Auslaufen doch einige Tage zu verschieben, denn dann hätte sie sich akklimatisiert.
Ein Wort zum kanarischen Frühjahrswetter, denn dieses ist dem Nichtsegler nicht so geläufig. Also, es windet, es windet, windet und windet, vornehmlich aus Nord und Nordost, aber auch mal aus Nordwest. Und immer reichliche Windstärken. Wir haben mehrere Mitsegler getroffen, die bis zu 3 Wochen in geschützten Häfen auf eine angenehme und gefahrlose Weiterreise warten mussten. Es ist zugleich zu berücksichtigen, wenn die Wettervorhersage 5-6 Bft, in Böen 7-8 Bft und eine Wellenhöhe von 3 – 4 Meter lautet, aus welcher Richtung die Wellen laufen. Auch wir haben 5 Tage auf Winde und Wellen in günstiger Stärke und Richtung warten müssen. Wir schätzen uns glücklich, diese Wartezeit zu haben. Abends ist es kühl, so dass schon mal ein Pullover übergelegt wird und sogar einige Male die Sprayhood verschlossen wurde, damit der kühle Wind nicht reinpfeift. Für 2 Tage war der Flugplatz von Gran Canaria eingeschränkt nutzbar. Hier auf Lanzarote hatten die Fähren ihren Dienst eingestellt. Sie konnten nicht mehr anlegen. Während dieser Zeit war auch im so gut geschützten Hafen der Marina Rubicón kräftiger Schwell und die Equinoxe zerrte knarrend an den Leinen. Daneben knackten die Stegverbindungen in fast regelmäßigen Abständen und beides verursachte für 2 Tage und Nächte lediglich kurze Schlafenszeiten. Doch wie freuten wir uns, so gut angebunden zu sein.
Daneben erlebten wir einige Male den so genannten Calima: Das Wetter wird diesig. Selbst nahe liegende Berge sind nicht mehr zu sehen. Man kann förmlich den Staub in der Luft sehen und riechen. Sahara-Sand. Als Staub legt er sich an Bord. Selbst Mast, Wanten und Stage weisen eine unübersehbare Staubbeschichtung auf. Aufgrund des kräftigen Winds wird er in alle Ritzen gedrückt. Auch unter die Großpersenning hat er seinen Weg gefunden. Im Boot sieht es aus, als wenn der Staubsauger rückwärts gelaufen wäre.
2 Tage später: es ist auch am Abend, spät am Abend noch warm, es weht eine leichte Brise. Auch der Wind ist warm. Wind aus Nord und trotzdem warm. Bis Mitternacht und länger ist es draußen angenehm. Alle Luken bleiben bis zum Morgen geöffnet. Endlich in der Koje wird das Oberbett im Wechsel rangeholt und weggedrückt. Am Morgen ist es gottseidank angenehm frisch. Doch dann wird es schon wieder warm. Der Himmel ist bedeckt. Die hinter uns liegenden Berge sind nicht mehr zu sehen. Große Wolken mit rosa Sand (oder Staub?) schweben über die Insel. Alle Boote im Hafen bekommen einen rosafarbenen Touch.
Wir sehen uns das bis zum Windwechsel an und dann ist Großreinemachen angesagt. Morgens um sieben, noch ist durch den Tau (bei dieser Wetterlage gibt es ihn) alles feucht eingeweicht, gehen wir mit Schlauch, Bürste und Putzlappen zur Sache. Dann wird der spezielle Kunststoff-Reiniger aufgetragen. Wieder geschrubbt. Dann kommt der teure, der hoffentlich immer und ewig haltende Hartglanz aufgetragen. Diesen noch einmal mit einem trockenen Tuch poliert und dann sitzen wir in der Plicht, fix und foxi. Während ich anschließend auf dem Bauch und Rücken robbend, vom Steg aus den Schiffsrumpf bearbeitet habe, hat Christel schon das Süllbord und alles was darüber ist, in Glanz gesetzt. Zwischenzeitlich ist es nachmittags um 4 und da können wir uns ein Tässchen Kaffee gönnen. Bewundern unsere Arbeit, waschen die Putzutensilien und räumen wieder auf.
Aber so ist es nun nicht jeden Tag. Schon zwei mal sind wir gewandert. Einmal zu einer Ferreterria, Eisenwarenhandel, etwa 5 km. Das ist ein Geschäft, in dem es fast alles gibt. Du äußerst deinen Wunsch und dann verschwindet einer der Mitarbeiter zwischen den Regalen und legt dir anschließend ein bis drei Varianten vor. Wir benötigen dringend Cucaracha-Fallen. La Cucaracha, La Cucaracha... kennen wir doch das Lied.
Ja, Christel hat eine an Bord gesehen, eine Cucaracha, eine Kakerlake, eine Schabe. Sofort platt gemacht. Okay, aber man sagt: siehst Du eine an Bord, hast Du zehn. Siehst Du zehn, hast Du hundert..... ohne weiter zu zählen.... sie sind schnellstens zu eliminieren. Besonders schwierig an
Bord, wo sie sich so sehr verstecken können. Mittlerweile versuchen wir uns anzugewöhnen, die Schuhe, Schläppchen, Sandalen auf dem Steg zu lassen. Denn bekanntlich kann sich die Brut der Ungeziefer an den Sohlen geklebt haben und so guten Eingang erhalten. Auch die Verpackungen der Lebensmittel werden jeweils sofort entfernt und entsorgt. Wir sind jedoch noch ein wenig leichtsinnig und waschen nicht alles an Bord geholte Obst und Gemüse vorher mit Salzwasser ab. Ist inkonsequent, doch bislang gut gegangen.
Dann war noch einmal ein Gang zu einer Hähnchenbraterei angesagt. Die spanischen, portugiesischen und auch die kanarischen Hähnchen haben es Berthold angetan. Mehr Fleisch, aber auch fetter als in Deutschland gewohnt, und ganz lecker, oder scharf mit Piri-Piri gewürzt bietet eines uns immer zwei Mahlzeiten. Etwas Salat, etwas Spaghetti, etwas Brot dabei ergibt ein köstliches Mahl. So das war die Hähnchen-Geschichte.
Nun segeln wir weiter nach Fuerteventura, lassen den nördlich des Flugplatzes befindlichen Hafen Porto del Rosario, der außer einer Anker- und Aufenthaltsmöglichkeit nichts besonderes bietet, steuerbords liegen und erreichen mit erst guten und später starken Winden (5-6 Bft) und einer Spitzen-Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,8 Knoten
Puerto del Castillo.
Vor der Hafeneinfahrt sind etliche Riffs, so dass bei dem herrschenden Wind die Wellen um uns herum laut tosend brechen und es noch gefährlicher erscheinen lässt. Ein sehr netter Hafenmeister weist uns einen der noch zwei freien Liegeplätze zu und verspricht baldige Rückkehr zur Erledigung der Hafen- und Einreiseformalitäten, da er noch die Vorführung einer Seelöwenshow beenden und anschließend mit einem Tauchboot bereits wartenden Touristen die Unterwasserwelt der Küste erläutern muss. Spät am Abend erscheint er auf dem Steg, er hatte uns vergessen, gab uns schnell die Zugangskarte für Tür und Tor, Formalitäten sind auf morgen verschoben. Und bei Bertholds täglichem Besuch hieß es weiter: mañana. 4 Tage später klarieren wir unter Händeschütteln und Schulterklopfen, jedoch ohne jegliche Formalität aus.
Wir erkunden in einigen Tagen den vornehmlich von Engländern besuchten Urlaubsort und die Umgebung, wo große Wohnsiedlungen entstehen. Erstaunlich, wo doch noch so vieles halbfertig gebaut ist, fertig ohne oder mit Außenanlagen, fertig möbliert und Wasser im Pool und alles zu verkaufen oder zu vermieten. Nach einer längeren Strandwanderung erreichen wir eine Saline, die als Museum ausgestattet ist und in der heute lediglich für touristische Zwecke Salz gewonnen wird. In einer nahe gelegenen Ansiedlung finden wir ein kleines Lokal und können dort neben einer malzreichen Erfrischung eine leckere Fischplatte genießen.
Bei immer noch kräftiger Brise verlassen wir den Hafen, lediglich mit der Genua fahren wir entlang der Küste und erreichen die Halbinsel Jandia und mit ihr
Morro Jable.
Der Hafen ist in den letzten Jahren ausgebaut und bietet preisgünstige und sichere Liegeplätze. Am Steg mit Strom und Wasser zahlen wir nur 7 Euro und etwas pro Tag. Leider noch keine annehmbaren Sanitäranlagen, doch daran wird gebaut und in 3 Wochen wird es das fast schönste Sanitärerlebnis vermitteln können. 24 Stunden Security-Dienst und es erscheint uns sehr, sehr sicher. Zumindest haben wir bislang die Equinoxe nicht abgeschlossen und es fehlt nichts. Des Nachts, wenn wir schlafen, ist es ohnehin offen, weil es so warm ist, dass wir uns nicht einschließen mögen. Es gibt auch Stege ohne Strom und Wasser, dort ist es noch etwas preiswerter. So sehen wir uns als bevorzugte Reisende, denn wir genießen zum Kochen und Backen die 230-Volt-Energie an Bord.
Die gesamt Hotelerie und Vergnügungsindustrie ist fest in deutscher Hand. Die Hotels sind internationale Spitze. Dort fehlt es an nichts. Und dann der Sandstrand. Weißer Sand. Kilometer lang. Nach all dem bisher gesehenen schwarzen Sand ist das eine Augenweide. Eine breite, pieksaubere Promenade lädt zum Flanieren ein.
Wir sind von dem Hafen aus in die Berge, erst die Straße entlang, dann eine Schotterroute, dann bergauf und bergab gekraxelt und dann wieder Sandpfade gelaufen. Leider ist Berthold bei einem Abhang doch ins Stolpern geraten, konnte nicht mehr bremsen und musste sich nach mehreren Metern abrollen. Das war gekonnt, den lediglich Knie und Ellenbogen zeigten anschließend einige Blessuren. Wir erreichten dann Cofete, einen Ort, wo Stromleitungen, Wasserzu- und –abfluss noch keinen Einzug gehalten haben. Rund 30 arme bis armselige Hütten (sehr gerne werden für den Bau Plastikplanen und ausrangierte Paletten genommen) mit ihren ebensolchen Besitzern fristen hier ihr Leben. 2 halb im Erdboden gebaute und mit etwas Isolierung versehene Dieselgeneratoren versuchen, den Lebensstandard zu erhalten bzw. auf Inselniveau zu erhöhen. Das erklärt auch einige TV-Antennen und hoffentlich auch – Empfang. In dem ortsangepassten Restaurant gönnten wir uns einen Fisch mit kanarischen Kartoffeln und ein Bier, um uns dann wieder auf den Heimweg zu begeben. Angesichts unseres geplanten Rückwegs schaut Frau Wirtin noch erstaunter drein, hat sie doch diesen Weg noch nie genommen. Nach gesamt fast 7 Stunden bergauf und bergab (unsere Kondition geht übrigens noch), gönnten wir uns eine warme Dusche aus dem Solar-Wassersack in der Plicht und saßen dann bei einem Bier, froh und ein bischen stolz, diese Wanderung geschafft zu haben.
Und immer wieder weht es heftig. Wir verschieben unsere Weiterreise.
Hier kommt nun wieder eine kleine Gesundheits-Info.
Vorab möchte ich nur mal eben andeuten. Wir kommen nicht in das, nein, wir sind in dem Alter, in dem wir über unsere neuen Disco-Bekanntschaften nicht in von Euch allen gewünschten Details breit tretend parlieren, nein, auch die früher nur flüsternde Mitteilung über eine – sogar manchmal nur erwünschte - neue Errungenschaft, findet heute Ersatz in, so nennen wir es mal, Gesundheits-Infos.
Also, unsere liebe Freundin Mecki aus Haan hat uns bei einem unserer leider viel zu seltenen Treffen einen speziell zubereiteten Knoblauch-Drink offeriert, der, erstmals 3 Wochen lang morgens schnapsgläschenweise (ein)genommen, nicht nur kurzfristig ein besseres Wohlbefinden, sondern auch langfristig geistige Regsamkeit verspricht. Christel hat den Drink schon in Essen getestet und eine positive Wirkung bemerkt. Als sie zum 01. April in Lanzarote angekommen ist, durfte Berthold den Drink dann wegen des Erfolgs auch an Bord testen. Hinsichtlich der langfristigen Wirkung können wir noch keine Aussage treffen, doch kurzfristig ist neben den allgemeinen positiven Wohlfühl-Wirkungen Berthold`s Hörvermögen auf 80 bis 90 % (geschätzt) angestiegen und der Echosound ist lediglich 3 x in 6 Wochen aufgetreten. Eigentlich nennt man das Heilung. Nochmals vielen Dank Mecki, kannst Du mir jetzt schon mitteilen, was Du am liebsten trinkst?
Wir planen unsere Weiterreise nach Gran Canaria, doch im Puerto de Morro Jable weht es immer noch kräftig. Ein gegenüber uns liegender Franzose kommt jeden Tag mit neuen Wettermeldungen und –warnungen und verschiebt seinen Start mit säuerlichem Gesicht um mehrere Tage. Wir sehen angesichts des zu fahrenden Kurses jedoch gerade jetzt die Möglichkeit zur Weiterreise. Bietet doch der Wind eine schnelle Passage, ohne Nachtfahrt. Wir starten frühmorgens (trotz Absprache kneift unser Franzmann), in der Hafenausfahrt setzen wir "halbe Fock" und schießen los. Die ersten Meilen sind ungemütlich, doch dann haben wir Wind, Welle und Kurs in Einklang gebracht und rauschen fast gemütlich dahin. Der Wind lässt später nach, so dass wir das Groß auch noch setzen. Eine Seeschwalbe umfliegt die Equinoxe und will sich auf den Relingsdraht setzen. Sie hat etwas Probleme bei der Landung, denn sie muss gegen den Wind landen und die Equinoxe fährt mit dem Wind ihr entgegen, so benötigt sie einen zweiten Anflug auf die kurz werdende Landebahn. Dann kommt noch eine und noch eine, sie landen auf dem Solarpaneel, von dort fliegen sie in die Plicht und lassen sich neben uns nieder. Es kommen immer mehr Vögel. Vorwitzige möchten unter das Sprayhood, wir möchten das nicht. Sie lassen sich so mit der Hand aufnehmen und in die Luft entlassen. Einer ist dreimal wieder zurückgekommen und wieder in die Luft entlassen, bevor er sich zu einem anderen Platz bequemte. Aber die ganz vorwitzigen flogen durch den offenen Niedergang sogar in den Salon. Doch auch hier ließen sie sich widerstandslos aufnehmen und in die Luft entlassen. Kurzfristig hatten sich 30 – 35 Exemplare eingefunden. Viele machten sich nach rund einer Stunde wieder von Bord, doch einige blieben. Noch von dieser Begegnung belustigt, segeln wir in eine Delfinschule und es entsteht etwas Unruhe, so glauben wir an der bewegten Wasseroberfläche zu sehen. Und sie begleiten uns, kommen von achtern auf, tauchen unter der Equinoxe durch, tauchen auf und wieder ab, legen sich auf die Seite, so dass der weiße Bauch hell scheint, drehen sich und schießen vor dem Bug her. Bei einigen sieht es aus, als wenn sie sich gegenseitig anstoßen, um auseinander und wieder zusammenzugehen. Fasziniert verfolgen wir immer wieder ihre scheinbar kraftlose Schnelligkeit mit der sie uns umschwimmen. Nach etwa 15 Minuten verlassen sie uns. Welch schöne Begegnung. Am Abend, kurz vor der Hafenmole verlassen uns die zwei letzten verbliebenen Vögelchen und wir erreichen
Las Palmas de Gran Canaria.
Großstadt, Industriehafen und für uns der Sportboothafen. Besonders hier geschieht die Einreise nicht formlos und auch später wird kontrolliert.
Hier gibt es Grünanlagen, Parks mit Brunnen und Wasserspielen, längere Ebenen, die wir mit unseren Bordrädern erkunden können. Weißsandstrände. Die Anreise zu Berg- und Wandertouren kann mit Public-Bussen erfolgen. Der Hafen ist gesäumt von Schiffsausrüstern und in 3-4 Kilometern gibt es ein Industrieviertel, in dem kein Wunsch offen bleibt, so sagt man. Wir werden es testen und berichten.
Berthold + Christel a/b Equinoxe





Die große Fahrt der Equinoxe, die 7.
Von Madeira zu den Islas CanariasZuerst wieder einmal die Erinnerung an Madeira. Berthold bringt Christel zum Flughafen und hatte dann das Vergnügen, fast 4 Wochen Madeira zu erkunden. Und ich sage schon mal vorab, es wurde nicht langweilig. Zum einen tut sich im Hafen immer etwas. Ein Großteil der gen Süden ziehenden Segler läuft wenn nicht schon Porto Santo dann natürlich Madeira und damit auch die Marina Quinta do Lorde an. Nach 5 – 6 Tagen und Nächten segeln ist Verschnaufzeit angesagt. Und wieder werden schnell Kontakte zwischen allen Nationen geschlossen. Woher, mit welchem Wind und Wetter und wann wohin. Erfahrungen werden ausgetauscht. Auch Pantry- und Kombüsenerfahrungen sowie Frischhalte- und Kochrezepte werden preisgegeben. Die Dänen verstehen es, Fisch zu fangen und in vielen Variationen zuzubereiten. Sie geben gern Kostproben. Sie haben sogar einen kleinen Räucherofen an Bord. Diesen nutzen sie wegen der Brandgefahr allerdings nur im Hafen. Die Schweden haben die Zubereitung des portugiesischen Nationalgerichts, den Bakalhau, schon in mehreren Arten probiert. Ich meinerseits kann auftrumpfen, dass ich die madeirensiche Spezialität, den Gaiado Seco, schon gekocht, zerlegt und in Marinade eingelegt habe (wenn die wüssten, dass ich einen Kochtopf von einer Pfanne schlecht unterscheiden kann). Ein Holländer (Einhandsegler) kennt ein Gericht, ähnlich eines Eintopfes, welches er immer wieder mit unterschiedlichen Zutaten verlängert, es täglich andersartig schmeckt und er wenig zu spülen hat. Axel lädt eines Abends 5 Nationen an Bord zu einer Weinprobe. Als Mitbringsel ist lediglich ein Trinkglas gewünscht. Ein Sprachengewirr und viele Übersetzungen mit lustigen Geschichten würzen das Treffen. Dann trifft man sich beim Sundowner an Bord oder in der Bar oder auch zum abendlichen Internetten und Telefonieren. Hier kann ich mir auch schnell die Internet-Telefonie, dank Eva, die sich alles "von den Jungens" abguckt, einrichten. Preislich noch günstiger als das portugiesische Telefon.
Gemeinsame Spaziergänge in den nächsten Ort zum kleinen Einkauf oder für den großen Bedarf mit dem Auto nach Machico geben Einblicke in die Kauf- und Essensgewohnheiten unserer Nachbarn. Auch einige Einhandsegler treffen ein. Auch ich werde zur Zeit als solcher im Hafen angesehen. Schnell macht man sich aus. Dann sehe ich doch eines Tages die japanische Nationale am Heck einer Dehler 36. Spontaner Einfall: da hat der Skipper sich aber geirrt. Denn wer Einhand segelt, wählt neben der Nationale die Nr. 1 des Flaggenalphabets für das Achterstag, die zwar auch weiß mit rotem Punkt, aber vom Format abweichend ist. Am Abend in der Bar sehe ich einen Japaner (der Skipper hat sich nicht geirrt) und schon begrüße ich ihn und frage nach woher und wohin. Er zückt seinen Taschenkalender, der auch wie die deutschen Büchlein auf zwei Seiten eine Weltkarte zeigt. Und hier zeigt er mir sein woher und wohin. So geht es auch. Er geht davon aus, dass er in einem halben Jahr seine Weltumsegelung melden kann. Im übrigen ist er nach unseren früheren Definitionen wirklich Einhandsegler; er hat einen Arm verloren. Der Zustand seines Bootes ist mehr als erbärmlich. Später höre ich von einem finnischem Einhandsegler, dass er vor einiger Zeit bereits ebenfalls den Japaner getroffen hat. Die beiden haben dabei auch mit ihrem Lebensalter gestrunzt. Der Japaner meldete dabei stolz seine 72 Jahre. Dieses konnte der Finne aber toppen. Er ist 77. Er will zu den Kanaren und wenn er diese erreicht hat, hat er innerhalb von 3 Jahren einhand die Welt umsegelt. Dann will er weiter nach Venezuela und dort sein Boot verkaufen. Irgendwie bewundere ich diese Typen. Wir werden uns in den kommenden Häfen wieder treffen.
Levadas
Bei zahlreichen Wanderungen (ich geh wandern) entlang der Levadas oder auch Kraxelungen über die Berge erkunde ich den Ostteil der Insel.
Levadas sind 30 – 70 cm breite sowie 50 – 120 cm tiefe Wasserkanäle, die mit ganz geringem Gefälle Wasser aus den Bergen in die wasserarmen Gebiete transportieren. Sie sind bis zu 60 Kilometer lang. Neben diesen Kanälen ist ein 30 bis 50 cm breiter Pfad als Gehpfad für den Levandrier, der für Pflege und Unterhalt zuständig ist. Diese Pfade sind heute begehrte Wanderpfade. Sie führen durch Waldgelände aber auch entlang von Felsen in denen sie hineingehauen sind. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Mühen frühere Generationen auf sich genommen haben, um das Wasser zu verteilen. Viele Wandergruppen aus Deutschland, Holland, Frankreich usw. treffen sich hier in gebirgsmäßigem Outfit. Der Tourismus bietet selbstverständlich auch Führungen an.
Nun etwas von meinen Wanderungen. Zum Beispiel einen fast 5 stündigen abenteuerlichen Küstensteig. Beginnend mit einem problemlos begehbaren Levadaweg. Nach einer Passhöhe geht es auf einem in die fast senkrechte Kliffküste geschlagenen Weg weiter. Gähnende Abgründe von über 200 Metern tun sich auf. Nach einem Bergrutsch bietet ein nicht gesicherter, sehr abschüssiger Pfad eine prekäre Passage. Das Wanderbuch sagt: Wer unsicher ist, sollte hier lieber kehrt machen. Wenn es windet oder regnet sowieso kehrt machen. Ich habe Glück, es stürmt nicht und es regnet nicht und ich kann diesen Teil an der schroffen Nordküste entlang und sehe tief unter mir die Brandung. Welch ein Erlebnis. Erreiche Porto da Cruz und kann von dort per Bus mit 2-maligem Umsteigen den Hafen in der Abenddämmerung wieder erreichen.
Und dann noch eine über 3 stündige Besteigung des Pico do Facho und wieder hinab zum 10 Kilometer entfernten Machico. Den Weg zurück habe ich mit dem Bus gemeistert, denn ich war groggy.
Fest in Carniçal
Und dann ist da noch das Kirchenfest im Nachbarort. Viele sprechen von dem Fest am Wochenende. Dieses beginnt am Samstagnachmittag. Etwa 10 Fischerboote, vollgestopft mit Kirchgängern, fahren von Canical nach hier zur Marina Quinta de Lorde (wo ich bin). Hier ist ein Steg, an dem die Boote jedoch wegen des Wellengangs nicht festmachen können. Der Bootsführer fährt also so nah wie möglich an den Steg und die Passagiere springen dann ab. In ProzessionsFormation geht es zu einer Kapelle auf den Berg (Höhe rd. 150 m) hinauf, und dann wird die Nossa Senhora bzw. Mutter Maria aus der Kapelle geholt und das ganze geht zurück. Im Dorf wird die Maria zur kleinen Kirche gebracht. Anschließend ist eine große Fete. Dabei musste ich leider passen, hatte ich mir doch so etwas wie einen Hexenschuss zugezogen. Also nicht tanzfähig. Also ab ins Bett und ruhen. Und im Ort gibt es doch so gut zu essen. 10 - 12 kleine holzgezimmerte Stände zeigen ganze Rinderhälften, daneben ist schon ein Grill aufgebaut. Hälfte eines Ölfasses. Voll Holz gepackt und lodert. Ca. 1,50 m lange handgeschnittene Weidenruten stehen in Mengen bereit. Woher weiß ich das alles?
Eine Woche später wird die Maria von der kleinen Kirche in die große Kirche gebracht und dann findet wieder ein Fest statt. Und da bin ich gesundet und kann mitmachen. Ich bin bereits zu Mittag dort. Tue kund, dass ich so etwas mal probieren möchte. Der Chef schneidet ein Stück Rind ab, sein Gehilfe verarbeitet es zu kleinen handlichen Würfeln, ein weiterer Gehilfe nimmt die Würfel und steckt sie auf die Rute. Schaschlikmäßig. Einmal mit Salz und Gewürzen bestreut und dann kann ich die Rute auf den Grill halten und nach meinen Gutdünken garen. Es gibt lediglich an einem Stand einen Teller dazu, aber kein Besteck. Normal wird das Fleisch mit den Händen von der Rute gezogen und gegessen. Ein Brot dabei ist möglich. Wenn man dann so wie ich schon an 2 Bierständen halt gemacht hat, schmeckt das ganze noch besser. Ich finde dann noch eine kleine Bar und dort versacke ich ein wenig. Gehe später mit 2 Madeirensern (so heißen die Einheimischen) noch einmal an den Grill und dann wieder eine Reihe der Getränkestände entlang bis in die kleine Bar, wo deren Frauen zwischenzeitlich eingetroffen sind und sich „sehr“ erfreut zeigen, dass wir uns so gut verstehen. Nun versacke ich gänzlich. Es ist schon nach Mitternacht. Ich schleiche mich heim, bin zügig vorangekommen, aber für den normal üblichen Weg von einer Stunde habe ich doch zwei benötigt. Gut, dass ich am folgenden Tag erst nachmittags wieder antreten muss. Die Festivität, so höre ich am folgenden Tag, ging bis morgens um 6. Also Hunger und Durst muss ich nicht darben.
Alleinreisender
Nun muss ich noch mal eben erzählen, wie ich so alleine durchs Land reise. Ihr wisst natürlich, dass ich kein unangenehmer Zeitgenosse bin (oder???). Und siehe da. Am Nachmittag kehre ich auf eine Erfrischung ein und hoffe noch auf eine Kleinigkeit zu essen. Die wie häufig weibliche Bedienung ist schon lächelnd an meinem Tisch. Natürlich gibt es das Gericht noch, eine Riesenportion, zum günstigen Preis. Wenn Sie noch etwas mehr Gemüse möchten? Nein wir haben keinen Cappuccino, aber wir können so etwas ähnliches selbstverständlich machen. So etwas schafft einen zufriedenen Gast. Am übernächsten Tag steht für mich eine vermeintlich leichte Wanderung an. Sie beginnt auch so, wird dann aber zu einer mehrstündigen Bergkraxelei. Als ich wieder in eine bewohnte Gegend komme, kehre ich sofort auf ein Bier ein. Frau Wirtin zapft flott eins, schiebt ihren Mann (??) in die Küche, und füllt schnell ein kleines Tellerchen mit herrlich schmeckendem Thunfisch und stellt es zu meinem Bier. Schon hab ich den Fisch einverleibt. Ich signalisiere ihr: sehr schmackhaft. Sie freut sich und füllt schnell wieder auf. So geht das Ritual dann mehrmals. Dabei fällt mir ein Reim aus einem Gedicht über den Mann ein:
………
drum fütter ihn tüchtig, recht gut und gemach
und ist er schön satt, dann stopf noch was nach
befolgst du das nicht, dann ist es bald aus,
denn: wo man nichts rein steckt, da kommt auch nichts raus.
drum stopf in den Mann stets das Beste hinein
und tust du das nicht, er nimmt sich's allein
……
Am Abend suche ich eine kleine Hafenbar auf. Zu einem Bier stellt die Bedienung ein gut gefülltes Tellerchen mit Erdnüssen. Zum zweiten Bier gibt es ein Schüsselchen Gaiado Seco (die madeirensische Fischspezialität). Ich bemerke ihr gegenüber die gute Qualität der Zubereitung und ihr Erstaunen über mein Wissen quittiert sie mit einer weiteren, größeren Portion. Und so wird immer wieder nachgelegt. (fütter ihn tüchtig….). Eigentlich wollte ich an Bord zu Abend essen. Das hatte sich dann erledigt.
Christels Rückkehr
Aber dann endlich ist Christel zurück. Die Equinoxe ist innen und außen geputzt, gewienert und gewachst. Wir können sofort ins weitere Erkundungsprogramm einsteigen. Hatten wir doch schon die Königstour auf das Dach von Madeira gemacht, über den Wolken sind wir gewesen. 3 ½ Stunden hin, 4 Stunden zurück. Höhenunterschied: knapp 1.000 m im Anstieg, knapp 1.000 m im Abstieg. Da pfeift aber die Lunge und die Gelenke schmerzen am Ende auch.
Wir gingen noch einmal den abenteuerlichen Küstensteig an der NordOstküste entlang. Besuchten die östlichste Spitze der Insel und liefen noch einen Waldlevada um das gesamte Caniçal-Tal.
Und dann ist Christel im Wanderbuch fündig geworden.
Die ultimative Levadawanderung.
Es ist möglich, 2 Touren an einem Tag zu gehen.
Wir sind um 06:30 von Bord gestartet, 1 Stunde gelaufen, um im nächsten Ort, Caniçal, den Früh-Bus zu erreichen. 2 x ¾ Stunden weitere Busfahrten und schon konnten wir die Wanderung angehen. Ein Vorteil dieser Levadas ist, dass keine beachtenswerten Steigungen oder Gefälle gelaufen werden müssen. Also wir auf der Levada Nord. Der Fließrichtung entgegen. Nach 5 Stunden wird der Gehpfad immer schmaler, wir können schon mal 100 bis 200 Meter hinuntersehen, doch noch halten sich Buschwerk und sogar kleine Bäume am Rand. Dann erwartet uns ein fast 500 Meter langer Tunnel (wir haben Lampen dabei) und danach wird es langsam aber stetig immer enger und noch denke ich, es wird wohl bald das Ende kommen. Eine Stunde später nun sind wir fast unmerklich, doch jetzt für mich um so erschreckender, auf einem schmalen Pfad, fast am Felsen klebend und unter uns 300 m nichts. Senkrecht steile Felswand. Nach einer Biegung, die wir aber noch nicht einsehen können, sehen wir einen weiteren Tunnel, die Weiterführung unseres „Weges“ können wir aber noch nicht erkennen. Jetzt wird mir doch mulmig. Rechts von mir Felsen (senkrecht), 70 cm breite Levada, 40 cm „Gehweg“, links 300 m senkrechter Hang. Und nun registriere ich erst, wo ich mich befinde. Blockade setzt ein. Da kann ich nicht weiter. Zurück, mindestens 3 Stunden, ruft auch keine Heiterkeit hervor. Gaaanz laangsam und mit Bedacht Schuhe ausgezogen, Socken aus und ab in die Levada. Das Wasser ist kühl, aber ich muss nicht so am Abgrund gehen. Ich habe 40 cm Fußweg dazwischen. Christel geht hinter mir auf dem Pfad und meint, es wäre ganz gut zu gehen, weil es ja noch trocken ist. Weiter hinten wäre ein Wasserfall, da müssten wir aufpassen. Wir haben aufgepasst. Auch Christel wechselt später in die Levada, verlässt diese jedoch kurz darauf wieder und geht barfuß weiter. Mittlerweile stand ich bis zum Hintern im Wasser. Der Levadaboden war voller Steine und ein Weitergehen in ihm schmerzte bei jedem Schritt. Dann verschärfte sich die Lage noch, weil Gras, Kräuter und auch noch Dornengewächs meinen Weg versperrten. Also aus dem Wasser raus. Auf 40 cm Weg Socken und Schuhe angezogen. Den Rucksack auf. Akrobatisch in die Höhe gekommen und dann konzentriert auf jeden Schritt weiterbalanciert. Währenddessen hat sich auch Christel wieder beschuht. Meinem Vorschlag, dieses doch unter diesen Voraussetzungen besser im Sitzen zu tun, konnte sie nichts abgewinnen. Wir erreichten den Tunnel, leider voller Wasser, so dass wir im Entengang (haben wir ja im Sportunterricht gelernt) über einen 20 cm breiten Streifen gekrochen sind und ich noch oft mit dem Kopf angestoßen bin. Nach dem Tunnel erwartete uns weiter schroffer Felsen. Ich kann nicht sagen, ob es 500 oder 1000 Meter weiter ist, ein weiterer Tunnel. Dieser ist noch weniger tief als der vorherige. Noch mehr Anstoßen. Mich treibt nur noch die Aussicht auf Änderung und natürlich Besserung der Verhältnisse. Ungefähr in der Mitte des Tunnels, nach einer Biegung, erkennt Christel am Ende des Tunnels eine Sperrung. Da sie vor mir geht, kann ich dieses nicht erkennen, aber für mich steht schon fest: Nicht zurück, das halt ich nicht aus. Die Sperre entpuppt sich als ein Astgeflecht. Banges, doch hoffnungsvolles Erwarten. Wächst da etwas? Können wir uns (besonders ich) an irgendetwas festhalten? Unmittelbar am Tunnelausgang ist eine 1,50 m breite Felsfläche, auf der wir durchatmen. Aber noch 200 Meter ist Herzklopfen angesagt, dann wachsen zu unserer linken Seite einige knie- bis hüfthohe Sträucher. Noch immer ist der Fels steil, doch der Bewuchs vermittelt uns (mir) mehr Sicherheit. Da hat doch jemand auf einen großen Stein mit roter Farbe 2500m gemalt. Dann müsste es doch zu schaffen sein. Nur noch 2 ½ Kilometer. Der Weg wird langsam aber stetig besser begehbar. Später kann ich schon mal stehenbleiben und nach oben und nach unten sehen. Gewaltig, wo wir uns befinden. Mittlerweile geht es auf 18:00 h zu. Noch 2 Stunden und es ist dunkel. Dann müssen wir hier heraus sein. Wir gehen schneller. Mein rechter Fuß brennt und ich spüre schon Druckstellen. Wahrscheinlich Socken nicht sauber strammgezogen. Aber wie denn auch auf dem schmalen Grat. Ich will nur noch hinaus. Jetzt nicht mehr anhalten. Und laufe schneller. Christel weiß auch um die einbrechende Dunkelheit und legt auch zu. Kurz: Wir erreichen das Ende dieser Levada, eine große Wasserverteilungsstation. Aber dort kein Hinweis, wo wir uns befinden und erst recht nicht, wo es weiter geht. Drei Möglichkeiten. Einen weiteren Levadaweg, den wir aber nicht wollen, da zu lang. Ein Weg bergauf, den wir nach 100 m abbrechen, weil er nicht über die Bergkuppe mit einer erhofften Aussicht führt. Wir entscheiden uns für den Weg ins Tal. Nach vielen Windungen kommen wir in eine bewohnte Gegend. Auf unsere Fragen hin erfahren wir, dass ein Bus so spät nicht mehr fährt, aber noch einige Kilometer, da ist dann ein Ort und dort ist es möglich, ein Taxi zu bestellen. Schnell weiter. Nur nicht anhalten. Mein Fuß schmerzt. Und glücklich treffen wir auf einen auf seine Nachtschicht wartenden Tunnelarbeiter. Er kommt aus Venezuela, nach 3 Jahren Arbeit in England hat er sich für Madeira entschieden und in seinem Handy hat er eine Telefonnummer für ein Taxi gespeichert. Mit Taxi und Bus und wiederum Taxi erreichen wir nach 22:00 h den Hafen. Duschen und ein Lager Bier. Dann schlafen. Die Wanderblase kann am folgenden Tag verarztet werden. Nun ist es genug des Wanderns.
Abschied von Madeira
Liebgewordene Bekanntschaften verlassen den Hafen, um weiter südlich zu segeln oder sich für den reservierten Liegeplatz auf den Kanaren zur ARC, der Segelrallye nach Barbados einzufinden. Auch uns lockt wieder das Wasser. Am Montagmorgen klarieren wir aus, sind aber am Nachmittag schon wieder bei der lieben Cátia zurück und klarieren ein. Der am Tag zuvor versprochene Wind bleibt aus. Doch am Dienstag bei schwacher Brise setzen wir Groß und Genua 1 und eine schwache Brise führt uns hinaus zu den Islas Desertas. Am Abend lässt der Wind wieder nach, lange können wir uns von den Lichtern von Madeira verabschieden, sehen noch ein Flugzeug starten sowie eins landen. Und können erst am folgenden Morgen den Südzipfel der Desertas querab sehen. Doch dann frischt es auf. Die Equinoxe läuft unter der Windfahnensteuerung butterweich ihren Kurs. Trotz regelmäßiger Ausschau sehen wir 2 Tage kein Schiff. Am Freitagmorgen, noch in tiefster Dunkelheit, sieht Christel Lichter auf uns zukommen. Wir sind noch ganz entspannt, doch sehr schnell sieht Christel, dass sich unsere Kurse kreuzen. Und dann geht es ganz schnell. Klar zur Wende oder? Ich sehe Rot und Grün. Also dann Motor an und mit zusätzlichen 2 Knoten sind wir schnell vorbei. Also ohne Ausschau geht es nicht. Ein schon zum Kauf angedachter Radarwarner erhält hier seine Bestätigung. Der Wind legt noch weiter zu, er kommt achterlicher als raum und da hat Christel etwas Probleme, denn das Boot beginnt nun zu Geigen, doch sonst ist sie guter Dinge. In der Dämmerung sehen wir Land und zu Mittag fahren wir nach wundervollen 3 Segeltagen und –Nächten und 285 Meilen in den kleinen Hafen
Caleta del Sebo aufder Insel La Graciosa.
Die Insel befindet sich nordwestlich von Lanzarote. Hier wollen wir unsere kanarische Inselerkundung beginnen. Hier können wir einklarieren und der Hafenmeister freut sich, auch den letzten freien Liegeplatz nun belegt zu haben. Wasser und Elektrizität ist am Steg trotz aller vorhandenen Anschlüsse nicht zu bekommen. Dafür ist die Hafengebühr ausgesprochen günstig. Gut, dass wir energiemäßig autark sind.
Wie sagt Christel so schön: wieder einmal ein Hafen der Verlorenen. Diese Aussage bezieht sich nach dem ersten Eindruck auf eine Anzahl der am Steg liegenden Boote sowie deren Skipper, denen beiden eine längere Reise sofort anzusehen ist. Die Boote machen nicht den verwahrlosten Ausdruck so manchen Skippers, nein sie sind vollbeladen mit zusätzlichen Diesel- und Wasserkanistern in unterschiedlichen Farben. Derweil verlässt die Farbe von Stahl und der Glanz vom Gelcoat den Rumpf. Zusätzliche Sonnen- und Regenplanen sollen die unterwegs sicher günstig erstandenen Hölzer und Farbtöpfe, Aluminiumstangen und sonstigen Errungenschaften verdecken. Am kräftigen Algen- bis hin zum Muschelbewuchs in Höhe des Wasserpasses sind die Liegezeiten zu interpretieren. Die Dinghis zeigen auch, dass sie in vielen Jahren treue Zubringerdienste verrichtet haben. Die Dinghi-Motoren können anhand der Farbübermalungen zugeordnet werden. Eine Fahrt an Land bedeutet immer die Rückkehr mit einigen 5-Liter Behältern Wasser, denen sehr starke Gebrauchsspuren anzusehen sind.
Von der Equinoxe aus sind in dem Hafenrund neben einem Bootskran, einiger Fischerboote, drei Fähren, das Hafenmeisterbüro, 3 Bars und Restaurants etwa 30 kleine weiße Häuschen zu sehen, ansonsten nur einiges vertrocknetes Strauchwerk und dann nur noch Sand und Stein. Während unseres Landgangs stellen wir fest, dass es schon 3 – 4 Häuserreihen mit rund 40 Straßen, einigen Plätzen und sogar einen Fußballplatz gibt. Leider gibt es (noch) keine asphaltierte Straße, weicher Sand bis an die Haustüren. Lediglich im Fährhafen und auf der Mole zeichnen sich einige Pflasterarbeiten ab. Daneben gibt es eine Kirche, Post, Apotheke und 3 Supermärkte. 2 davon haben auch am Sonntagabend um 1900 h noch geöffnet. Der Hafenmeister hat am Samstag und Sonntag dienstfrei, aber ab Montag sei er wieder zu unregelmäßigen Zeiten im Büro, versichert er uns.
Der Wind pfeift mittlerweile durch den Hafen und lässt die Flaggen senkrecht stehen. Wir freuen uns, hier gut angebunden zu sein.





Von Lissabon zur Algarve, nach Andalusien,
Gibraltar und Marokko

Zuerst einmal die Gedanken zurück nach Lissabon, in den Yachthafen von Cascais. Viele Segler bevorzugen diesen Hafen für den Aufenthalt in Lissabon, bietet er doch neben dem gesamten Hafenequipment wie unzählige Bars und Restaurants auch alles für den Bootsunterhalt und daneben in Reichweite den wunderhübschen Ort mit allen Versorgungsmöglichkeiten. Es ist Oktober 2006. Christel hat sich für 14 Tage nach Essen gemacht und ich kann Lissabon und Umgebung kennen lernen. Aber erst erfahre ich den Schutz des Hafens. Es beginnt nach Christels Abreise noch am gleichen Abend mit ein paar Blitzen und Donnern sowie kleineren Windböen, was im Laufe der Nacht sich zu einem über mehrere Stunden hinziehendem handfesten Gewitter mit Sturmböen entwickelt. Mit der Equinoxe am Ende des Stegs gelegen höre ich trotz des brausenden und lärmenden Windes die Wellen gegen die Mole anstürmen. Brecher über Brecher. Bei Tageslicht sehe ich dann, die Wellenhöhe ist inzwischen dermaßen gestiegen, dass in regelmäßigen Abständen die Gischt über die doch so hohe Mole getragen wird. Die Boote werden in Salz gelegt, gepökelt, wie die Nachbarlieger sagen. Die Feuchtigkeit zieht in die Equinoxe. Alles fühlt sich klamm an. Zwischen den Brechern und den Regenfällen reicht die Zeit nicht für eine ausgiebige Lüftung. Die Luken müssen dicht bleiben. Selbst die Norweger finden es nun nicht mehr erfrischend. Mittlerweile herrscht auch noch Schwell im Hafen und die Boote ziehen und rucken an den Festmachern. Bei einem Nachbarboot platzen 3 von 5 Fendern. Neben mir liegt eine Jeaneau 29. Der einheimische Eigner kommt noch einige Male zur Kontrolle und mit dem Gedanken etwas zu verändern, denn nicht nur er hat Sorge, dass das Boot bei der nächsten Welle auf den Steg springt. Auch ich habe alle Festmacher doppelt, nämlich einmal normal wie immer und ein zweites Mal mit Ruckstoppern dazu gelegt. Hier wird wieder deutlich, dass zwischen Portugal und Amerika nur eines liegt: tiefes Wasser. Obwohl sich der Sturm abschwächt, dauert es noch 2 Tiden, bevor die Wellenhöhe geringer wird. Bevor ich nach inzwischen 3 Tagen zur Bootsreinigung ansetzen kann, sorgt erfreulicherweise die Natur mit frischem Wind und ergiebigem Regenguss für ein salzfreies Umfeld. Aber damit ist noch nicht Ruhe angesagt; der Wettercircus mit Wind und Wellen wiederholt sich noch einmal. Zwar spüle ich das Salz wieder ab, aber in der Equinoxe fühlt sich alles sehr klamm an. So kann ich Christel immer nur von schlechtem Wetter berichten, während sie das Wetter in Deutschland für gut und warm erklärt. Unter diesen Unständen kann ich selbstverständlich Lissabon nicht so ausgiebig genießen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Einen Tag vor Christels Rückkehr ist wieder Sonnenschein und leichte Brise angesagt. Ich kann gar nicht schnell genug und ausgiebig lüften, waschen, trocknen usw. So hilft mir Christel dabei. Einige Male fahren wir nach Lissabon und wandern durch die Altstadt Bairro Alto, die nach dem großen Brand wiedererbaute Baixa, die Parks, das Castell mit der Alfama bei Nacht, besuchen Museen und Kirchen, das Hieronymitenkloster und bewundern das beeindruckende Pflastermosaik vor dem Denkmal der Entdeckungen in Belém und dann endlich weht der Wind aus West. Leinen los. Über die breite Einfahrt des Tejo hinweg (mehr als 5 Meilen) um das Cabo Espichel und nach
Sesimbra,
wo wir in den neu erbauten, vom Fischerhafen abgetrennten Yachthafen einen Liegeplatz zugewiesen bekommen. Imposantes Clubgebäude. 24 Stunden Service. Und wieder profitieren wir von den Segnungen der EU. Wo wir bislang Hafenmeister, Havenmeester, Harbormaster, Capitainerie aufgesucht haben, begeben wir uns heute zur Recepção und werden von netten mehrsprachigen jungen Damen empfangen, die mit gewohnheitsgemäßer Leichtigkeit, die Schiffspapiere, Personaldokumente aller Crewmitglieder sowie Versicherungsbestätigungen kopieren und die benötigten Daten anschließend auf Festplatte speichern. Wege zur Polícia und zur Guardia sind hier nicht mehr notwendig. Warum eigentlich auf der nördlichen Atlantikseite? Sind wir hier nicht näher an Afrika? Ach übrigens, segeln wir vielleicht doch einmal nach Afrika?. Es reizt schon.
Doch erst einmal ist noch ein längerer Schlag angesagt. Die Westküste Portugals ist mit Häfen nicht so reich gesegnet, so dass es für einen Segler bedeutet, das Wetter für einige Tage im voraus zu beobachten, damit eine problemlose Reise gewährleistet ist. Und spätestens jetzt darf ich doch mal etwas zur Atlantik-Segelei sagen. Schon in der Biscaya ist nicht nur die Windrichtung sondern auch die Wellenrichtung zu beachten. Und dabei sind nicht nur Windstärke und Windrichtung zu beachten. Wellenrichtung und Wellenhöhe sind mit gleicher Aufmerksamkeit in die Routenplanung einzubeziehen. Im übrigen gibt auch Navtex in der Wettervorhersage die Wellenrichtung und Wellenhöhe an. Zum Beispiel sprang ich auf die Vorhersage von 4 – 5 Bft aus NordWest sofort an, vergaß es aber schnell wieder, weil die Welle (aus vorhergehendem Starkwind) mit 3 – 4 Metern aus Süd-West angesagt war. Oder: Wind 3 Bft aus West, Welle 3 Meter aus SüdOst. Für die Wetterstationen bedeutet diese Konstellation eine Warnmeldung auf dem Navtex. Gut dass wir ein entsprechend notwendiges Zeitpolster haben und so die Warnungen beherzigen können. Bei 1 ½ bis 2 Meter Welle ist schon schaukeln angesagt, es ist von uns jedoch gut zu händeln. Lediglich 1 x sind wir in den Hafen zurück gefahren. Bei 2 Meter und mehr muss schon die Richtung stimmen, um die Sache anzugehen.
Früh im Morgengrauen verlassen wir den Hafen und sind spät abends in
Sines
wo wir in einer kleinen aber feinen Hafenanlage festmachen. Gut geschützt und getrennt vom nördlich gelegenen Fischerhafen und südlichen Ölhafen. Ein kleiner urtümlicher Ort mit vielen schmalen Gassen, kleinen Geschäften (Tante Emma Läden) und Restaurants, die sich der ausländischen Gäste erfreuen und einen herzlichen Service bieten. Hier hat der Tourismus noch keinen Fuß gefasst. Vom menschenleeren Strand, weit von uns entfernt, lief ein schwarz/gelb gezeichneter und kniehoher herrenloser Hund ganz ungestüm auf uns zu, begrüßte uns, wo wir doch ob seiner vermuteten Wildheit zuerst ein mulmiges Gefühl bis Angst spürten. Er freute sich offensichtlich, uns getroffen zu haben und wich nicht mehr von uns. Wie wohlerzogen ging er neben oder vor uns. So wir einen Laden aufsuchten, legte er sich vor die Tür und wartete auf uns. Mehrere Male versuchten wir ihn in dem Gassengewirr zu überlisten und seitlich zu verschwinden. Es war uns nicht möglich. Hier kannte er sich aus. Erst weit außerhalb des Ortes spürte er unser (vorgespieltes) Desinteresse und abwartend hielt er sich zurück. Während der Erörterung "Mitnehmen oder Nicht Mitnehmen) erhielt er schon seinen Namen: Sines. Wir folgten mit großem Umweg unserem Weg zurück zum Hafen. Zwei Tage später läuft uns Sines wieder über den Weg. Er freut sich so sehr, dass er Christel hoch anspringt, nicht gefährlich, doch für sie schreckhaft genug. Was nun. Wir müssen hart bleiben. Nach dem dritten Ladenbesuch, bei dem wir einen Nebenein- bzw. -ausgang nehmen können, setzen wir uns ab. Auch an Bord angekommen, glauben wir uns nicht ganz von ihm gelöst. Das Wetter spielt wieder gut mit. Wir könnten, ganz früh gestartet, in einem Rutsch Cabo de Sao Vicente (die südwestliche Spitze Portugals) erreichen, gen Osten fahren und Lagos erreichen. Schon vor Mitternacht gehen die Leinen los. Am nächsten Abend machen wir in
Lagos
fest. Wir haben die Algarve erreicht. Hier zeigen sich uns die üblichen Bilder der Steilküsten mit den ausgewaschenen Felsen. Ganz nahe fahren wir an ihnen vorüber. Einige Touristenboote, natürlich mit weniger Tiefgang, können noch näher heran und fahren sogar zwischen ihnen hindurch. Irgendwie sind wir schon stolz, es bis hier geschafft zu haben. Im Hafen ist geselliges Treiben, rundum Palmen, Cafés, Shops, Bars mit Happy Houres wo sich die Crew zum Gedankenaustausch oder auch nur zum Löschen einfindet. Südländisches Flair. Karibisch angehaucht. Und wieder kommt der Gedanke: Wird es noch toller? Fahren wir noch weiter? Eine Compromis 999 ist schon da. Die Eigner haben seit 4 Jahren schon die Ostroute nach Gibraltar gesegelt, Madeira angelaufen und festgestellt, dass es in Lagos zu leben lohnt. Wat nu? Natürlich weiter.
Portimão
liegt nicht weit entfernt. Drei Tage Aufenthalt gönnen wir uns hier. Zwei extra, weil Christel von der berühmten Rolle ist. Es quälen sie Magen- und Darmgeschichten. Da heißt es an Bord zu bleiben. Noch 2 Häfen bis Faro, wo ein internationaler Flughafen ist. Der erste östlich gelegene Hafen ist neu erbaut. In unseren Seekarten und selbst in unserem doch so neuen Plotter ist
Albufeira
nicht genannt. Die Einfahrt etwas klein, aber dann……..huch….. wie schön geschützt. Ein in den mehr als haushohen Fels (vermutlich) gesprengter Einlass gewährt uns nach rund 200 m die Aussicht auf den Hafen. Nach Passage eines Kanals ist steuerbords der Anleger für die Anmeldung. 4 helfende Hände nehmen Leinen an. Viele bunte Häuser (wir nennen es Legoland) begrüßen uns. Es handelt sich um Appartements, die rund um den Hafen gebaut sind. Diese Farbenvielfalt von türkis, bleu, gelb, rosa, pink, und vielleicht noch andere? haben wir so noch nicht so gesehen. Gewöhnungbedürftig für unsere Fassadenfarbvorstellungen vermittelt es doch eine fantastische Urlaubsstimmung. Und der Hafen gefällt uns. 2 Germans begrüßen uns schon mit MoinMoin und wollt Ihr auch hier bleiben? Der nächste Hafen östlich ist
Vilamoura
Wer hat Vilamoura noch nicht gehört?. Das Mekka des Tourismus an der Algarve. Auch hier stimmt für den Segler alles. Der Service ist rund. Alles perfekt. Rund um den Hafen gruppieren sich Restaurants, Bars, Läden vollgestopft mit Killefit, Souvenirs, Kleidung, Outfit für Segel und Golf. Empfehlenswert ist für eine abendliche Einkehr O'Neills. Irische Getränke und Musik live, freundliche Atmosphäre. Viele Iren kehren hier ein. Laden auch nichtirische Gäste gern zu Drink und Tanz ein.
Für unsere Überwinterung bevorzugen wir Albufeira. So gut geschützt. Selbst als bei Starkwind die Wellen über die Hafenmole schlagen, ist es am Steg noch ruhig. Ja, ab und an rucken die Leinen, doch mäßig. Ein noch kräftigerer West überzeugt uns vollends. Die Equinoxe wird einige Zeit hier am Steg E Nr. 18 bleiben.
Zwischentörn im Februar 2007
Berthold und André stehlen sich mal schnell davon und segeln bei milden Temperaturen und mittleren und sogar 1 x starken Winden entlang der Algarve. In Essen schneit es derweil und Christel kann Schneeschippen melden. Eine kleine Überraschung: Piet und Marianne van der Kooij, liebe Freunde nicht nur vom Compromis-Club, sondern auch vom holländischen Heimathafen Dintelmond, laufen uns in Lagos über den Weg. Ich vermag nicht zu sagen, wer erstaunter von uns war. Sie haben 3 Wochen Appartement mit Auto, wir mit Equinoxe. Das ergänzt sich. Schon laden sie uns für den nächsten Tag ein zu einer Autofahrt zum Cabo Sao Vicente und dem östlich davon gelegenen Hafen Sagres. Am Kap können wir die Seefahrtschule von Heinrich dem Seefahrer besuchen, wissen jedoch die unregelmäßigen Gradeinteilungen der über 30 m Durchmesser, mit Steinen auf dem Boden dargestellten Kompassrose nicht zu deuten. Bei jeder Namensnennung, ob nun Heinrich der Seefahrer, Henrique o Navegador, Prince Henry the navigator, müssen wir schmunzeln: haben wir doch einen Navigator Heinrich in unserer Familie. Im Übrigen, dessen navigatorischen Fähigkeiten sind ebenfalls exzellent; er kann auch mit Jahrtafeln, 249er-Karten und seinem geliebten Sextanten den Standort bestimmen.
Zurück an Bord will ich den Motor starten. Leider. Kein Mucks. Ursache ist mit zwei bootserfahrenen Mechanikern an Bord schnell ergründet. Anlasser defekt. Kein schlechtes Staunen, habe ich doch einen Ersatzanlasser an Bord. Allein er liegt ganz tief unten im Vorschiff unter vielen nicht so häufig benötigtem Zubehör. Endlich hervorgeholt, kann André ihn schnell tauschen. Der Motor schnauft wieder. Am folgenden Tag segeln wir zu viert entlang der Küste. Unsere holländischen Freunde können dank ihrer langjährig erworbenen Ortskenntnisse die einzelnen Küstenformationen und Ortschaften erklären. Berthold und André besuchen noch einige Häfen, können bei Starkwind die Einfahrt in Vilamoura üben und erreichen wieder Albufeira. Segel abgeschlagen, klar Schiff und schon geht es mit Low-Cost-Transfer nach Faro und mit dem Flieger nach Hause.
Doch im März sind Christel und ich wieder in Albufeira. Der besonders in Nordrhein-Westfalen wütende Sturm hat auch uns, bzw. unsere Tannen bedacht. Hat er sich doch einige der sehr hoch gewachsenen (20 – 25 m) ausgesucht und konnten sie sich noch auf die nebenstehenden stützen, so haben wir dann doch tabula rasa gemacht und alle fällen lassen. Nach 14 Tagen Räumen, Schieben, Sägen, Schneiden, Mulch verteilen, Anpflanzen neuer Sträuche und Bäume können wir aufatmen. Die Kinder sind gebeten, bei Bedarf zu wässern und die Natur muss sich nun weiter helfen.
Start in 2007 und zuerst die kleinen Reparaturen.
Wir haben gebucht Nonstop Düsseldorf - Faro. Trotz der an den dem Abflug vorangegangenen Abenden stattfindenden Abschiedsfeiern, lecker Essen und einiger gelupfter Biere der bevorzugten Sorte sind wir tatsächlich schon um 04:00 Uhr wach. Um 04:30 Uhr wollen wir das Haus verlassen, rechtzeitig am Flughafen einklarieren und dann…. na ja, es wird einige Minuten später (André, der uns fährt, behält die Ruhe) heißt es schon: Wir werden nun starten. In Faro müssen wir noch eben das Fehlen unseres Pocket-PC anmelden. Meine Tasche war lediglich zu ¾ gefüllt und ich wollte sie mal nicht als Handgepäck mitnehmen. Ich habe nicht geglaubt, dass auf einem innereuropäischem Flug nonstop von A nach B etwas aus einer aufgegebenen Tasche verschwindet. Ein Mitreisender meldet ein aufgebrochenes Schloss an seinem Koffer und das Fehlen seiner Kamera. Ich höre von einer Reisebegleiterin, dass es Ähnliches in Mallorca auch mal gegeben hat. Also künftig Handgepäckmöglichkeit voll ausnutzen.
Der wieder von der Marina organisierte Low Cost Tranfer vom Airport zum Hafen ist zur Stelle und bringt uns schnell zur Equinoxe. Noch am gleichen Tag fahren wir mit unseren Fahrrädern und aufgehängten Satteltaschen zum Einkauf zum Modelo-Einkaufscenter. Hier können wir unser portugiesisches Telefon wieder aktivieren und im Supermarkt die Erstausstattung an Nahrungsmitteln besorgen. Schwerbepackt erreichen wir die Equinoxe, bunkern und stauen alles und dann ist Schlaf nachzuholen, fit machen für die kleinen Reparaturen. Nicht vorgesehen war, dass als erstes die Toilette nicht so wollte wie immer. Check, Dichtungswechsel und sie schmiert wieder. Ein zusätzliches Luk (Gebo-Fenster) haben wir als weitere Lüftungsmöglichkeit zwischen WC und Plicht eingebaut. Danach einen Kühlschranklüfter. Unser Kühlschrank-Kompressor läuft im Sommer bei hohen Temperaturen nicht nur zur Höchstform auf sondern bringt zugleich 50 % der Pantryschränke auf ungeahnte Temperaturen. Damit diese also den Schrank verlassen können, haben wir zwei Lüfter (ähnlich wie PC-Lüfter) und dazu einen niedlichen kleinen Schalter mit Automatik- und Manuellbetrieb eingebaut. Mehrere Stunden fröhlicher Arbeit. Und dann funktioniert die Chose nicht. Nach mehreren Prüfungen, Änderungen und Tests und ebensoviel Stunden stellen wir fest, dass ein Kabel in einer bereits vorbereiteten Verbindung nur unzureichend angeschraubt ist. Jetzt erlebt der Kompressor Kühlung. Nähmaschine (extrastarke für Segel und Bimini) raus und eine Schutzpersenning für die Wasserschlauchbox genäht, dazu noch schnell eine Badetasche. Christel steckt derweil die Mückengardine ab. Ein Teil schöner als das andere. Alisuper (Lebensmittelmarkt in der Nähe) liefert Obst und Gemüse. Noch einmal nach Modelo, ein Kästchen Nähnadeln fehlte uns. Mit wenigen Kleinigkeiten für 75,03 Euro verlassen wir den Supermarkt, kommen aber noch bei Lidl (gibt es hier auch, auch die wöchentlichen Sonderangebot) rechtzeitig vorbei und in Bertholds Satteltaschen ist doch tatsächlich noch Platz für 73 Dosen Bier á 0,25 Euro. Es waren ursprünglich 72, aber auch nach mehrmaligem Rechnen und befragen einer Kollegin konnte die Kassiererin nicht den korrekten Preis ermitteln. Sie wusste sich nur zu helfen, indem sie in den Laden ging und für uns eine Dose drauflegte.
In der Zwischenzeit hatten wir immer mal wieder im Hafenbüro gefragt, ob es möglich ist, für 2 Tage einen Platz auf Land zu bekommen. Wir möchten der Equinoxe noch gern einen neuen Unterwasseranstrich, sprich Antifouling, gegen Algenbewuchs geben. Grundsätzliche Zusage, jedoch für den Kran ist die Marinadame zuständig, den Platz vergibt der technische Dienst, den Bock, das Gestell für die Standfestigkeit des Bootes gibt Michel von der englischen Firma SuperCool. Als ich dann schon zwei überein hatte, geben am Freitag vor der Osterwoche die netten Damen vom Hafenbüro grünes Licht. Die Equinoxe kann um 15:00 Uhr aus dem Wasser; der Kran steht bereit. Bitte pünktlich zum Kran fahren. Und so machen wir es. Der Kranmeister gibt Signal, dass die Gurte schon gut sitzen und er kann anziehen. Doch dann haben wir, Berthold, Christel und auch der Kranmeister einen großen Schrecken zu verdauen. Der Kran hatte die Equinoxe schon rd. 5 m über Land gefahren, da gab es plötzlich ein Schaukeln und Wippen, der vordere Gurt hielt die Stellung nicht mehr und rutschte stückweise in 10 cm –Schritten nach vorne. Wir hatten schon Crash und Equinoxe am Boden eingedetscht gesehen. Doch dann plötzlich fasste der Gurt wieder. Inzwischen waren alle Knöpfe auf Null gestellt und sogar der Motor des Krans ausgestellt. Keine Vibration sollte weiteres Unheil bewirken. Den Servicechef hinzugeholt und der rät nach Prüfung dem Kranchef: im Zeitlupentempo (gut, dass so ein Kran das kann) bewegen und so ging es ohne weitere Vorkommnisse in 25 Minuten bis zum Standplatz. Equinoxe mit Hochdruck gereinigt. Am nächsten Tag Unterwasserschiff mit Antifouling neu gerollt. Rumpf mit flüssiger Chemie und Kalkstein gereinigt, gewachst, poliert und anschließend mit einer neuen Schutzemulsion (Nano) versehen. Sie glänzt fast wie neu. Noch eben den gereinigten Propeller an den Saildrive bringen und schon können wir wieder ins Wasser. Leider nein. An dem Konus unseres 3-flügeligen Klapppropellers hat sich ein kleiner Kunststoffring aufgelöst und leider ist nach Auskunft zweier Motorenwerkstätten hier in Portugal keine Reparatur möglich. M.E. eine sogenannte Sollbruchstelle. Käse so etwas.
Noch ist ein englischer Betrieb zuversichtlich für eine Lösung, Reparatur des alten oder einen neuen Propeller kurzfristig liefern zu können. Am folgenden Tag zerschlagen sich die Träume der Kurzfristigkeit. Schon zum Frühstück teilt er mit, dass er keine Aussichten sieht, einen Propeller für einen Yanmar kurzfristig besorgen zu können. Im übrigen sei es sehr schlecht, in Portugal Ersatzteile für Yanmar und dann noch kurzfristig zu bekommen.
Gibt es da nicht den 24 Stunden Service? Europaweit?
Schmidtmotoren in Willich. Die Lösung. Ja klar, wir bestellen sofort. Und dann senden sie einen neuen Propeller nach Portugal. Geht am Donnerstag bestimmt raus. Wird aber erst wohl nach Ostern hier eintreffen. Leben also weiter auf Land. Gut, dass das Wetter einigermaßen mitspielt.
Quinta ist Mittwoch. Natürlich sind wir schon ungeduldig. Frau Schmidt teilt auf Anfrage mit, dass es so sicher nicht ist, dass der Prop am Donnerstag eintrifft, denn der wird aus Holland geliefert und die Firma liefert nicht unmittelbar an Endkunden. Und dann die Osterfeiertage. Und sie selbst seien auch zu ihrem Schiff. Also versprechen kann sie es nicht. Bruder Berni eingeschaltet. Wie gut, dass es verständige Familienmitglieder gibt. Kannst Du das Teil bei Frau Schmidt abholen und auf den Weg bringen, bevor sie in Urlaub fährt? Geht klar. Danke. Ob der Prop wirklich bei Frau Schmidt eintrifft? Und wenn nicht? OK, weiterdisponieren. 24 Stunden-Service aus Holland. Europrop. Geht, kein Problem. Morgen geht das Teil auf die Reise. Wie möchten Sie es gerne? Normal, Schnell, Express. Wir erkundigen uns schon nach den Kosten und rufen zurück. Goede frijdag? Geen problem. Wij sturen ok, anders beslist zaterdags. Und bezahlen, er hat doch nur unsere Adresse. Geen problem. Aber auch kein Rückruf.
Cinco ist Donnerstag. Europrop stellt plötzlich Unsicherheiten bezüglich einer Lieferung fest. Und übrigens geht es doch nicht ohne Vorkasse und übrigens seien jetzt ja die Feiertage und da läuft es doch nicht so. Also wenn nicht am Donnerstag, dann doch frühestens am Dienstag oder Mittwoch nach Ostern. Pfeifen. Am Nachmittag teilt Berni mit, dass er den Prop auf den Weg gebracht hat und er den Versand verfolgen wird. Schon abends ist das Teil in Belgien, teilt er uns mit und hält uns auch die Folgezeit über die Lieferung auf dem Laufenden.
A Sexta-feira Santa ist Karfreitag. Wir leben auf Land. Nach dem Frühstück wird die Sprayhood und die Kuchenbude abgebaut. Wir hatten festgestellt, dass einige Nähte gebrochen waren und einige hatten sich sogar aufgelöst. Die Nähmaschine wird im Salon aufgebaut und nach einigen Tests hinsichtlich der Fadenstärke, der Ober- und Unterfadenspannung bezüglich der Stoffstärke sind nach 3 Stunden alle Reparaturen ausgeführt.
Sabado santo ist Ostersamstag und A Páscoa ist Ostern. Am Ostermontag sehen wir überall geschäftiges Treiben und auf vielen Baustellen wird gearbeitet. Unser Prop liegt derweil noch in Belgien. Am Dienstag ist er in Lissabon. Am Mittwochabend wird er in die Marina geliefert. Leider rufen die Damen der Reception nicht mehr an, so dass wir erst am Donnerstag morgen schrauben können. Schon eine Stunde später wird die Equinoxe zu Wasser gelassen. Probe gefahren und festgestellt: Zum Start und Bremsen ist für einen 2-flügeligen Prop eine höhere Drehzahl notwendig, für Marschfahrt ist mit gleicher Drehzahl eine gleiche Geschwindigkeit zu erreichen. Freitag, es ist mittlerweile der 13.04. wird auch unser Bimini (Sonnenschutz, der für uns zwingend notwendig ist) in Angriff genommen. Es wird gemessen, geschnitten, genäht, geöst, Leinen eingezogen und nun haben wir ein Topteil. Haben schon neidische Blicke erfahren. Nun müssen wir aber auch noch einen Busausflug nach Loulé unternehmen, einem alten portugiesischem Kreisstädtchen an dem scheinbar die Zeit vorbeigegangen ist. Es bietet sich an, dieses zu einem Markttag zu machen, denn hier bieten die ländlichen Bewohner ihre Produkte an. Honig, Datteln, Feigen, Aprikosen, verschiedene Nusssorten und die beliebten, nicht so ansehnlichen aber am schmackhaftesten Fleischtomaten wandern in unsere Taschen. Mittlerweile ist es Mitte April geworden und wir glauben, uns die nächsten Monate reparaturfrei weiter gen Osten bewegen zu können. Es ist kein trauriger Abschied aus Albufeira, denn im Hinterkopf halten wir diesen Hafen fest für eine in der Algarve mögliche Erholungsphase. Der nächste Hafen ist nur rund 10 Meilen entfernt und heißt
Vilamoura.
Eine Urlaubsstadt aus dem Reißbrett. Neben der alten Fischerstadt Quateira (der alte Fischerhafen ist heute Yachthafen par excellance mit vorzüglicher Hafenpromenade) entstanden Hotels und Restaurants und im Zuge der sportlichen Betätigung der Urlauber entstanden mittlerweile 3 Golfplätze incl. Wohnanlagen. An den Hafenstegen sind auch einige kleinere Boote festgemacht, aber hauptsächlich werden dort Yachten im Wert von großzügigem Haus oder Villa vom fröhlichen Reinigungspersonal mit sehr hohem Wasserverbrauch gepflegt. Am Abend schieben sich die Urlaubergruppen entlang der Promenade und das Personal der nicht gefüllten Bars und Restaurants buhlen um ihre Gäste. Bis spät in die Nacht berieseln die Musikanlagen den Hafen mit einer nicht erfreulichen Geräuschkulisse. Die Preise sind im gehobeneren Bereich angesiedelt. Für 2 weitere Golfplätze haben sich gerade Investoren gefunden; die Bauausführungen sind kurzfristig geplant. Quateira mit nach Osten von uns auch barfuß erlaufendem kilometerlangen Strand erhielt einen neuen Hafen, der jedoch ausschließlich den Fischern vorbehalten ist. Wir machen uns weiter nach Osten. Richtung
Faro und Olhão
wo wir uns den neu entstandenen Hafen Olhão ansehen wollen. Wir haben gerade am Eingang festgemacht, bedeutet uns der Hafenmeister jedoch, dass der Hafen besetzt ist. Obgleich wir ihm viele freie Plätze zeigen, sieht er lediglich die Möglichkeit für uns, für eine Nacht dort am Steg zu bleiben. Dazu können wir uns in einem entfernterem Kapitänsgebäude die Genehmigung holen. Wir holen jedoch die Leinen ein und fahren zurück. Sehr hilfsbereit macht er uns noch auf einen kostenfreien und geschützten Ankerplatz aufmerksam. Wir fahren jedoch hinter die
Isla de Culata
und legen den Anker aus. Boote mehrer Nationen kommen hinzu und begrüßen uns. Hier ist klares Badewasser, weißer Sand und auf der Insel ein kleiner Ort mit Fischrestaurants, der auch Verpflegungsmöglichkeiten bietet. Nach einigen Tagen wird es stürmisch. Noch freuen wir uns, dass unser Anker gut fasst, denn einige Boote gehen schon auf Slip. Ein Holländer hat bereits 3 mal den Anker neu ausgeworfen. Ein Schweizer slipt hautnah an uns vorbei. Auch weitere Boote verändern ihre Position. Dann stellen wir fest, dass auch die Equinoxe eine neue Position einnimmt. Wir geben schnell noch weitere 10 m Kette und freuen uns, dass der Anker wieder fasst und auch hält. Als sich der Sturm wieder legt, nimmt das Ankerleben wieder seinen gewohnten Gang und die Ankerwache erübrigt sich. Rund 30 Meilen weiter östlich ist der Rio Guadiana, der im unteren Bereich zugleich Grenzfluss zwischen Portugal und Spanien ist. Auf der portugiesischen Seite befindet sich
Vila Real de Santo António
welches wir danach ansteuern. Die Stadt ist nach dem großen Erdbeben von 1755 im Schachbrettmuster ähnlich wie Lissabon wieder aufgebaut, was uns die Orientierung vereinfacht. Die hier ansässigen Webereien bieten hauptsächlich ihre Frottierwaren in fast allen Geschäften zu sehr günstigen Preisen an. Trotz eifriger Suche hat Christel keinen Bedarf für die Equinoxe gesehen. Neben der Burg Castro Marim bietet die Stadt allerdings wenig. Auf der anderen Seite des Flusses befindet sich Ayamonte mit auch einem Yachthafen, welchen wir später besuchen wollen. Denn zuerst geht die Fahrt flussaufwärts in den
Rio Guadiana.
Schon nach einen Kilometer erreichen wir die Neue Brücke, die Verbindung zwischen Portugal und Spanien. Zuerst kurvenreich in flacher Ebene, gesäumt von Orangen- und Zitronenbäumen, erreichen wir bald eine liebliche hügelige Landschaft, durch die sich der Fluss zieht. Die erste günstige Ankergelegenheit ist in der Nähe von Foz de Odeleite, ein Ort mit rund 15 Häusern. Und siehe da, wir sehen schwarz, rot, gold. Mehrere Landsleute verbringen offensichtlich schon längere Zeit dort. So können wir kurz die Neuigkeiten aus der deutschen Kolonie erfahren. Unser Weg führt weiter den Fluss hinauf. Noch eine günstige Ankermöglichkeit, an der sich Segler verschiedener Nationen tummeln passieren wir und erreichen Alcoutim (Portugal) und gegenüber San Lucar (Spanien), die jeweils einen Steg für Fähre und 4 – 5 Sportboote aufweisen. Circa 10 Boote verschiedener Nationen ankern hier im Umkreis von einer Meile. Wir entscheiden uns für den Steg bei Alcoutim (7,50 Euro/Tag incl. Strom und Wasser). Ein kleiner sehenswerter Ort mit rd. 500 Einwohnern am Hang gelegen, der sogar über ein Touristen-Informations-Center verfügt. Eine Burganlage mit archäologischem Museum, ein Restaurant welches nur nach Vorbestellung öffnet, zwei kleine preisgünstige Restaurants (Bier 0,55, Wein 0,50 und eine kleine Mahlzeit für 1,50 Euro), eine Imbiss-Stube, eine öffentliche Bibliothek mit Internet und WiFi und ein Lebensmittelgeschäft können wir besuchen, bevor wir uns weiter flussaufwärts machen. Die Berge zu beiden Seiten des Flusses werden steil und schroff. Verschiedentlich sind im Uferbereich kleine, 50 bis 100 Meter breite Ebenen, auf denen Gärten angelegt und sogar kleine Hütten gebaut sind. Die Wassertiefe nimmt ab und wir müssen mehr als sonst auf die Fahrrinne achten. Wir passieren Puerto de la Laja mit dem in den Fels gehauenen Steilufer von 5 – 8 Metern Höhe und nach etwa 2 Meilen sichten wir steuerbords eine Einfahrt zu einer 15 Meter hohen Staumauer. Der Guadiana führt uns backbords weiter in portugiesisches Gebiet (erst viel später wird er wieder Grenzfluss) und hier erspähen wir einen Bootssteg und zugleich den daneben liegenden Ort Pomarão, der noch circa 35 Einwohner hat. Die Häuser in 3 bis 4 Reihen am Hang gelegen und ineinander verbaut, sind teilweise unbewohnt und verfallen größtenteils. An diesem Ort war bis in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der größte Hafen zum Transport von Erzen, den es in Portugal gegeben hat. Reste der verfallenden Hafenanlagen sind noch zu sehen. Die vorhandene Bar hat preisgünstige kalte und warme Getränke. Weiter flussaufwärts können wir wegen der geringen Wassertiefe mit Felsgründen nur noch mit dem Dinghi fahren. Erst einmal die nächste Flussbiegung erreicht, sind wir schon auf die nächste neugierig. Nach etwa einer Stunde entdecken wir einen Nebenfluss. Er bietet jedoch für unseren Außenbordmotor nicht überall genügend Wassertiefe, so dass wir diesen rudernd erkunden. Nach einigen Windungen sehen wir in Ufernähe eine alte Hütte mit einigen Orangen- und Zitronenbäumen. Schon malen wir uns aus, dass wir uns hier niederlassen könnten. Küche, Schlaf- und Wohnzimmer werden schon eingeteilt. Wasser gibt es aus den Bergen, Elektrizität mittels Solar. Der Baumbestand kann noch erweitert werden. Auf einer günstig gelegenen Ebene kann ein Garten für alles vitaminreiche angelegt werden, mit dem vorhandenen Wasser wird es nur so sprießen. Wir träumen noch ein wenig und widmen uns doch unserer derzeitigen Situation. Mit dem Strom geht es zügig flussabwärts. Später hören wir von einem Portugiesen aus Albufeira, der häufig zum Wochenende diese Gegend besucht, um ursprüngliches der Algarve zu erleben, es soll noch eine Möglichkeit geben, unter Leitung eines Ortskundigen unter Umschiffung der im Wasser liegenden Felsen von Pomarão bis nach Mértola zu fahren. Hierauf verzichten wir jedoch aus Vorsichtsgründen. Mertola mit seiner sehenswerten Festung und einer alten Brücke aus der Römerzeit besuchen wir jedoch mit dem Autobus, der 2 mal in der Woche um etwa 10 bis 11 Uhr fährt. Der Steg in Pomarão ist übrigens lediglich für eine kurzfristige Liegemöglichkeit vorgesehen. Wir sehen diese nach 3 Tagen ausgeschöpft und nachdem Berthold noch einen Brotwagen anhalten kann und dabei einige Brote ersteht, lösen wir die Leinen. Etwas flussabwärts erkennen wir eine Ankermöglichkeit in vermuteter völliger Abgeschiedenheit. Während unserer Ankerwoche passierten uns jedoch täglich 2 Fischer in ihren Nachen, die ihre Reusen kontrollierten. Wir begrüßten uns jeden Tag freundlicher und schon nannten wir sie ihrer Kleidung entsprechend Schlägermütze und Ringelpullover. Einmal passierte uns ein 24 Fuß Segelboot mit englischer Nationale, es wendete und fuhr wieder zurück. Das waren auch schon die menschlichen Kontakte. Mit unserem Angelgeschirr konnten wir den Speiseplan beträchtlich erweitern. Neben einigen kleinen Fängen bescherte uns Christels Anfängerglück einen solch großen Happen, der sogar für zwei Mahlzeiten reichte. Auf der portugiesischen Seite des Flusses, etwa 50 Meter oberhalb des steilen Ufers reizte uns die Besichtigung eines kleinen, offensichtlich unbewohnten Häuschens. Schon auf der Hinfahrt sind uns auf beiden Seiten des Flusses kleine Häuser von gleicher Bauweise aufgefallen. Meistens unbewohnt und dem Verfall preisgegeben. Einige jedoch wunderschön restauriert und bewohnt. Wie wir später erfuhren, handelt es sich hier um ehemalige Posten der Grenzkontrollen. Mit dem Dinghi machten wir eine Landemöglichkeit am Ufer aus, schlugen uns mit einem geschnitztem Stock als Machete nutzend eine Spur erst durch hohes Gras, höher gelegen durch Dornengewächse bis zum Häuschen. Dem fehlenden Fenstern und Türen und dem in Kürze verfallenden Dach standen gegenüber ein wunderschön gefliester Flur und eine zum Fluss gelegene große Terrasse mit einer wuchtigen Bruchsteinmauer. Von hier bot sich eine prachtvolle Aussicht zu beiden Seiten. Und wieder gingen unsere Phantasien mit uns durch und fast legten wir schon Strom und Wasser. Aber in der Wildnis war keine Zufahrt, geschweige ein Zugang zu erkennen. Also weiter Machete schwingend höher den Berg hinauf. Nichts zu finden. Bis zum Top of the hill. Hier erkennen wir einen Pfad. Diesem folgend laufen wir nach einiger Zeit auf eine Ansammlung von Bienenstöcken. Christel besonders mutig dem stechenden Getier gegenüber will noch näheres erkunden und da überfallen sie uns schon. Wir nehmen reißaus und trotzdem erwischen uns einige. Nach etlichen olympiareifen Spurts lassen sie von uns ab. Wir lecken unsere Wunden im wahrsten Sinne des Wortes. Noch einige Tage später machen sich die Stiche bemerkbar. Unsere Abenteuerlust in dieser Richtung ist nun gebremst und weiter geht es flussabwärts. Die Vorräte sind wieder aufzustocken und das Dinghibenzin ist zur Neige, so dass wir einen Stop in Alcoutim oder San Lucar einplanen. Der Steg in San Lucar ist besetzt. Auch in Alcoutim ist es voll, aber wir können an der englischen Yacht Roang aus Harwich festmachen. Für uns zufällig ist heute Sardinenfest. Die Stadt gibt einen aus. Mehrere große Grills sind aufgebaut. Für einen Euro Pfand (wohlgemerkt Pfand) gibt es einen Fischgrill. Ansonsten ist alles frei. Fische, Brot, Wein rot und weiß, Musik mit Flamenco-Vorführung und Tanz. Auch wir konnten uns tanzend austoben. Fast alle Ankerlieger und natürlich die Steglieger von San Lucar kamen mit ihren Dinghis angefahren. Auch ein englisches Pärchen, Rose und Peter, die sich in La Laja, einem Ort mit 30 Häusern und 6 Einwohnern niedergelassen haben, kommen mit ihrem 24-Fuss-Boot. Einige verstehen es sogar, sich für den folgenden Tag mit Sardinen einzudecken. Am folgenden Morgen können wir entscheiden, ob wir zu spanischer oder portugiesischer Zeit aufstehen wollen. Zuerst schlägt die spanische Uhr zum Beispiel acht mal. Dann die portugiesische sieben Mal. Beide Uhren mit lautem Echo durch das Tal zu hören. Anschließend (vielleicht zur Bestätigung der Zeit ?) schlägt die spanische Uhr wiederum acht Mal. Unsere Nachbarn auf der Roang, Colin und Sigrid, sind ein ganz freundliches Pärchen und es ergibt sich, dass wir die nächsten Tage miteinander verbringen. Erkunden dabei weiter Ort und Umgebung, machen eine Busfahrt ins Landesinnere, ersteigen den Berg und das Castle of San Merino auf spanischer Seite und Berthold und Christel machen noch eine Radtour von rund 40 km auf spanischer Seite bis nach San Silvestre de Guzman. Passieren dabei die großen Gehöfte mit den freilaufenden schwarzen Schweinen, die verantwortlich für den leckeren Schinken sind. Wie ist die Welt doch so klein. Eines Morgens kommt jemand mit seinem Dinghi an den Steg gefahren, sieht kurz auf die Equinoxe und brummelt: "Rot-Weiß steigt auch ab, nur ein Jahr oben, dann sind sie wieder unten". Ich frage nach woher und wohin, aber er brummelt nur weiter, dass es hier für eine Überwinterung nicht gut sei, denn dann steigt der Fluss zu weit an. Dabei schleicht er sich vondannen. Ich sehe ihn nicht mehr wieder. Am Nachmittag fahren wir zu der nur sieben Km entfernten Tankstelle, immerzu bergauf, um unseren Benzinvorrat aufzufüllen. Uns begrüßt eine freundliche Tankwartin (hier gibt es keinen Selfservice) und wir machen kund, dass wir gerne eine Mischung 1:100 hätten. Ihre Antwort nach einigen Momenten des Überlegens: "Ich kann Ihnen machen, wenn sie möchten". Großes Gelächter beiderseits und Glückwunsch zu ihrer internationalen Tankstelle. Sie hat einige Jahre in der Schweiz gearbeitet und unsere deutsche Herkunft erkannt. Es herrscht tankmäßig kein Hochbetrieb, so dass wir es uns für einige Zeit dort gemütlich machen und dabei verschiedenes aus dem täglichen Leben in der portugiesischen Abgeschiedenheit erfahren. Nach nunmehr über einer Woche in Alcoutim verabschieden wir uns von Roang, sie wollen nach unseren Auskünften nun doch noch einige Meilen flussauf und später dann weiter gen Westen, nämlich Madeira segeln. Wir können wie hinaufgesegelt nun bei günstigem Wind den größten Teil flussabwärts segeln, passieren wieder die deutsche Kolonie und machen fest auf der spanischen Seite nahe der Flussmündung in
Ayamonte.
Im Hafen sind mehrere Liegeplätze frei, so dass wir uns einen uns nach Sonne und Wind geeigneten aussuchen. Die Temperaturen sind mittlerweile sehr gestiegen; entgegen der üblichen Handhabung bevorzugen wir jetzt einen Platz mit viel Wind von achtern, wobei wir unser Bimini von den Achterstagen bis über das Sprayhood und seitlich bis zur Höhe der Reling ausrichten können. Bei meiner Anmeldung teilt mir jedoch die nette Dame mit, dass ich einen Platz für ein 11 Meter Schiff ausgesucht habe und folglich auch für 11 m bezahlen muss. Sie bietet mir aber einen 10 m Platz an, damit ich weniger bezahlen muss. Meinen Einwand, dass nach Wind und Sonne aber der 11 m Platz besser wäre, entkräftet sie: Morgen wird der Wind aus der entgegen gesetzten Richtung wehen und voraussichtlich wird einige Bewölkung auftreten. Natürlich nehme ich den 10 m Platz. Ein Engländer und ein Holländer schauen ganz erstaunt dem Liegeplatz-Wechsel zu. Als ich ihnen die Ersparnis darlege, sind sie noch erstaunter. Tatsächlich weht der Wind wie vorhergesagt. Auch trotz einiger Wolken ist es heiß und wir genießen den Platz unterm Bimini. Zwei Tage später haben wir auch Ayamonte und Umgebung erkundet, lösen die Leinen, fahren nun wieder auf die See und erreichen noch am gleichen Tag
Mazagón.
Ein guter Platz für eine Übernachtung, weitere Erkundung reizt uns aber nicht. Schon am folgenden Tag geht es weiter nach
Chipiona
an der Mündung des Guadalquivir gelegen. Hier erkundigen wir uns nach einer Möglichkeit des Befahrens des Flusses und eventueller Brücken und deren Höhen. Die Dame im Hafenbüro ist so nett (in den Hafenbüros sind fast ausschließlich Damen und zwar freundlich und hilfsbereit) und kopiert mir aus einem Buch die notwendigen Informationen. Kostenlos. 62 Euro gespart. Wir sind fasziniert über unsere Möglichkeiten.
Der Guadalquivir (der Fluss der springenden Fische)
ist bis Sevilla zu befahren. Rund 55 Meilen (100 km) von der Mündung bis Sevilla und in einem Rutsch möglich. Denn bei einem Start von ca. 1 Stunde vor Flutbeginn gelingt es mit dem auflaufendem Wasser in rund 9 Stunden Sevilla zu erreichen. Die augenblickliche Tide ist für uns günstig; wir können morgens um 0700 starten. Zuerst haben wir noch den Strom gegen uns und reiten über die kabbeligen Wellen bis nach Bonanza, den nächsten Hafen. Ab dort wird das Wasser ruhiger und nach ungefähr 3 Stunden Flussfahrt schob uns das auflaufende Wasser mit 2 Knoten zusätzlich den Fluss hinauf. Entgegen dem Guadiana ist die Fahrt recht eintönig, da hinter den Ufern nur plattes Land zu sehen ist. Das Naturschutzgebiet mit der Deltalandschaft entzieht sich unseren Blicken. Nach einiger Zeit sehen wir um das fahrende Boot herum immer wieder einige Fische aus dem Wasser springen. Es wird immer toller. Einige springen auch einen Meter hoch und 2 Meter weit. Je größer der Fisch, desto höher und weiter. Und dann passiert es. Es klatscht an Deck. Wir glauben es nicht. Ein kräftiger, ungelogen 30 cm langer Fisch zappelt an Deck. Ehe wir begreifen, dass er für unsere Pfanne geeignet ist, hat er sich schon wieder von Bord gewälzt. Jetzt aber unsere Fischfangutensilien hervorgeholt und siehe da, noch 3 weiteren schönen pfannengroßen gaben wir keine Chance zur Flucht und konnten sie für das Abendessen einplanen. Die Fischart haben wir nicht erfahren, aber lecker sind sie. Das Spektakel dauerte über zwei Stunden und vertrieb uns die Zeit. Nach 8 Stunden Flussfahrt erreichten wir dann Sevilla, wo wir als erstes den Hafen Gelves ansteuerten. Leider konnte uns der Hafenmeister wegen Überfüllung keinen Liegeplatz anbieten. Im Fluss ankern wollten wir nicht, weil wir doch täglich Sevilla besuchen wollten. Also ein kurzes Stück zurück und durch eine Schleuse in den Kanal, der den Wasserstand in der Innenstadt auf Niveauhöhe hält. Da kommt doch ein riesiges Passagierschiff um die Ecke. Mindestens 100 m lang und viel breiter als die Equinoxe lang ist. Der will doch wohl nicht in die Schleuse? Und ob. Wir müssen ihm sogar den Vortritt lassen, und obwohl wir dann auch hinein gefahren sind, gab uns der Schleusenwärter zu verstehen, dass er das nicht wünscht. Er meldet sich anschließend über Funk und erläutert uns die Reihenfolge für das weitere Vorgehen. Derweil legen wir den Anker vor der Schleuse aus und harren der Dinge. Ein Schlepper kommt talwärts und wir können einfahren. Bitte ganz durchfahren und steuerbords festmachen. Im Schleusenkessel sind lediglich 3 Leitern, an denen wir festmachen könnten. Nehmen also die letzte, kurz vorm geschlossenen Schleusentor. Und warten. Und warten. Und da kommt wieder so ein Berg von Schiff angefahren. Es will doch wohl nicht in "unsere" Schleuse. Natürlich. Meter für Meter wälzt es sich hinein. Wir checken schon unsere Möglichkeiten und glauben, dass wir unter seinem Bug, gegebenenfalls noch quer, quetschfrei davonkommen könnten. Befürchten schon sein Bugstrahlruder, doch da wird das Schiff per Seilwinden nach Backbord gezogen und kommt zum Stillstand. Von oben, höher als unsere Mastspitze, begrüßt uns die Mannschaft und sieht neugierig auf uns hinab. Die Schleuse verlassen, hart steuerbords und schon können wir einen sicheren Platz in der Marina Sevilla (ein etwa 100 Meter langer Steg) einnehmen. Steg und Marinagebäude haben schon bessere Zeiten gesehen, jedoch ist alles funktionstüchtig und geboten wird ein 24-Stunden-Service. Besonders die Sicherheit beruhigt uns für unsere weiteren Planungen. Und nach Umrüstung von Fahrtenschiff auf Wohnschiff (Bimini raus, Wäscheleinen ausgehangen, Fahrräder auf dem Vorschiff) widmen wir uns der Erkundung von
Sevilla.
Sevilla ist keine Stadt, in der man ein Auto mietet. Erstens sind die Straßen (außer Siesta) verstopft und zweitens kein Parkplatz zu bekommen. Fahrrad oder hier bevorzugt Motorroller sind die besten Verkehrsmittel. Was in Münster die langen Reihen Leezen sind, erscheint hier mit Motorrollern und Motorrädern. Obwohl der Zahn der Zeit oder besser gesagt des Rosts - trotz bewährter Pflege – auch langsam an den nicht rostfreien Teilen unserer Aluminiumrösser nagt, erkennen wir doch verschiedentlich begehrliche Blicke und sichern unsere Treter deshalb mit einem zusätzlichen Schloss. Von der Marina sind es etwa 3 km bis in die Stadt, gute und ebene Straßen. Wir besuchen fast alle Sehenswürdigkeiten, viele Museen und fahren den Kanal von Anfang bis Ende. Auch der Einheimische sagt Guadalquivir zum Kanal, obwohl der Fluss weiter westlich um Sevilla fließt.
Nach einigen Tagen beschließen wir, das Landesinnere zu erkunden und bitten den Hafenmeister bzw. den Sicherheitsdienst, in der nächsten Zeit ein besonderes Auge auf die Equinoxe zu werfen. Mit leichtem Reisegepäck (1 Rucksack und 1 Täschchen reichen aus bei sommerlichen Temperaturen) begeben wir uns zum Busbahnhof und kaufen Tickets nach Córdoba. Dort angekommen wählen wir ein Hostal, das ist wie ein familiengeführtes Hotel, preislich günstig und liegt meistens in der Innenstadt. Bei unserer Ankunft beginnt gerade die Feria (1 Woche Fest), so dass wir buchungsbedingt nicht mehrere Tage im Hostal bleiben können. Wir ziehen daher noch einmal um in ein Hotel direkt an der Mezquita (große Moschee). Auch hier wieder alle Sehenswürdigkeiten incl. Wanderung entlang des Guadalquivir. Und natürlich Besuch der Feria, der riesengroßen Kirmes. Daneben etwa 20 sporthallengroße oder sogar fußballplatzgroße bierzeltähnliche Gastronomien. Manche lediglich Konzert und Tanz, die anderen mit Theke und auch mit Speisekarte, viele Flamenco, einige auch Discomäßig mit Rock und HipHop. Viele Gäste und Besucher kommen herausgeputzt gekleidet. Sie im Flamencokleid, er mit Bolerojäckchen, die Kinder ebenfalls wie die großen aufgemacht. Um 2400 Uhr ein Feuerwerk erster Sahne und dann spielt die Musik auf. Um 0300 Uhr verlassen wir die Tanzfläche und sind erstaunt, dass noch genau so viele Menschen aus der Stadt den Weg zu den Festlichkeiten suchen, wie sich auf den Heimweg begeben. Wir entschließen uns, am folgenden Tag schon weiter zu fahren nach Granada. Übrigens, das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist unkompliziert, wenn man von der für uns unzureichenden Beschilderung absieht, und preiswert. Auch in kleinen Orten, wo wir Zwischenstopps einlegen, sind Busbahnhöfe oder ähnliches vorhanden. Auch ohne aushängende Fahrpläne wissen Einheimische, wo und zu welch ungefährer Zeit ein Bus fährt. Auch wenn wir schon mal in einen Bus mit von uns nicht vorgesehenem Reiseziel einsteigen, achten doch die sehr aufmerksamen Busfahrer auf korrekte Passagierzahl. Wir befassen uns ausgiebig mit Granada und seinen Sehenswürdigkeiten, den maurischen und jüdischen Vierteln und bekommen auch noch Lust auf Schnee. Also ab in die Sierra Nevada. Leider spielt das Wetter nicht so mit; sehr windig, bewölkt und zwischendurch immer wieder Hagel und Regen. Einen wärmenden Pullover haben wir dabei, für Christel. Der Bergwirt leiht Berthold seine Jacke.
Von Granada zieht es uns südlich zur Küste nach Montril, an die Costa Tropical, dann entlang der Costa del Sol über Malaga, weiter nach Marbella und in die Berge nach Ronda, der Stadt am Abgrund und von dort wieder zurück zur Equinoxe.
In der Marina zurück lernen wir den in Rente lebenden Gerichtsmediziner Jesús und seine Magdalena kennen (wer den Sakrileg gelesen hat, denkt nichts Böses mehr). Sie haben lange Jahre auch ein Boot gehabt, sind immer noch mit dem Wassersport verbunden und wollen uns ganz Sevilla zeigen. Nach unseren ausgiebigen Exkursionen bleiben da noch einige Spezialitäten im Randbereich. Nun fahren wir nicht mehr Rad, sondern werden im Benz gefahren. Vielleicht segeln wir auch einmal ein Stück gemeinsam? Einen Besuch ihrer citygelegenen Wohnung mit Blick auf den Kanal und dem Torre del Oro genießen wir. Und ein Besuch ihres von der Außenwelt abgeschlossenen, doch citynah am Kanal des Guadalquivir gelegenen Clubs mit mehreren Schwimmbädern, mehreren Fitnessräumen, Plätzen für sämtliche Ballspielarten, Ruder-, Kanu-, Paddel- und Segelboote, Restaurationen für große und kleine Veranstaltungen, für mittlere und gehobene Ansprüche hat uns neue Dimensionen eines Clublebens eröffnet. Daneben erfuhren wir die von den Einheimischen bevorzugte Gastronomie.
Für die Reise Guadalquivir flussabwärts gilt als Faustregel, das Boot muss mindestens 6 – 7 Knoten fahren und der Start mindestens 3 Stunden vor Hochwasser Sevilla erfolgen, um die größtmögliche Zeit des ablaufenden Wassers zu erzielen und nicht einige Meilen vor dem Ziel die auflaufende Flut gegen sich zu haben. In diesem Falle ist Ankern angeraten und die folgende Ebbe abzuwarten. Die Equinoxe hat eine angenehme Reisegeschwindigkeit von 5 bis 5,5 Knoten. So müssen wir also zeitiger starten, was einen noch zeitigeren Schleusengang bedeutet. Unsere Erfahrungen hinsichtlich der Schleuse sind da nicht so optimistisch. Jesús ist bei unseren terminlichen Überlegungen an Bord und seine Anfrage beim Schleusenwärter bestätigt unsere Sorge. Tatsächlich, zu unserer Abfahrtszeit wird die Riesenschleuse nicht bedient. Kurzfristig umdisponiert. Und nach einem weiteren Anruf von Jesús beim Schleusenwärter können wir sofort schleusen, seine folgende Anfrage im nächstliegendem Hafen Gelves beschert uns doch eine Aufenthaltsmöglichkeit für zumindest für 2 Tage. Mit seinem Anruf in der Marina-Reception, dass wir sie sofort verlassen, aber zur Abrechnung (für immerhin 3 Wochen) bestimmt wiederkommen, lösen wir schon die Leinen. Jesús gute Verbindung zu unserem Hafen machte sich auch in der Höhe der Liegeplatzgebühren bemerkbar. Da wir in Gelves lediglich einen Liegeplatz im Päckchen (2. Stelle) bekamen, brauchten wir dank Jesús dort nichts abzurechnen. Ergänzend hatte er dann schon einen Liegeplatz in Chipiona, der Hafen der eigentlich keinen freien Platz mehr hatte, für uns reserviert. Und das für die späte Zeit in der wir ankommen könnten, 2200 – 2300 Uhr. Aber noch hatten wir den "Fluss der springenden Fische" vor uns. Es lief alles gut. Die Fische sprangen wieder; allerdings nur für eine kurze Zeit. In dieser sprang jedoch ein kapitales Stück Fischfleisch an Deck und Berthold konnte mit dem Käscher weitere 4 pfannenwürdige Teile, die in Bootsnähe aus dem Wasser sprangen, reinholen. Christel machte sie schon unterwegs pfannenfertig. Unser Fahrplan ließ auch in diesem Teil des Flusses keinen Aufenthalt zu, denn der Wind gegen unsere Fahrtrichtung hatte zugenommen und wir konnten unsere geplante Geschwindigkeit nicht erreichen. Doch die letzten 2 Stunden hat uns die Fließgeschwindigkeit mit bis zu 3 Knoten unterstützt und erstmal vor der dunklen Hafeneinfahrt meldeten wir uns über Funk und stellten erfreut fest, alles Hafenpersonal war für das Eintreffen der Equinoxe vorbereitet.
Nach einem Tag "Große Wäsche", Umrüstung der Equinoxe von Flussschiff auf Fahrtenschiff und dem wieder leckeren aus springenden Fischen zubereitetem Abendessen ging es weiter Richtung Osten in die
Bahia de Cádiz
und hier zuerst zu dem nördlich der Bucht neu angelegten Yachthafen mit angrenzendem alten Fischerdorf
Rota
In Puerto de Santa Maria war leider nur eine Liegeplatzdauer von einem Tag möglich, da eine große Regatta alle Liegeplätze beanspruchte. Doch nur "um die Ecke" gefahren und schon besuchten wir den Hafen Puerto Sherry. Ein nicht zu den Puertos Deportivos gehöriger, jedoch in Ausmaß und Ausstattung mit allen mithaltender Hafen. Leider sind viele Gebäude um den Hafen herum seit vielen Jahren wie Bauruinen. Es lässt sich so schwer verkaufen. Ansonsten ist in der Umgebung des Hafens große Bautätigkeit festzustellen. Zwei Golfplätze sind schon vorhanden. Ein dritter ist geplant. Die Liegeplätze sind nahezu belegt, preislich höher als in den umliegenden und der Hafenmeister kündigte für den Juli und August noch weitere Liegelatzwünsche an. Für uns ergab sich von hier die Möglichkeit, wieder eine Reise ins Landesinnere zu unternehmen. Mit dem Zug fuhren wir nach Jerez de la Frontera, der Stadt in der Xerex (altspanisch), Jerez(heute) oder Sherry (englisch) vermarktet wird. Ein Besuch bei Sandemann und anschließender Probestunde mit Fino, Charakter und Cream rundeten den Besuch ab. Hier wurde mehrmals deutlich gemacht, dass nur die Weine aus dem sogenannten Sherrydreieck, nämlich zwischen Sanlúcar de Barrameda, Jerez de la Frontera und El Puerto de Santa Maria als Sherry verarbeitet und vermarktet werden dürfen. Wir haben uns allein aus preislichen Gründen reichlich eingedeckt. In Puerto Sherry stießen auch wieder Jesús und Magdalena zu uns. Sie kamen die 140 km von Sevilla gefahren, um mit uns einen kleinen Segeltörn in der Bahia zu machen und uns die Sehenswürdigkeiten der Umgebung zu zeigen. So fuhren wir auch in die in der Flussmündung gelegene Ortschaft Sancti Petri, mit einem Club Nautico, ein paar besetzten Stegen, besetzten Moorings und vielen Ankermöglichkeiten mit fantastischen Badestränden. Jesús vergaß nicht, sich im Club noch eben zu vergewissern, dass die Equinoxe nach Funkmeldung doch einen Platz am Steg bekommen könne. Anschließend ein Besuch der Siedlung Novo Sancti Petri. Ein deutsches Hotel. Deutsch geführt. Überwiegend deutsches Personal. Deutsche Gäste. Jesús meinte gehört zu haben, dass dort auch noch in DM bezahlt wird ☺. In Puerto Santa Maria kehren wir ein und sie zeigen uns, was alles zu einer üppigen landestypischen Fischplatte gehört. Trotz unseres Appetits und auch der Aufnahmefähigkeit mussten wir passen. Am späten Abend fahren die lieben Leute nach Sevilla zurück. Wir besuchen noch den vierten, für uns befahrbaren Hafen in der Bahia und das ist
Puerto América in Cádiz
Am Nachmittag kommt Wind aus Südost auf, der sich am Abend zu einem Sturm entwickelt und bis zum nächsten Abend bleibt. Doch im Hafen ist es geschützt und sicher. Lediglich der von dem Wind getragene feine Sand legt sich über den Hafen. Die Equinoxe muss von innen – weil ja wegen der Wärme die Luken geöffnet sein müssen – und außen geschrubbt, gebürstet, gesaugt und geledert werden. Wir haben aber trotzdem gute Gelegenheit, die Altstadt, die Hafen ……Einige Tage später ist dann der richtige Wind für unsere Weiterreise. Den nächsten Hafen Sancti Petri lassen wir backbords liegen und segeln an Trafalgar, wo Nelson's große Seeschlacht stattgefunden hat, vorbei bis nach
Barbate,
einem Fischerhafen, in dem im rückwärtigen Teil ein Yachthafen angelegt ist. In diesem Seegebiet sind heute große Thunfischnetze ausgelegt. Bekanntgabe der Positionen in den nautischen Nachrichten und vor Ort mit beleuchteten Kardinaltonnen gekennzeichnet. Die Netze stehen bis kurz unter der Wasseroberfläche und werden durch eine große Anzahl von Bällen gehalten, tagsüber sind auch diese eine gute Markierung. Dank Christel's Navigation konnten wir sie alle umsegeln. Der Ort Barbate gibt außer 2 wunderschönen Stränden nicht viel her, so dass wir den immer noch günstigen Wind für die Weiterreise nutzen. Ab Barbate wird der Küstenbereich erst hügelig und später bergig, teilweise grüne Landschaft aber auch schroffe steile Felsen. Ab Barbate ist es zweckmäßig, die Strömung verstärkt zu berücksichtigen, weil sie schon im Küstenbereich 2 – 3 Knoten erreicht. Die Zeit ist für uns günstig, wir legen morgens bei leichten Winden ab, erreichen Tarifa bei West 4, blicken hinüber nach Afrika, erblicken das Rifgebirge in Marokko, der Wind legt noch eins drauf, die Equinoxe erreicht 8 Knoten, jetzt ist die Ansteuerung auf den großen Felsen gerichtet und fast fliegen wir in die
Bay von Gibraltar oder Bahia de Algeciras.
Das geht uns doch zu schnell, wir haben wegen der Konzentration auf Wind und Wellen nicht ausreichend Gelegenheit für eine Betrachtung der Bay. So holen wir in einer Kuhwende das Groß hinunter und segeln mit gereffter Fock bei immer noch 4 Knoten in die Bay. Backbords sehen wir Algeciras (der spanische Teil der Bucht ist mehr als 3 mal so groß wie der gibraltische), voraus etwa 10 ankernde Riesentanker, die laufend von kleinen ( 50 - 100 m langen Tendern) angefahren werden, zwei Fähren kommen uns entgegen, die Hobbyfischer wie auch die Speedboote sind auch zu beachten, steuerbords Gibraltar. Ein Schrecken, der Tiefenmesser zeigt 2,30 m, 1,80 m, 1,60 m, 1,30 m und pendelt zwischen 0,80 m und 1,20 m. Doch nichts passiert. Wir sind lediglich aus dem Bereich der 100 m Tiefe (unser Lot zeigt nur bis 100 m an) und erkennen nun, dass in der Bay Tiefen von über 200 m sind. In der Straße sind übrigens Tiefen von 400 bis 900 m. Noch 5 Meilen bis zu einem Hafen. Der erste, Queensway Quay Marina hat wegen der noch laufenden Bauarbeiten der Steganlagen keinen Platz, obwohl wir nach Funkabsage doch zur eigenen Prüfung in den Hafen gefahren sind. Der Hafenmeister kam jedoch zum Ende des Stegs und wiederholte seine Absage sehr deutlich. Doch irgendwie fühlen wir uns heimisch, um uns herum viele kleine Schlepper mit holländischer Nationale. Und woher kommen sie? Aus Dintelmond, unserem holländischen Heimathafen. Die Holländer sind beim Wasserbau einfach unentbehrlich. Wir steuern derweil den nächsten Hafen an. Unmittelbar neben der Landebahn des Flugplatzes. Hier, in der schaukeligen Marina Bay, ist noch ein Plätzchen frei. Und einmal die vom Harbormaster erwartete Meldung über Funk und Durchgabe der Schiffsdaten, erfahre ich wieder die beliebte Anrede mit Sir und Captain. Schnell ist einklariert, ein Gang zum Zoll ist nicht nötig, die Formulare werden beim Harbormaster ausgefüllt und schon kann die Erkundung angegangen werden. Gibraltar ist ja nur ein Felsen (426 m hoch) mit einem schmalen Küstenstreifen zur Bay hin, der größtenteils bis in die Berghänge bebaut ist. Insgesamt etwa 5 km lang, 1,5 km breit, einmal rundherum etwa 17 km, also einmal um den Baldeneysee. Die nette Dame im Tourist-Office empfiehlt uns Tourtaxi und Buslinien für unsere Besichtigungen und ist sehr erstaunt, als wir nach Fußwegen fragen. Sie weiß nicht, dass wir diese kleinen Entfernungen grundsätzlich gehend oder Rad fahrend nehmen. Das mit dem Rad lassen wir, denn 426 m hoch schieben und abwärts immer bremsend, wird nicht toll sein. Erklimmen also den Affenhügel, besuchen die Naturhöhlen, die großen Belagerungstunnel und die Erweiterungen aus der Zeit des 2. Weltkrieges (anhand der Pläne erscheint uns der gesamte Berg untertunnelt), den Botanischen Garten, die Cable Car, Kirchen und Kapellen und unternehmen auch eine Tageswanderung nach La Linea in Spanien. Der Weg führt uns über die Rollbahn des Flugplatzes, die jedoch bei Start oder Landung gesperrt wird. Beginn und Ende der Rollbahn liegen am Mittelmeer bzw. in der Bay. Auch wird darauf hingewiesen, dass wir mit dem Boot nicht an das Ende der Rollbahn in der Bay fahren sollen. Gut, dass wir an die Ausweise gedacht haben, denn tatsächlich wird kontrolliert, ausgesprochen freundlich. Später besuchen wir noch den spanischen Yachtclub. Sein Gebäude mit einer vornehmen Größe bietet er jedoch den Booten geringen an überholungsbedürftigen Stegen Platz. Vorgelagert zu ankern ist jedoch bevorzugtes Revier. Es ist immer noch Westwind und wie sieht das nun aus mit
Marokko?
Erstmals der afrikanische Kontinent. Wir haben zwar die Küste auf unserer elektronischen Seekarte, kaufen aber doch noch eine Papierkarte dazu. Nun wieder Navigationsübungen unter Berücksichtung der besonderen Strömungen in der Straße von Gibraltar. Während z.B. an den Küsten Gibraltars oder Marokkos der Strom nordöstlich bzw. östlich zieht, ist in der Mitte der Straße noch 2 – 3 Stunden Weststrom. Und wie ist der Strom, wenn wir die östliche Spitze Marokkos gerundet haben und damit das Mittelmeer erreicht haben. Denn hier möchten wir nach
Smir, Marina Smir
In Gibraltar hören wir, dass es dort einen guten Hafen gibt, und die Einreiseformalitäten sehr einfach gehalten werden. Für die Überfahrt benötigen wir nur kurze Motorunterstützungen für die Hafenausfahrt und spätere –einfahrt. Segeln an den großen Tankern vorbei, hinaus aus der Bay, vorbei am Europa Point und halten Kurs Süd Leuchtturm Punta Almina. Strömungsnavigation gut. Lediglich am Kap werfen uns die Wellen einiger Querströmungen Wasser auf's Deck. Doch das erfrischt uns nur für die Superfahrt in Lee des Kaps. Muntere 7 – 8 Knoten. Smir hat einen großen Hafen mit der bis jetzt schönsten Hafenmeisterei. Wie eine kleine Moschee, Rundbogen und Eingang zur Rezeption, Rundbogen und ein 3 m Durchmesser Brunnen mit in blau, orange und gelben Ornamenten gefliest. Hier ist es kühl, hier lässt es sich warten. Zum Anlegen sind schon 2 Helfer am Steg, o almâni willkommen. Einreiseformalitäten waren schon nach einer Stunde erledigt. Equinoxe zum Liegeplatz fahren, 2 Helfer schon vorhanden. 3 bis 4 mal am Tag kommt Mohammed und fragt: all ok? All ok. Eigentlich ist er immer in Sichtweite. Im Hafenareal sind noch weitere 5 – 6 Sicherheitsleute. Dazu ist die Polizeistelle und Zollstelle neben dem Hafenmeister immer besetzt. Es ist sicher hier. Der Hafen ist für über 300 Boote ausgelegt. Etwa 30 Boote liegen im Wasser, etwa 50 an Land. Einige Restaurants, Eiscafés, Telefonierstube (trotz allgemeinem Handygebrauch gibt es sie noch), Wechselstube (ist notwendig, denn noch herrscht der Dirham). Sprache ist marokkanisch-arabisch, besser kommen wir mit französisch zurecht. Und hinter dem Hafen in einer großen Bay ein schöner Sandstrand und glasklares Wasser. Leider lassen die Einheimischen alle Papiere, Tüten, Flaschen etc. liegen. Es macht ihnen nichts aus, neben dem Müll ihr Handtuch auszubreiten und ein Sonnenbad zu nehmen. Dieses auch mit langem Kleid und Kopftuch. So gehen sie auch ins Wasser. Kleidung trocknet am Körper. Aber sehr viele aus der nebengelegenen Urlaubsanlage sind im Badeanzug und Bikini. Wir verstehen es, uns ein sauberes Plätzchen unter einem Palmenschirm zu ergattern. Wir erkunden die Umgebung und planen einen Ausflug nach Tétouan, der neben Tanger zweiten großen Stadt im Norden Marokkos. Das übliche Verkehrsmittel hierzu, eine Taxe, in die der Fahrer bis zu 6 Fahrgästen steckt, ist im Hafen zu haben. Ein Preis für 2 Fahrgäste für Hin- und Rückfahrt ist schnell vereinbart. Während der Fahrt wird schon ein Führer verabredet. Mustafa aus der Marina, o almâni willkommen. Er führt uns durch die Medina (Altstadt, ist im Weltkulturerbe aufgenommen), einem endlosen Gewirr von Gassen und kleinen Läden (Größe 1,50 x 1,50 m), aus der wir schwerlich allein herausgefunden hätten. Den Teppich kauften wir nicht, jedoch allerhand Gewürze für die Bordküche. Mit unserem Fahrer besuchen wir auch die neue Altstadt, wiederum viele Geschäfte und Straßenhändler und am späten Nachmittag erleben wir ganz Tétouan auf den Beinen. Die Straßen vollgestopft mit Autos und Menschen: Sehen und gesehen werden. Später auf dem Heimweg nehmen wir noch einen Abstecher zum Fischerhafen. Eine Platte gegrillte Sardinen für 2 Euro. Auch hier ist das Ambiente gewöhnungsbedürftig. Da bevorzugen wir doch Smir. In das Rifgebirge wagen wir uns nicht, denn man spricht ganz offen über die Gefährlichkeit und Gesetzlosigkeit der Berber. Nach einigen weiteren Tagen der Erholung ist auch schon wieder Erlebnishunger angesagt. Wir lösen die Leinen und fahren zur Abmeldung zum Hafenmeister. Laut rufend und pfeifend macht uns ein Zollmensch aufmerksam, ihn noch zu besuchen. Klar, aber erst zum Hafenmeister. Hier geht es sehr schnell, denn er hat von 2 MitarbeiterInnen Unterstützung. Nach einiger Zeit kommt der Zollmensch hinzu. Er benötigt doch die Pässe für seinen Ausreisestempel, bald ist er auch damit zurück. Nach 35 Minuten habe ich schon meine Papiere zurück und die Rechnung, Mastercard vorgelegt, abgebucht. Nun aber los, abgelegt, Segel hoch und ein Blick auf die Rechnung, was er für Elektrizität und Wasser berechnet. Ach je, er hat für das falsche Boot berechnet. Equinox und Bootslänge 19,40 m. Also zurück. Fall geklärt, er hatte falsche Karte gegriffen. Rückbuchung und Neubuchung. Und dann Verlassen Smir die zweite. Wir runden das östliche Kap Pta Almina, legen ein Reff ins Groß, rollen die Genua ein wenig ein und halten den Kurs nach langer Zeit wieder westwärts. Nur nach ein paar Meilen schon segeln wir in sehr bewegtem Wasser vor der Hafeneinfahrt von
CeutaÂ
der spanischen Enklave und dem Gegenpol zum jenseits der Straße gelegenen Gibraltar. Die Berge zu beiden Seiten bilden die sogenannten Säulen des Herkules. Wir gelangen in einen hübschen und bei dem weiter auffrischenden Wind besonders angenehmen geschützten Hafen. Gerade an einer Mooring festgemacht, hören wir, dass die Fingerstege gerade abgebaut werden, damit Platz für mehr Boote entsteht. Zu recht, denn so eine gefällige, saubere Stadt muss sich auf zusätzliche Besucher einstellen. Wir erwandern die Halbinsel El Hacho mit seinem Leuchtturm und der vom Militär beherrschten Burganlage. Gönnen uns eine Shoppingtour mit dem Besuch feiner preiswerter Geschäfte. Auch die Apotheke suchen wir auf. Tabletten zur Reduzierung der Magensäure. In Essen nur auf Rezept bei 5 Euro Zuzahlung. Hier für 5,30 Euro. Nach dem Besuch einer blitzsauberen, auf der Mittelmeerseite gelegenen, Strandanlage erlauben wir uns auch einen Schwimmbadtag. Ein, 150 m vom Hafen künstlich angelegtes Bad. Blitzsaubere Salzwasserbecken mit vielen Windungen und Buchten um ein Casino gebaut, welches per Holzsteg zu erreichen ist, mit Palmeninseln, die auch betreten werden dürfen, mehreren Restaurants und Cafés, Liegestühlen, Sonnenschirmen und was man/frau alles so nötig hat. Von einigen Plätzen aus ein erhabender Blick über die Straße und auf Gibraltar und ein Blick nach links zeigt das Rif-Gerbirge. Es hat auch abends bis Mitternacht geöffnet, am Wochenende bis 0200 Uhr morgens. Unsere Erkundung der der Stadt vorgelagerten alten Burganlage begründet die Annahme, dass mit z.B. einem Dinghi die Durchfahrt von der Straße von Gibraltar in das Mittelmeer möglich sein muss. Hier ist Zerstreuung pur angesagt. Doch schon geht unser Blick auf die Wetterprognose. Es ist immer noch Westwind. Bei Ostwind wollen wir die Leinen lösen. Ziel ist die Bahía de Cádiz.
Christel ist es gelungen, einen Flug von Jerez de la Frontera nach Düsseldorf zu ergattern.
Berthold versucht so etwas auch, muss aber bei negativem Ergebnis das nicht unangenehme Revier hier weiter erkunden.

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