Equinoxe Teil 2 - AGFS

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Equinoxe Teil 2

Reiseberichte > Equinoxe

Eingang 5. Mai 2010

Die große Fahrt der Equinoxe, Standortmeldung 28
Von Tobago nach Grenada - zu den Inseln über dem WindeGrenada, Carriacou, Petite Martinique und zurück
Von Grenada nach Venezuela
Liebe Leute
Meine Ankerzeit auf Tobago, ganz nahe der Piratenbay, die erste Berührung der Equinoxe mit der Karibik, meine Erfahrung mit dem neuen Anker, baden in glasklarem Wasser, die Schaukelei des Boots bei Schwell, Starkwind in Böen, Anlandung mit dem Dinghi bei brechender Welle sowie die Erkundung von Land und Leuten haben viel Freude und einen längeren Aufenthalt gebracht.
In Charlotteville ist eigentlich nicht viel mehr zu sehen, als dass ich es nicht schon beschrieben hätte. Doch ein paar nette Begebenheiten bleiben immer. Neben den Besuchen von verschiedenen Stränden, auch auf der Ostseite der Insel, interessierte mich die
Hauptstadt Scarborough
Der Besuch gestaltete sich nicht karibisch-typisch, aber das Reisen hier bietet immer wieder Überraschungen. Ich habe mich also schon um 0800, also früh um 0800 auf den Weg gemacht. Der Bus fährt um 0830 hat mir die Tourist-Info-Dame gesagt. Und ich muss vorher noch Karten kaufen. Will mit dem Dinghi schon auf den Strand fahren, ruft Joe –ein örtlicher Fischer- mir zu, ob ich ihn mal eben zu seinem Boot, dem Fischerboot, fahren kann. Nein, keine Zeit, will den Bus um 0830 und muss noch Karten kaufen. No hurry, easy, der Bus fährt nicht 0830, er fährt um 0900 - bestimmt - . Okay, ich bringe Dich mal eben zu Deinem Boot - er holt nur eben eine Säge von dort und dann fährt er mit zurück. Ich lege das Dinghi auf den Strand, binde es an und gehe Karten holen. Der Bus fährt um circa 0900, höre ich dort. Stelle mich bereit an die Wartestelle. Einige Leute stehen auf der Straße mir gegenüber. Ich frage mehrfach, ob der Platz auf dem ich stehe, der Busabfahrtsplatz für Roxbourough und Scarborough ist. Ist er, ich stehe richtig. Verschiedentlich halten PKW oder Kleinbusse und nehmen Leutchen mit. Ich frage noch einmal, es ist inzwischen 0900 - nein, der Platz ist richtig. Doch da hält auf der anderen Seite ein Bus. Und eine nette Dame sagt mir, indem sie schon den Weg zu dem Bus nimmt, der fährt nach Scarborough, kostet aber cash, kein Busticket, ist aber schneller. Wann der 0900-Bus kommt, weiß sie nicht. OK, ich folge ihr. Zahle mal erst bis Roxborough. Der Bus, ein Kleinbus, nimmt zügig Fahrt auf. Bergrauf, Bergrunter nur Kurven, eigentlich kommt er wegen der vielen Kurverei gar nicht in Fahrt. Zwischenzeitlich steigen auch einige Leutchen ein, einige aus und so geht es weiter, bis der Fahrer mich aufmerksam macht, dass wir jetzt aus Roxborough hinausfahren und ich doch nur bis dorthin bezahlt habe. Das stimmt. Also wenn das, was ich gerade gesehen habe, Roxborough ist, dann möchte ich doch weiterfahren. Ich möchte dann weiter nach Scarborough. Fährt er dort auch hin? Macht er. Okay. So soll er mich doch in Scarborough absetzen, von wo ich auch zurückfahren kann. Er hat jedoch keine bestimmte Haltestelle, so dass er mich am Busbahnhof, der von 100 m Entfernung auch noch nicht als solcher zu erkennen ist, absetzt. Wunderbar, kann ich von hier die Stadt erkunden. Frage aber noch vorher eben, wann der letzte Bus zurück nach Charlotteville fährt. Ab Busstation um 1700. Eine gute Zeit für mich.
In der Hauptstadt ist ein großes Kreuzfahrtschiff eingelaufen und jede Menge Weiße, die wirklich weiß sind, bevölkern die Straßen. Werden gerne zu den Markstständen gerufen und es wird ihnen alles angeboten. Meine erkundenden Augen sehen KFC. Endlich. Nach all den gebackenen, gekochten und auch geräucherten Hühnerteilen endlich mal wieder die von Kentucky, cross und scharf. Gehe mal eben die Hauptstraße lang. Besuche den Hafen, Wegen des Kreuzfahrtschiffs ist alles abgesperrt. Ich frage, wie ich denn an das Wasser komme. Eine Zolldame ist so nett und sagt mir, wo die kleinen Boote, wie Segelboote etc. liegen und wie ich dorthin komme. An der Haupttourist-Info weiter gefragt, wo welche Sehenswürdigkeiten und wie am günstigsten hinzukommen ist. Es ist wenig, was dort anzubieten ist: ein Cruiseship ist im Hafen. Ja antworte ich, aber dort kann ich doch nicht hin. Nein, aber es ist doch von der Straße aus zu sehen. Meine Antwort, ja, wenn ein Bauzaun nicht die Aussicht versperren würde. Das ist aber nicht alles? Oder? Nein. Da gibt es noch das Museum und das Fort George. Okay und dann? Der botanische Garten. Scheint mir auch hochinteressant. Ich besuche Fort und Museum, bin bald von den Eindrücken erschlagen wieder zurück, so nutze ich die Zeit, und besuche einen Friseur. Kurzgeschoren gehe ich die Straße wieder zurück. Auch keine neuen Eindrücke. Damit dürfte Scarborough dann schon erledigt sein. Da mein Geld zur Neige geht, ziehe ich noch eben etwas aus einem Bankautomaten (gut so!). Dann gehe ich schon mal Richtung Busbahnhof. Man weiß ja nie. Vielleicht fährt ja auch einer eine Stunde früher.
Ja, und tatsächlich, fährt auch einer eine Stunde früher. Leider ist er voll besetzt. Der Fahrer sieht keine Möglichkeit mich mitzunehmen. Noch kommen 2 junge Frauen angeflitzt, na, können die? Nein auch die können nicht mit.
Frage ich einen Uniformierten, wann denn der nächste Bus fährt. 1730 ist seine Auskunft. Ich dachte 1700. Nein, antwortet er 1730. Ich gehe in die Straßen zurück und stelle mich doch auf 1700 ein. Tatsächlich, um 1700 fährt kein Bus. Aber um 1730 auch nicht, eine runde Dame gibt mir die Auskunft, dass um 1830 der Bus nach Charlotteville fährt. Meine Entgegnung, dass ich jeweils verschiedentliche Auskünfte bekommen habe, ignoriert sie. 1830 Bus nach Charlotteville. Na? ich um 1800 zurück, wie sieht das aus? Bus nach Charlotteville. Muss noch kommen. 1825 erneute Anfrage: Bus kommt? Jetzt fährt kein Bus nach Charlotteville, um 2030 fährt ein Bus.
Nun bekommt sie meinen ganzen Frust über die Infos zu hören, doch ihre Schweinsäuglein nehmen das ziemlich gelassen. Noch gelassener nimmt sie meine Frage nach dem Geld, was ich nun für eine Taxe benötige. Sie weiß jedoch einen Rat. Ab dem Hafen fährt noch immer ein inoffizieller Bus. Der fährt zu unbestimmten Zeiten, die könne ich jedoch dort erfahren.
Diese Dreistigkeit beantworte ich jedoch mit unmissverständlichen Geesten meiner Meinung über ihre Kompetenz. Und sie möge nicht noch einmal zu mir sagen: Welcome.
Auf dem Weg zum Taxenstand komme ich beim Hafen vorbei und frage nur mal so eben nach einem Bus. Natürlich nicht. Am Taxenstand feilsche ich mit einem sehr netten Fahrer über den Preis. Bis er wirklich nicht mehr runter will. Okay dann mit ihm nach Charlotteville. Gut, dass ich Geld geholt hatte.
Nur Kurvenfahren und das im Dunkeln. Zu Anfang sind in den Kurven noch Laternen, später nicht mehr. In den Linkskurven hält er sich ganz eng an die Felsseite, in den Rechtskurven, hat er seinen Kopf draußen, offensichtlich sieht er dann besser und kann schneller fahren. Im gelingt es sogar, noch 2 Autos zu überholen, hupenderweise. Nach mehr als einer Stunde erreichen wir Charlotteville. Ich bitte ihn zum Dinghi zu fahren, denn das interessiert mich ja auch noch. Als ich ihm dann sage, dass ich gerade im Radio gehört hätte, dass Michael Schumacher wieder Rennen fährt, hätte ich gedacht in der Formel 1. Ich hätte ihn hier zwischen SC und CH nicht erwartet, lacht er laut auf und kann kaum einhalten. Der vereinbarte Fahrpreis war wirklich sehr unten angesetzt. Ich gebe ihm daher ein etwas besser bemessenes Trinkgeld. Das lässt ihn förmlich aufatmen, wie ich erfreut sehe. Er bedankt sich und braust dann wieder zurück.
Nach so einem Tag noch schnell an die Bar und ein Bier. Die von einem Rasta-Man anfangs für 80 Dollar angebotene Tobago-CD soll jetzt nur noch 50 Dollar kosten. Ich nehme sie immer noch nicht. Mein CD-Spieler funktioniert nicht. Ein deutsches Mädchen sitzt da auch noch rum. Sie ist hier zum Urlaub gekommen und sinniert darüber, wie schön es wäre, doch ganz hier zu bleiben. Genau so eine Insel, so einen kleinen Ort hat sie sich immer vorgestellt. Jetzt weiß sie gar nicht, was sie machen soll. Ich sowieso nicht. Der Skipper von der Sunrise singt zwischenzeitlich mit dem Rastaman seinen Tobago-Song. Das halte ich dann doch nicht mehr aus. Ich trinke mein Bier aus und verdrücke mich zum Dinghi.
Gestern bin ich wieder in der Piratenbay gewesen. Liegt sie doch von der Equinoxe so nah, bin ich doch häufiger erst in den Ort gefahren, dort Dinghi festgemacht und dann zu Fuß auf den Weg. Erst an der Piratenbay vorbei, eine Stunde über einen Pfad, der ersichtlich lauffähig gehalten wird. An der Route liegen noch 2 Häuser. Nach einer Stunde komme ich zu einem Zaun, an dem ein Schild stand welches ähnlich sagte: Nur in Übereinstimmung mit dem Gesetz von Trinidad und Tobago. In einiger Entfernung ist ein Haus zu sehen, ich meine sogar ein geöffnetes Fenster. Öffne das Gatter und fröhlich pfeifend, damit niemand überrascht wird, bewege ich mich auf das Haus zu. tatsächlich ein geöffnetes Fenster und schon schaut eine Dame raus. Ich frage, ob ich über das Grundstück darf und ob es auf der anderen Seite einen Weg weiter gibt. Hier ist Schluss. Es geht nicht weiter. Entschuldige mich, ist schon okay, und mache mich auf den Heimweg. Na, die wohnen aber weit vom Schuss.
Zur Piratenbay führt eine lange Treppe runter und dort unten findet man 3 verfallene Hütten, die mit dem noch halb erhaltenen Dach bewohnt ein ziemlich zahnfreier Rastaman, auch ein Bob-Marley-Verschnitt (wie hier so viele), er nimmt gerade seine Mahlzeit und bietet mir etwas Obst (was hier unten alles so wächst) zum Kauf an. Leider kann ich nichts kaufen, habe nur einen 100 Dollar Schein und damit habe ich in der Dorfstraße schon bei der Brotfrau 15 Dollar Kredit, weil sie nicht wechseln kann und beim Rastaman, Treffpunkt der Segler, 20 Dollar Kredit. Er kann auch nicht wechseln. Er freut sich aber über die Unterhaltung und auf ein Wiedersehen. Meine Entscheidung, das Dinghi am großen Strand zu lassen, war goldrichtig. Die Brandung in der Piratenbay ist noch höher als am Ort, dass ich bestimmt Probleme bekommen hätte, hier anzulanden. Rastaman weiß, dass in den nächsten Tagen die Brandung geringer wird, weil Mondwechsel ansteht
Endlich komme ich auch dazu, das Restaurant hoch über dem Hafen zu besuchen. Bin ich doch erstaunt, nach 3 Worten höre ich deutsche Töne. Aha, freue ich mich, heimische Gastronomie und Service. Doch dann ….Bier gibt es nicht, habe keine Lizenz. Doch bei einer Cola kann ich mich schon mal nach dem Essen erkundigen. Ja, wenn ich mich entschließe, eines der zwei vorgeschlagenen Gerichte zu essen, könnte es, nach seiner Rückfrage in der Küche, schon in 1 ½ Stunden serviert werden. Solange wollte ich keine Cola trinken und verlegte mich aufs Abendessen. Wenn wir die Speise und auch die Uhrzeit jetzt schon festlegen könnten, stände einem abendlichen Mahl nichts im Wege. Ich sollte mich aber sofort entscheiden, denn er ginge jetzt zum Supermarkt (der mit den 2 Regalen) Lebensmittel kaufen und er könnte bei dieser Gelegenheit gleich die Zutaten für ein Abendmahl mitbringen. Dabei legt er seinen Rucksack über die Schultern und erwartet meine Entscheidung. Nun erklärt sich mir, warum keine Pensions- und Restaurantgäste anwesend sind. Ich habe an Bord zu Abend gegessen.
Mich locken logischerweise die nächsten Inseln. Trinidad im Westen liegt ganz nahe. Doch dort zieht es mich noch nicht hin. Barbados würde gegenansegeln bedeuten. Grenada, nördlich gelegen, dürfte mit einem Nachttörn zu schaffen sein.
Nur so mal eben zwischendurch zur Erinnerung:
Windward-Islands sind die Inseln von Martinique bis Trinidad
Leeward-Islands sind die Jungfern-Inseln bis Dominica
Beide zusammen entsprechen den deutsch genannten "Inseln über dem Winde"
Leeward-Antilles sind die Inseln vor der Nordküste Südamerikas.
Dieses sind die deutsch genannten "Inseln unter dem Winde" mit einem trockenen Klima.
Mir fällt gerade auf, dass ich über Tobago und meine und seine kleinen Ungereimtheiten schreibe. Nein, Tobago ist eine wunderbare Insel, sauber und freundlich und angstfrei.
Aber meine Gedanken sind doch: in Charlotteville flott ausklarieren und dann los.
Aus flott wird nichts. Samstags und sonntags sind Immigration und Zoll geschlossen. Am Montagmorgen werde ich auf Montagnachmittag vertröstet. Am Montagnachmittag heißt es mit vielen Entschuldigungen, Ausklarieren erst am Dienstagmorgen möglich. Am Dienstagmorgen wird dann achselzuckend und bedauernd erklärt, dass heute Ausklarieren nicht möglich ist. In der Hauptstadt Scarborough sind ein Cruise-Schiff eingetroffen und erhöhter Fährverkehr aufgetreten. Bei Dringlichkeit könnte ich nach Scarborough fahren und dort ausklarieren. Das wüsste ich, mich dort im Gewühle der vielen Passagiere und der an verschiedenen Orten untergebrachten Verwaltungen zurecht zu fummeln und am späten Abend zurückzukommen. Nein, Nein, da warte ich doch lieber einen Tag.
Am Mittwochmorgen erklärt mir treuherzig der Zollbeamte, dass es heute schlecht sei auszuklarieren, weil der Immigrationsbeamte in Scarborough beschäftigt sei. Ich bringe ihm in Erinnerung, dass ich schon am Montag ausklarieren wollte, am Dienstag es auch nicht möglich gewesen sei und ich auch heute nicht die Lust verspüre, nach Scarborough zu fahren. Er telefoniert und reicht mir den Hörer durch. Ich wiederhole mein Anliegen an den Immigrationsbeamten und siehe da, er verspricht, während seiner Mittagszeit nach Charlotteville zu kommen. Um Missverständnisse zu vermeiden, wiederhole ich seine Aussage und erkläre dazu, dass ich ab 12:00 Uhr vor Ort auf ihn warte.
So nehme ich die Gelegenheit, an der Imbissbude des Rastaman noch einmal vorbei zu schauen. Hier ist seit 2 Tagen eine schottisch-französische Arbeitsgemeinschaft (Dennis von der Té Bheag und Fabrice von der Moulin) mit der Verbesserung der Sitzgelegenheiten beschäftigt. Sie legen auf die halbhohe Umzäunung der "Terrasse" 2 Bretter in Sitzhöhe und und verkleiden sie mit Bambus. Dennis spricht kein französisch und Fabrice kein Wort englisch. Doch sie verstehen sich gut und wissen beide, was sie da unter der neugierigen Aufsicht von Rastaman veranstalten. Des öfteren kommen einige Schwarze - Neugierde verbergend - hinzu und bewundern heimlich den Baufortschritt. Meine wiederholten Fragen an die zwei nach Arbeitserlaubnis und Gewerkschaftsmitgliedschaft rufen immer wieder Heiterkeit hervor. Meine Fragen nach Arbeitsmoral und – tempo werden jeweils mit "karibisch" beantwortet. Mit einem gemeinsamen Bier verabschieden wir uns und tatsächlich erscheint der Immigrationsbeamte, allerdings hustend, triefend und mit tränenden Augen. Oh je, der Mann feiert Karneval. Ich frage ihn danach. Und weiter hustend erklärt er mir, dass er seit 4 Tagen eine Grippe hat und er sie nicht auskurieren kann, weil er so viel Arbeit hat. So ein Pflichtbewusstsein macht mich sprachlos, fasst bedrückt es mich, dass ich ihm die Umstände meiner Ausklarierung auch noch aufbürde. Doch dann ist alles erledigt, er klammert die Belege zusammen, überreicht sie mir mit guten Wünschen für eine weitere Reise und bittet mich, nun den gegenüberliegenden Schalter, den des Zolls zu besuchen. Dort wartet der Beamte bereits seit ich am Morgen auf der Matte stand und seine erste Tätigkeit ist, die gerade gehefteten Belege zu entheften und neu zu sortieren. Dann schreibt auch er schnell seine Aufzeichnungen und schon kann ich mich verabschieden.
Mein Dinghi bringt mich zur Equinoxe und ich beginne, sie auf den Törn vorzubereiten. Am Nachmittag habe ich kleine Probleme mit der Steuerung, kann sie jedoch beheben und mit guter Fahrt geht es in die Nacht. Aus gutem Grund freue ich mich, dass ich bei aller Aufmerksamkeit keine anderen Schiffe sehe. Nach dem zweiten Frühstück sehe ich Land und am Nachmittag erreiche ich
Grenada, Prickly-Bay, eine Bucht im Süden der Insel,
lasse den Anker in den weichen Sand fallen und mich in den Schlaf.
Wie Christel mir mailte, ist die Prickly-Bay ein MUSS für jeden Segler. Eine nach Süden zur caribischen See offene Bucht. Von den meist östlichen Winden geschützt. Leider weht es zur Zeit ganz kräftig, so dass Schwell entsteht und die Schiffe immer in Bewegung sind. Ab und an holen sie ganz kräftig über. Einfach mal eben so eine Tasse abzustellen sollte man nicht wagen. Da haben es die Cats besser, die liegen doch ruhiger. Neben mir hat gerade eine Lagoon 500, der Name Panorama passt, den Anker ausgelegt. Kanadier, kommt aus Quebec, Ich dachte, wir wären mit unseren Sonnenpaneelen überdimensioniert. Kann nicht, er hat 8 x soviel. Die Größe Boot kommt schon einer mittelgroßen Wohnung gleich.
In den nächsten 14 Tagen hier mache ich erst mal das, was einen Fahrtensegler ausmacht: In den schönsten Häfen der Welt ist er mit der Instandhaltung seines Bootes beschäftigt. Ich habe
2 neue Relingsdrähte eingezogen,
Genua 1 repariert und neuen UV Schutz aufgelegt,
Motorraum-Isolierung (die alte bröselte so vor sich hin) zu 80 % erneuert, kein Material mehr da
Kühlschrank unter dem Kartentisch installiert,
2 Ventilatoren (im Auftrag von Hella Lüdenscheid in China gefertigt) installiert,
einen Zweit-Anker (ich hatte doch in Surinam einen verloren) habe ich auch wieder
viele Kleinarbeiten (alles Hobby)
Ja, so einiges hatte sich doch ergeben. Salz, Wind und Sonne greifen die Außenhaut, Rigg und Segel ganz schön an und unter Deck lässt so manches Teil auch seine Lebensdauer von über 20 Jahren nicht verheimlichen.
Insgesamt liegen hier etwa 40 Boote (überwiegend 40-50 Fuß) und es herrscht ein reger Dinghi-Verkehr zur Marina im Norden, dort ist der Budget-Marine-Shop, der (fast) alle benötigten Ersatz- und Renovierungsteile auf Lager hat. Daneben einen Segelmacher und einen Rigger. Welch ein Glück, mit katzenartiger Geschwindigkeit entert er drei mal den Mast der Equinoxe und klariert das Fockfall. Für jeden Wunsch haben sie ein offenes Ohr, wissen Hilfe, sind nett, Terminabsprachen werden eingehalten, Preise werden eingehalten, dazu ein kleines, preiswertes Restaurant mit Dinghi-Steg.
Im Ostteil ist die Marina mit einem Steg für etwa 10 Boote, die schwellbedingt aber immer kräftig an den Leinen ziehen. Eine kleine Tankstelle dabei, Restaurant, Bar, Mini-Markt, Wäscherei (Waschladen, gut, schnell, preiswert), und auch hier ein Dinghi-Steg.
Hier sind auch Zoll und Immigration untergebracht.
Ein freundlicher Beamter empfängt: Können Sie das schon mal ausfüllen, wir besprechen dann alles weitere. Wichtig ist, so wird vorher erklärt, dass die Crewliste vorgelegt wird. Ich erkläre, dass ich Master und Crew bin und ob er immer noch eine Crewliste will. Will er nicht. Alles ok. Ganz unabhängig von meinen geheimen Wünschen stelle ich fest, dass auch er meint, dass ich mit Crew vollkommener bin. Mit einigen Informationen über die Insel reicht er mir schon Pass und Einklarierungspapiere zurück. Ein nettes Willkommen.
Also da fällt mir auf, dass es hier doch etwas lascher als im früheren Mutterland zu geht. Denn dort werde ich immer noch mit Sir und Captain angesprochen. Im offiziellen Teil fragt man hier auch noch nach Captain oder Master, doch im nicht so offiziellen da bin ich plötzlich (nur) Skipper. Und ganz despektierlich begrüßt mich doch mein Rigger mit einem breitgezogenem "Hai Skip". Die von den Tommys gut eingeführten Sitten und Gebräuche werden durch den Einfluss der Amis doch salopper behandelt.
Ich treffe Karin und Roger von der Nabucco II, wir sahen uns in Brasilien und zuletzt in French Guyana. Sie haben ihr Boot zur Überholung hier an Land setzen lassen. Wir verbringen einige schöne Abende. Doch bevor die Nabucco wieder schwimmt, zieht es mich schon wieder weiter.
Ich möchte nach Carriacou, eine zu Grenada gehörende Insel Dort ist auch Ausklarieren möglich, wenn ich weiter nördlich nach St. Vincent und seinen Inseln will.
Schon früh am Morgen den Anker aufgeholt, denn der Weg bedeutet einen Tagestörn. Und der muss um 1800 h abgeschlossen sein. Da bleibt keine Zeit mehr, die Dämmerung bricht herein und es ist dunkel. Dunkel ist hier wirklich dunkel. Und da möchte ich nicht in eine Bucht hineinfahren. Der Südteil der Insel ist schnell gerundet und dann heißt es Kurs am Wind. Doch wiederum hält der Autopilot nicht den Kurs. In Lee der Insel kann ich bei langsamer Fahrt alle Anschlüsse prüfen, Kompass und Rechner schütteln und siehe da, nach 3 x aus- und einschalten macht er wieder seine Arbeit. Hatte ich aber doch einiges an Zeit verloren, hieß es jetzt mich zu sputen. Also nahm ich einen Kurs weiter von der Insel entfernt und hier machte die Equinoxe schnelle Fahrt. Je weiter ich nach Norden kam, desto windiger wurde es. Fast unmerklich hatte sich auch eine Dünung von etwa einem Meter ergeben, dann fielen ganz mächtige Böen ein und als dann auch noch das Dinghi umschlug, ich hatte es mal wieder gewagt, es hinterherzuziehen, was ja bei mittleren Winden möglich ist, aber heute nicht, habe ich schnell das Boot in den Wind gefahren, mir ist es geglückt, das Dinghi wieder umzudrehen und dann langsam Lee der Insel gesucht. Nun, unter Land wieder zurückgesegelt und in
St. Georges, der Hauptstadt Grenadas
einen Superhafen gefunden. Alle Infos lauteten, dass eine Marina im Bau ist. Hatte draußen schon einen Ankerplatz ausgeguckt und denke, fahre doch mal rein, wie die Bucht von St. Georges aussieht. Gut sieht es aus. Einige Stege sind schon fertig und .... ich wurde schon reingewunken. Da sag ich nicht nein. Es ist die Marina Port Louis. Strom, Wasser, Internet, TV bieten die Stegsäulen. Die Sanitäranlagen vom Feinsten: Dusche, Toilette, Waschbecken und Sitzbank als abgeschlossene Einheit. Restaurant und daneben Swimming-Pool. Aufmerksames Personal, 24 Stunden Security, alles sauber. Das Ankerfeld liegt zwar nicht sooo weit draußen, doch mit einem 2 PS Motor bedeutet es schon fast, Reiseproviant mitzunehmen. Natürlich ist es auch in einem nicht schaukelndem Boot schöner zu arbeiten. Es war ein schöner Segeltag. Und nun genieße ich mal wieder Hafenleben.
Noch einigen Tagen bin ich (wieder mal) reisebereit. Fahre in Lee der Insel den bekannten Pfad bis zum Nordteil und kneife dort Höhe, damit ich durch die Ostströmung nicht zu weit nach Westen gesetzt werde. Daneben ist hier ein aktiver Unterwasser-Vulkan und das Gebiet ist verboten zu überfahren. Meine Navigationsüberlegungen treffen ins Volle. Werde zwar durch Wind, Strömung und einem Unwetter stark gebeutelt – der Segelmacher konnte es wieder richten, doch um den Kauf einer neuen Schot kam ich nicht umhin, und erreiche
Carriacou, die Tyrrel-Bay,
so rechtzeitig, dass ich noch einen Willkommenstrunk an Land nehmen kann. Etwa 3 Dutzend Häuser und Hütten machen die Bay aus. Ein paar "Restaurants" und "Supermärkte" entlang der Straße, eine Hafenanlage, die einen Kran ihr eigen nennt und ein Restaurant mit WiFi, das ist es schon. Eine schöne geschützte Bay, ein guter Ankerplatz.
Nach Besuch der Hauptstadt Hillsborough, erkunde ich bei einer Wanderung über die Hügel die gegenüberliegende Wasserseite und ziehe mir bei einem Sturz eine böse Knieverletzung zu. Da ist erst mal Ruhe angesagt.
Als die Wetterprognose Wind südöstlich heißt, passiere ich den Westteil der Insel, runde den Norden und ankere zwischen den
Inseln Petite Martinique und Petit St. Vincent.
Am folgenden Tag gesellt sich die Bomika, das sind Charly und Lisa, die BOhnes MIt KAtzen, in meine Nähe. Sie wollen nach Trinidad und Tobago und dann weiter nach Surinam und Brasilien. Kann ihnen einige Infos, Tabletten und Telefonkarte geben. Für Brasilien gebe ich ihnen einen Reiseführer und einen Straßenatlas. Ich wusste doch, dass ich noch jemanden treffe, der das gebrauchen kann.
Die Insel hat etwa 2 Kilometer einspurige Betonpiste, der Rest sind Schotterwege. Etwa 300 Einwohner und ein annehmbares Restaurant, welches eine gute Küche bietet.
Obwohl die Sonne scheint und immer Wind vorhanden ist, bemerke ich, dass seit einigen Tagen die Batterien nicht mehr so voll laden wie bisher. Bei meiner Kontrolle stelle ich fest, dass zwei der Lichtbatterien beim Laden schon warm bis heiß werden. Das bedeutet, sie sind hin. Obwohl ich doch gern weiter in den Norden der Windwards wollte, sehe ich dieses als Zeichen des Himmels, zurück zu segeln nach Grenada. Dort gibt es entsprechende Batterien zu kaufen. In der Marina werde ich wieder freundlich empfangen; sind doch so viele Liegeplätze frei.
Nach einigen Preiserkundigungen im Auto- und Bootszubehör werde ich beim Budget fündig. Ich entsorge auch die dritte Batterie, denn die würde in Kürze sowieso zusammenbrechen. Ein netter Marinero hievt sie an Bord und stellt sie auch gleich entsprechend meinen Wünschen auf. Mein immer noch lädiertes Knie dankt es ihm. Nun habe ich 390 Ah zur Verfügung. Mit Sonne und Wind kann ich nun wieder powern.
Zugleich ist in Grenada großes Wiedersehen. Klopf, Klopf an Bord. Ich sehe hinaus. Niemand da. Doch im Dinghi sitzen Rainer und Birgit von der Elsa. Sie haben die Equinoxe reinfahren sehen. Später kommt auch die Bomika. Beide ankern draußen. Auf beiden Booten verbringen wir gesellige Abende. Dann meldet sich die Aleppo mit Kurt und Karin, dass sie bald kommen wollen. Von der Bomika höre ich, dass die Schiwa mit Manfred und Gudrun auch bald eintreffen werden. Das wird doch wieder ein zünftiger TO-Abend.
Mit Karin und Kurt und ihren Gästen machen wir eine Inselrundfahrt. Uns erstaunt, dass wir etwas höher gelegen eine urwaldähnliche Vegetation vorfinden. Fast alle Gewürze der Insel lernen wir dabei kennen. Besuchen Muskat- und Schokoproduktion. Es wird noch Handarbeit geboten. In einem Restaurant in der malerischen Carenage (ein Teil der Bucht) von St. George's, in der die Tagesfischer festmachen und ihren Fang anbieten, lassen wir den Abend ausklingen.
Nachdem die Batterien der Equinoxe so plötzlich und schnell nachgelassen haben, merke ich wie meine, meine ganz persönlichen Batterien auch nicht mehr die volle Leistung bringen. Und die kann ich nicht so schnell neu kaufen, die brauchen eine längere Erholungsphase. Und ich möchte doch nach Trinidad und dann noch weiter. Sehe mir mal die Navigation an. Mehrmals. Also unter Berücksichtigung der vorherrschenden Winde, der immer vorhandenen Strömung, der Gefahren der Piraterie (besonders das Dreieck Tobago-Trinidad-Grenada und entlang der Küste Venezuelas ist betroffen) und besonders meiner nicht mehr vollen Batterien wäre ein Verbleib in Grenada nicht das Schlechteste. Allerdings, bald kommt die Regenzeit, die hohe Luftfeuchtigkeit dringt auch ins Boot, Gefahr von Schimmelbildung und Rott. Bis jetzt hat alles gut gegangen, doch einige Segler berichteten von neuen Polstern und Entsorgung der Kleidung. Weiter westlich in der karibischen See ist es trockener. Venezuela und seine Inseln oder die niederländischen Antillen, Aruba, Bonaire und Curacao (ABC-Inseln)?
Ich frage Paul.
Paul Suominen ist gebürtiger Finne. Christel und ich haben ihn auf Madeira getroffen. Er war kurz vor der Vollendung seiner Weltumsegelung. Einhand. Wir haben seine Ruhe und Gelassenheit bewundert. Er verstand sich darauf, mit "einfacher" Ausrüstung große Törns zu machen. Was man nicht hat, braucht man nicht zu reparieren. Paul ist in Venezuela hängen geblieben.
Seine Antwort: Komme nach Trinidad oder Margarita, ich komme zu dir und lotse dich nach Puerto la Cruz. Die Kriminalität hier ist hoch, doch ein Platz für die Equinoxe ist sicher.
Es macht mir Mut.
Mail an Paul. Ich segel nach Margarita. Von dort folgt weitere Nachricht.
Nun erst mal tief durchatmen. Navigation. Nördlich oder südlich der Islas los Testigos? Das ist schon venezuelanisches Staatsgebiet. Nachts ohne Licht? Kein Navi-Licht? Es könnten Klein-Fischer dort draußen sein. Die Caribic News gibt 25 Ratschläge für das Verhalten in diesen Gewässern. Christel fragt auch schon mal so ganz hintenrum, wann ich denn wohl und wohin starten will.
Ich plane, am Morgen zu starten, den Tag, die Nacht und den folgenden Tag durchzusegeln. Da ich in diesem Gebiet nicht schlafen werde, werde ich am zweiten Abend so müde sein, dass ich dann ankern muss, das heißt, in Lee einer Insel sein muss. Ich denke an Isla Margarita.
Ich klariere im YachtClub von Grenada bei einem sehr unfreundlichen Immigrationsbeamten aus. Die Hafenmannschaft macht mir noch ein Geschenk in Form von 2 freien Liegeplatztagen und ist bei der Berechnung von Strom und Wasser mehr als großzügig. Da lande ich gerne wieder an. Doch nun Leinen los und auf geht's. Ich fahre durch das Ankerfeld und Elsa, Bomika und Schiwa winken mich mit Trompetengetute aus. Die Windvorhersage versprach mir eine zügige Fahrt lediglich unter Genua. Anfänglich noch wenig Wind, mach ich dann 5-6 Knoten. Später packe ich dann doch das Groß aus, allerdings für die Nacht stecke ich ein Reff ein. Es läuft gut an. Westlich von Grenada ankern in Abständen von einigen Meilen einige Großfrachter. Erst mal beruhigend. Dann kein Schiffverkehr. In der Nacht sehe ich nördlich einige sehr weit entfernte Lichter. Ich passiere die
Islas los Testigos
und mache dort lediglich ein Licht aus. Es ist das nördliche Navi-Licht der Inseln. Wie recht, dort nachts nicht anzulanden. Bis nun habe ich noch halben Mond und ich kann das Gewässer um mich einigermaßen ausmachen, doch noch einige Zeit dann ist es dunkel. Es ist morgens 04:30 h, ich sehe zwei Lichter vor mir. Steuerbords wird schwächer, doch backbords wird stärker und ich sehe rot und grün. Das bedeutet Kollisionskurs. Wat nu? Ich falle ab, das heißt, ich segele weiter nördlich. Licht ändert sich nicht. Ich halte mich an die Seeschifffahrtsstraßenordnung. Dreifarbenlaterne an. Kurs beibehalten. Noch einige Male wechselt die Farbe des Entgegenkommenden, dann bleibt es rot und ich sehe beruhigend seiner Hecklaterne nach. Ein schnell fahrendes Teil. Vermutlich eine Fähre. Im Morgengrauen passiere ich einige Kleinfischer, ich sehe keine Lichter. Während des Tages sind alle Boote weit entfernt und keines hält Kurs auf die Equinoxe. Am Mittag kommt die
Isla Margarita
in Sicht. Fahre in die sogenannte Hilton-Marina, doch die in der Seekarte (Papier und Elektro) eingezeichneten Stege sind nicht vorhanden. Mein Versuch, an der Mole festzumachen, wird sehr unfreundlich zurückgewiesen. Verlasse den ungastlichen Hafen, fahre um das nächste Kap und werfe den Anker in der
Bucht von Porlamar
in 4 m Tiefe aus. Anker hält gut. Leider seitlicher Schwell, aber heute erträglich. Positionsmeldung an Christel. Desgleichen an Paul. Mache das Boot klar, nehme ein erfrischendes Bad und kann mich dann schon mit einem Sundowner vergnügen. Dabei stelle ich fest, dass mir die Augen zufallen.
Es ist 23:30 h. Klopf klopf. Hier ist Paul, Berthold bist du an Bord? Ja. Ein Wasser, ein Bier, gönnen wir uns auf das Wiedersehen und dann schnell schlafen gehen. Morgen um 06:00 sollten wir starten.
Die Zeitverschiebung zwischen Grenada und Venezuela hatte ich nicht berücksichtigt, so hatte ich den Wecker um ein halbe Stunde zu spät gestellt. Ein kleines Frühstück und dann ankerauf. Paul übernimmt das Ruder, so habe ich etwas Zeit, den Tag ruhig anzugehen. Die Fahrt verläuft ohne besondere Vorkommnisse und kurz vor der Abenddämmerung erreichen wir
Puerto la Cruz,
das venezuelanische Festland, die Tech Marina Oriental und einen Stegplatz. Der Wind weht immer noch kräftig, doch lässt er später nach. Spätestens ab Mitternacht ist es windstill. Jeden Tag. Ach, was schlaf ich wieder gut.
Am folgenden Tag ist Einklarierung angesagt. Ich folge der Empfehlung des Navigationsführers sowie des Lotsen Paul und bediene mich eines Agenten. Das ist hier sehr zweckmäßig.
Nun habe ich mal wieder begonnen, die Equinoxe von Salz und Schmutz zu befreien. Dabei merke ich verstärkt, dass meine Batterien nachlassen. Ja, liebe Leute, die Luft ist raus, kein Dampf mehr drin, kein Power mehr. Nach soooo langer Zeit Einhand möchte ich nur noch eines. Nach Hause, zu Christel, zu meiner Mannschaft. Doch dazu ist noch einiges vonnöten und sooo schnell wie ich möchte, geht es denn dann doch nicht. Ich möchte die Equinoxe an Land gut und sicher abstellen können, dazu sind einige Papiere notwendig, gut dass der Agent sich in den heute gültigen Regeln und Vorschriften auskennt und jeweils entsprechendes veranlassen kann. Er kann auch einen Flug nach Frankfurt buchen. Nachdem wir nun Trans-Atlantic gemacht haben, heißt sein Büro treffenderweise Trans-Pacific. Doch das will ja für uns nichts heißen.
Unser Log zeigt 10.330 Meilen, das sind 19.130 Kilometer.
Liebe Grüße
Berthold





Die große Fahrt der Equinoxe, Standortmeldung 27 eingegangen 9.02.2010

Tobago
Liebe Leute,
Ihr habt es ja auch geahnt, dass mein Aufenthalt in Suriname sich dem Ende zu bewegt. Wieder mal steht ein Abschied an. Noch einmal wird in gemütlicher Runde, die in den vergangenen Wochen merklich geschrumpft ist, ein Djogo geöffnet. Ich bitte Rita, mir doch 2 kleine Bami mit Kip für den ersten Tag mit auf den Weg zu geben. Den Rest meiner Suriname-Dollars setze ich in Fruchsaft und Parbo um.
Früh am Morgen beginn ich, die Equinoxe klar zu machen – das Bimini-Tuch abnehmen, noch schnell das Geld für die Mooring in einen Umschlag und an Jelle gegeben zur Weiterleitung an das "Büro", Sicherungsleine zur Mooring gelöst, das Dinghi auf das Vorschiff gehievt, Luft raus, aufgerollt und unter den Baumniederholer geschoben, gesichert und – Motor gestartet. Navigationsinstrumente eingeschaltet, noch einmal alles gecheckt, ein paar Kleinigkeiten bleiben –wie immer - noch zu erledigen und dann die Mooringleine gelöst. Langsam bewegt sich die Equinoxe von der Mooring weg. Es ist Hochwasser, ich werde mit dem nun ablaufenden Strom, der später immerhin 2,5 Knoten erreicht, hinaus fahren. Wiederum geht es an den schönen Häusern im Kolonialstil und später an Paramaribo vorbei, der Einfahrt zum Commewijn Rivier vorbei, dann noch einige Meilen in der Fahrrinne bis zur sicheren Wassertiefe von 3,50 m. Bis zur Fairway-Tonne waren es schon 6 Stunden Fahrt. Die Farbe des Wassers zeigt immer noch graubraun. Mittlerweile war schon einiges an diesem graubraunen Wasser über die Equinoxe geflossen. Die Welle stand nicht so günstig. Doch, keine Sorge, das wird noch alles wieder abgespült, und ohne mein Zutun. Nach weiteren 5 Meilen, die Wassertiefe war langsam aber stetig auf 8 m angestiegen, änderte sich die Farbe nach graugrün.
Leider wird aber das Wasser nicht ruhiger. Die See läuft durcheinander, wie man so sagt, und dann ist trotz guten Windes schwer Kurs zu halten. Viel Wasser kommt über, auch in die Plicht. Natürlich ist es sehr erfrischend, doch es ist Salzwasser und das habe ich nicht so gerne im Boot. Es ist die folgende Nacht durch immer ein feiner Salzniesel in der Luft, und obwohl alle Luken und auch der Niedergang dicht sind, spüre ich auch innen die Feuchtigkeit. Ich habe alle Dinge im Boot gut gesichert (habe ich wieder mal gedacht) und zwischendurch höre ich da etwas fallen und dort etwas scheppern. Dann fliegt mir auch noch der große Brotkorb, in dem ich geschnittenes getrocknetes Brot für mehrere Tage bewahre, aus dem Regal. Bei der unregelmäßigen Schaukelei ist es mühsam auch die Krümel aufzunehmen. Na ja, bei Tag wird das besser gehen.
Meine Landstation, Christel versorgt mich mit Wetter- und Navigationsdaten á la Routenplaner: "morgen dreht der Wind mehr nach Ost, dann kannst du Höhe laufen, die Windgeschwindigkeit wird zum Abend zunehmen, die Welle ist gleichbleibend. Einige Regenfelder sind weiter nördlich, wirst aber nicht ausweichen können. Am Morgen wird weniger Wind erwartet, kannst die Segel wieder voll stehen lassen". Außerdem hat sie all ihre Engel zu mir geschickt, damit ich mal ein Auge zu machen kann.
Ich halte den Kurs erst nach NordOst, damit ich von der Küste und von den (wenigen) Fischern freikomme. Erst nach Mitternacht bin ich soweit draußen, dass ich es wage zu schlafen. Noch zwei mal schrecke ich auf, schnell den Niedergang hoch und eine Rundumsicht. Alles ist dunkel um mich herum, da dürfte nichts im Weg liegen. Schlafen und wachen lösen sich ab.
Die Wettervorhersage trifft zu. Zugleich wird die See gleichmäßiger, es kommt nicht mehr so viel Wasser über. Im Nachhinein gesehen, bestätigt sich auch unsere Entscheidung, uns in Brasilien von den Fahrrädern und der Nähmaschine zu trennen, denn so taucht das Vorschiff nicht mehr so tief ein.
Noch einmal die Segel getrimmt, die Windsteueranlage auf den neuen Kurs eingestellt und danach beginnt ein angenehmer Teil der Segelei. Essen, Trinken, Schlafen, Wachen läsen sich ab. Christels täglich aktuelle Wetterdaten versprechen weiterhin problemloses Reisen. Insgesamt drei große Dampfer, davon einer in der Nacht, kreuzen meinen Kurs. Will sagen, mehr habe ich nicht gesehen bzw. gehört.
Nach 4 Tagen erkenne ich unter einem wolkenverhangenen Himmel, der mich regelmäßig mit Regenschauern eindeckt,

Tobago, die kleinere Insel der Republik Trinidad und Tobago.
Ich freue mich, ich freue mich auf´s Schlafen, auf ein beruhigtes Schlafen. Ich umfahre den Nordteil der Insel und schon nach weiteren zwei Meilen kann ich schon die Segel herunter nehmen. Vor mir liegt die "Man of Wor Bay", etwa 2 x 2 km im Rund, noch einmal erlebe ich einen kräftigen Regenschauer, alle Salzgarderobe liegt draußen, kann Regenwasser gut gebrauchen, die Sonne kommt durch und was sehen meine müden Augen? Acht Yachten vor Anker, auch Kees und Ria mit der Marielle, die ich von Suriname kenne, sind schon dort. Fahre einmal durch das Ankerfeld zugleich nach Bekannten Ausschau haltend und lege dann auf 14 m den Anker aus. Neben mir ein Belgier, ein Norweger und ein Franzose. Es ist wieder international. Später sehe ich, dass auch noch ein deutsches Boot angekommen ist. Die Sunrise aus Berlin.
Um mich schauend sehe ich baumbewachsene Hügel, einen kleinen Strand, etwas Felsen, ein kleines Dorf, Charlotteville, etwa 25 Getränke-, Imbiss-, Obst- und Souvenir-Shops, etwas Strand und wieder Felsen.
Später kommen Kees und Ria vorbei, sie wollen einklarieren und schnell schließe ich mich an. Problemlos innerhalb 2 Stunden alles erledigt und der 2. Pass mit US-Visum macht keine Probleme, er bekommt seinen Stempel auch ohne den Ausklarierungssstempel von Suriname.
Und dann atme ich wieder mal auf. Was hab´ ich es gut getroffen. Karibik von seiner schönsten Seite. Guter Ankergrund, fast kein Schwell, blaues Wasser bis in Türkis-Töne. Da muss ich doch mal schnell reinspringen. Doch stopp. Tummeln sich da gerade zwei halbe Meter Fisch am Heck der Equinoxe. Habe ich doch einige Sekunden gewartet.

Charlotteville, ein Ort mit etwa 1000 Einwohnern. Es gibt eine Polizeistation, Zoll- und Immigrationsbüro, einen Geldautomaten, einen Supermarkt mit einer Poststelle, drei Restaurants von denen eines meist geöffnet hat, einen Sportplatz und die vorher erwähnten Verkaufsshops, die am Strand entlang aufgebaut sind. Hier entlang der Straße trifft man sich, sitzt vor einem Verkaufsstand oder auf der Ufermauer und bespricht die wichtigen Dinge des Tages. Ich gehe vorbei und grüße, ein Gruß kommt auch zurück, woher und wohin. Alle samt und sonders freundlich, ein Lächeln dazu, bei Fragen helfen sie gerne und ausführlich. Ganz besonders fällt mir auf, dass es überall sehr sauber ist. Es liegen keine Flaschen, Dosen oder Plastiktüten herum. An einem kleinen Strandstück, an dem ich frühmorgens anlandete, sah ich sogar, dass hier geharkt und gefegt wurde.
Der Gezeitenunterschied liegt bei etwa 1 m. Eine Welle von etwa 30 cm bricht sich am Strand. Diese muss zum Anlanden mit dem Dinghi überwunden werden. Mein erster Landgang fand daher mit pitschnasser Kleidung statt, ich habe verschiedentlich erklären müssen, dass ich Wassersport betreibe. Nach einer Stunde Sonne und Wind waren lediglich noch einige Salzspuren vorhanden. Die künftigen Anlandungen finden nun dank der von Norbert projektierten und excellent gearbeiteten Dinghi-Räder statt. Kurz vor dem Strand kann ich die Räder abklappen, fixieren und ohne den Motor anzuheben auf den Strand fahren. Das Dinghi einige Meter auf den Strand gezogen und mit der Vorleine gesichert. Nochmals Danke Norbert. Das musst Du Dir einfach ansehen.
Nun werde ich erst einmal Tobago erkunden. Ein Tauch- und Schnorchelparadies verspricht die Tourist-Information. Es gibt viel zu wandern, hohe Wasserfälle und mit dem Insel-Bus sind auch die ferneren Orte zu erreichen.
Wie hatte ich gesagt, fast kein Schwell. Völlig unerwartet, weil weder Landstation noch ich das Wetter weiter beobachteten, kommt am frühen Morgen Schwell auf. Nun, es ist nicht der berühmte Hexenkessel, aber auf dem Weg dorthin schon. Den Tag über und auch die Nacht hindurch laufen hohe Wellen in die Bucht. Karussell ohne Unterbrechung. Schlaf nur stundenweise. Da ist kein Landgang möglich. Die Brandung würde Dinghi und Besatzung zwei mal umspülen und erst dann an Land werfen. Die Mariellche, das große Dinghi, versucht es. Außenborder stark gelitten. Navigationslicht zerbrochen. Nichts verdient. Ich kann Kees und Ria mit einem kleinen Parbo etwas trösten.
Auf dem Atlantik, in Höhe Suriname, ist Starkwind aufgetreten, der verursacht entsprechend hohe Wellen und diese laufen nun nach Westen durch.
Nun hat die Bucht - bis in die Ecke der Piratenbay - wieder das liebliche Wasser, türkisfarben, ständig einladend zum erfrischenden Bad…….

Liebe Grüße
Berthold





Standortmeldung vom 29.Januar 2010

Die große Fahrt der Equinoxe, Standortmeldung 26
Suriname

Liebe Leute, was macht eigentlich Berthold?
Noch immer liegt die Equinoxe im Suriname-River, der hier, nahe der Hauptstadt Paramaribo, graubraun aufgrund der mitgeführten Sände und unter dem Einfluss von Ebbe und Flut etwa 6-stündlich seine Richtung wechselt. Es ist Süßwasser und es lässt sich herrlich in ihm schwimmen***. Nun, das Unterwasserschiff ist in Salvador überholt, hat noch keine Muscheln angesetzt und hier wird es auch nicht leiden. Lediglich ein grauer Schleier setzt sich an, der jedoch ohne Mühe wegzuwischen ist, kein Algenbewuchs. Das Dinghi hat sich farblich etwas angeglichen, auch nach über 4 Wochen Wasserkontakt lässt sich der Lehm ohne Schwierigkeit abwischen.
Viele der hier Station machenden Segler sind schon auf den Weg in die Karibik verabschiedet, so dass ich eine freie Mooring aufnehmen und ganz beruhigt das Land kennenlernen konnte. Nach zweimaligem Slippen des Ankers hatte er sich mittlerweile so gut eingegraben, dass ich nicht mehr befürchtete, dass er hält, sondern meine Sorgen gingen dahin, wie ich ihn wieder aus dem Grund bringe. Ich wusste hilfsbereite Segler um mich und bei ruhigem Wasser, also zwischen Ebbe und Flut, und mit ein wenig Motorhilfe konnte ich ihn aus dem Schlick befreien.
Also zuerst mal wieder Paramaribo besuchen. Die Museen, Kirchen, Moscheen, Synagoge, Gebetshäuser etc. und nicht zu vergessen, bei Gelegenheit ein Bier und ein Kaffee am Straßencafé oder in der Waage, in der früher alle Plantagenerzeugnisse gewogen wurden, einzunehmen. Hier, mit Blick auf den Surinam River, in dem unübersehbar das Wrack eines deutschen Kriegsschiffes aus dem Wasser ragt, lässt es sich vortrefflich träumen. Hier landeten die Plantagenprahmen, um ihre Fracht auf die Großsegler umzuladen, die dann den Weg nach Europa antraten. Mehrmals habe ich hier gesessen und mich ansatzweise in die surinamesische Geschichte gelesen und eine kulturelle, religiöse Mischung entdeckt, deren Ursprung in alle Erdteile führt. Viele interessante Unterhaltungen über die Sklavenzeit, die Zeit danach, die Revolution, die Militärzeit und das Heute runden die Informationen ab. Das Straßenbild gibt es wider. Menschen sooo vieler Rassen und alle in einem verträglichen Miteinander. Gern setzen sie sich zu dir und möchten etwas über Deutschland und Europa hören.
Von Paramaribo, dem Commewijn River, und auch von Domburg, dem Surinam River, konnte ich verschiedene Plantagen besuchen, die an die französische, portugiesische und jüdisch-niederländische Kultur erinnern. "Nijt en Strijt" (Neid und Verdruss), "Werk en Rust" (Arbeit und Ruhe", "Hoop" (Hoffnung), aber auch Marienburg sind Namen von Plantagen. Orte wie Groningen, Wageningen, Lelydorp aber auch Hannover und Berlin gibt es. Bei einem abendlichen Miteinander in der Plantage Laarwijk sagt mein Gesprächspartner Ramboe plötzlich fast akzentfrei: "Gutten Morgen, ich libbe dich". Erst pruste ich vor Lachen, mein Erstaunen ist vielfach größer, als er seinen Oberarm freimacht und mir sein tätowiertes Hakenkreuz zeigt mit den Worten "Hitler groß". Es erforderte mehrere Biere ihn in einen wahrheitsgerechten Wissensstand zu versetzen. Wir haben uns danach noch einige Male getroffen. In der vorigen Woche hat die Plantage Stromanschluss bekommen. Ein Fest. Die Hauptwege sind nun des Nachts beleuchtet. Fernsehen hält Einzug. Musik kann länger gespielt werden, denn oft reichte die Batterien-Kapazität nicht für eine Nacht. Trockeneis für Kühlboxen muss nicht mehr per Schiff geliefert werden. Das surinamsche Parbo-Bier kann nun im Kühlschrank auf Trinktemperatur gebracht werden.
Der besondere Clou für die Plantagenbewohner zeigt sich jedoch darin, dass die Mücken nun zum Licht fliegen und nicht mehr so sehr beim abendlichen Miteinander stören, wie sie mir erfreut mitteilen.
Surinam ist das grüne Land Südamerikas. Der größte Teil ist Wald. Das Amazonas-Waldgebiet erstreckt sich bis in das weiter nordwestlich gelegene Guyana (manchmal noch britisch Guyana im Gegensatz zu französisch Guyana genannt). Reisen in das Innenland sind mit großen Gefahren verbunden; so ähnlich und kurz und knapp wird der Tourist informiert.
Ich bin mit einem Bus über 6 Stunden nach Atyoni, an das Ende einer vorhandenen Straße gefahren. Dort in ein Kanu gestiegen mit der flusserforderlichen Bauqualität und einem 40 PS Motor, und über eine Stunde den Fluss hinaufgefahren. Über die Stromschnellen hinweg, oft einen Höhenunterschied von etwa 30 cm bewältigend. Der Kanukapitän kennt seinen Weg. Mit Vollgas fährt er auf die befahrbare Lücke zwischen den Steinen zu, das Boot muss nun den Höhenunterschied bewältigen, im notwendigen Moment hebt er den Motor an, damit der Propeller nicht beschädigt wird, und schon gibt er wieder Vollgas, denn sonst würde das Kanu zurück getrieben.
In diese Abgeschiedenheit haben sich früher die entflohenen Sklaven begeben. Hier haben sie eine Natur ähnlich ihrer angestammten Heimat Westafrika gefunden und wussten sich ihr Leben einzurichten. Sitten und Gebräuche entsprechen noch heute der Heimat ihrer Vorfahren.
Ich bin in Anaula, einer Insel im Flusswirrwarr und erlebe Urwald Luxus. Eine Hütte mit Bett und Moskitonetz. Frühstück in einfacher Form – wie auch die übrigen Mahlzeiten – dient der Sättigung und nicht der Völlerei. Wasser und Fruchtsäfte stehen pausenlos bereit. Von hier aus werden Wanderungen und Ausflüge zu nahe gelegenen Ortschaften unternommen. Am Abend gibt es jedoch auch zur Belohnung ein mit dem Kanu herantransportiertes Parbo.
Ich entschließe mich, nach einigen Tagen mit einem kleinen Propellerflugzeug in einigen hundert Metern Höhe über den Regenwald, zuerst dem Fluss folgend bis zu einer Straße und von dort dieser folgend zurück nach Paramaribo zum Flugplatz "Zorg 'n Hoop" (Sorge und Hoffnung) zu fliegen.
Domburg und die Equinoxe sicher an der Mooring bietet nach jeder Rückkehr wieder Raum für Erholung. Mir gegenüber liegt ein Segelboot an einer kleinen Insel, auf der eine Hütte steht. Ein niederländisches Seglerpaar hat viele Tausend Plastikflaschen gesammelt, sie wurden gebündelt, zusammengebunden, anschließend in Fischernetze eingebunden und aufs Wasser gelegt. Dann wurde Erde aufgehäuft. Mit Sträuchern und Bäumen bepflanzt und der besagten Hütte bietet die Insel ihnen ein neues Zuhause. Am Abend trifft man sich bei Rita und Robbert, in einer Imbissstube. Die erste Bestellung heißt: ein Djogo, landesüblich eine große Flasche Bier, die jeder mit jedem teilt, erst dann wird jemand eine neue Flasche holen, so ist das Bier allzeit kühl, zum Essen gibt es Bami oder Nasi met Kip. Hier kommen auch gerne die Einheimischen und auch eingewanderte Niederländer um aus Europa das zu hören, was die Nachrichten verschweigen. Eine gewisse Gemütlichkeit breitet sich aus, mittlerweile kennt man sich, eine kleine Einladung hier und dort verfestigen die Bande. Hier lässt es sich leben. Surinam ist ein faszinierendes Land mit gastfreundlichen Menschen.
In der vergangenen Woche habe ich ausklariert. Nachdrücklich habe ich gedrängt, weil der zuständige Polizist den Ausreisestempel nicht greifbar hatte. Nun sitzt die Mooringleine immer noch fest, doch ab und an, wenn es ganz still ist, höre ich, dass sich die Ankerkette bewegt. Ein untrügliches Zeichen, dass sie wieder Ankergrund sucht. Ich weiß nicht, wie lange ich dem widerstehen kann.
Also werde ich mich in Kürze doch wieder auf`s Salzwasser bewegen. Dann heißt es Kurs Karibik.
Und jetzt wollen sich auch noch einige Fledermäuse im Großbaum einnisten; sie erschrecken mich abendlich bei meiner Heimkehr. Die ganz mutigen fliegen in die Achterkabine und zum Niedergang wieder hinaus, so etwas habe ich mir immer gewünscht.
*** Erzählt doch beim abendlichen Klönschnack eine Surinamesin (heißen sie so?), dass etwas weiter flussaufwärts einer jungen Frau von einem Piranha ein Stück Fleisch aus der Wade gebissen wurde. Die Wunde war so groß, dass sie nicht genäht werden konnte, so wurde ihr entsprechend Haut von der Hüfte genommen und die Wunde versorgt. In Gedanken bei meinem täglichen Bad oder Bädern wird mir schon mulmig, doch mögen die Piranhas auch alten Mann?
Im Bedarfsfall könnte ich mit Hüftspeck dienen.
Und was macht Christel?
Sie lernt wieder laufen und nach ihrer Aussage macht die Gesundung gute Fortschritte. Sie lässt herzlich grüßen.
Berthold





Die große Fahrt der Equinoxe, Standortmeldung 25
Weihnachten in Domburg

Liebe Leute,
nach einer ereignisreichen Fahrt habe ich Domburg erreicht. Endlich mal wieder ein Land mit einer mir vertrauten Sprache. Meine Position ist nun
05 42 19 N, 55 04 01 W (Hinweis: Koordinaten kopieren und in GoogleEarth Suchfeld Anfliegen oder in GoogleMaps Maps-Suche einfügen)

Meinen Ankeraufenthalt vor der Ile Royale gedachte ich erst alleine zu verbringen, doch am folgenden Nachmittag liefen noch 2 französische Yachten ein. Die Nabucco war auch dabei. Bevor sie ihren Anker auswarf, kam sie noch eben längsseits um mitzuteilen, dass der Sundowner bei ihnen an Bord genommen wird und anschließend eine Kleinigkeit gegessen wird; jeder bringt etwas zur Vor- oder Nachspeise mit. Das zweite Franzosenboot brachte die Vorspeise, Pastetchen, Salami und franz. Baguette. Gemeinsam zaubert die weibliche Crew ein ausgiebiges Menü mit gebratenen Sardinen (fast meine Leibspeise) auf den Tisch. Mein Weihnachtskuchen ist der Nachtisch. Es wird ein langer Abend und wir vereinbaren, am folgenden Tag die Ile St. Joseph zu erkunden. Hier war es mal einmal nicht der 2. Weltkrieg, der im Vordergrund stand. Hier ist es die französische Strafkolonie. Viele heute verfallene Gefängnisse. Einzelzellen, Zehnerzellen, Hunderterzellen. Hohe Mauern mit schmalen Gängen dazwischen. Rocher und Michel wissen anhand kleiner Mauervorsprünge und teilweise vorhandener Eisenrahmen sehr gut zu erzählen, wie die Gefangenen Kopf an Fuß gelegen haben, damit der Raum voll ausgenutzt werden konnte. Auch das Gebäude mit der Guillotine ist noch vorhanden. Das Gefangenen-Schwimmbad ist so konzipiert, dass jeweils von halber Zeit zum Hochwasser bis zur halben Zeit nach Hochwasser das Becken mit Seewasser gefüllt ist. Wir können die Insel ganz umlaufen. Bis auf einen 50 m Streifen Sand ist auch diese Insel rundum felsig. Auf die Gefährlichkeit den Rand zu betreten wird mehrfach hingewiesen. Zum Schluss besuchen wir den Friedhof. Nur noch einige Gedenksteine sind vorhanden, ansonsten kennzeichnen lediglich Steine die Grabstellen. Viele Menschen sind in sehr jungen Jahren gestorben.
Gemeinsam besuchen wir auch die Ile Royale, auf der es ein Museum gibt, eine Kapelle, ein Hotel und Restaurant, einen Bäcker und Metzger. Ruinen von einem Nonnenkloster, einem Krankenhaus, einem Wohnpark der Gefängnisaufseher sowie der Verwaltungskomplex sind noch vorhanden. Im Museum erblicken meine Augen zwei deutsche Postkarten an Alfred Dreyfus. Einmal aus der Bierstadt Hannover und eine aus Senftenberg (Nähe Cottbus). Sie bedauern den damaligen Umstand. Der Museumswärter darauf angesprochen, hält diese Karten für eine Fehlinformation. Wir steigen bis zum höchsten Punkt nahe des Leuchtturms und haben eine wunderbare Sicht über die Inseln und bis zum Festland. Ein typisches französisches Essen rundet diesen Tag ab. Es ist bereits dunkel, als noch eine Yacht aus Singapore einläuft. Es sind Ming und Frank mit ihren 2 kleinen Kindern. Trotz meines Hinweises legen sie sich dort hin, wo sie nicht sollen. Und siehe da, spät in der Nacht kommt die Gendarmerie und sie müssen verholen. Mit Au Revoir in Trinidad verabschiede ich mich von den netten Franzosen. Mein Kurs ist Richtung Festland.
Ich fahre in den Fluss Kourou und will die Stadt Kourou besuchen. Entgegen den bisherigen Häfen oder Hafeneinfahrten sind nun die Häfen in Flussmündungen mit sehr vielen vorgelagerten Sandbänken gelegen. Die Flussfarbe ist durch den mitgeführten Sand grau bis braun. Es gibt eine betonnte Fahrrinne, die aber auch peinlichst eingehalten werden muss. Ich musste einem Baggerschiff ein wenig Raum geben und mit der Drift bin ich schnell ein paar Meter außerhalb der Fahrrinne geraten, schon war ich auf 30 cm unter dem Kiel. Schnell wieder zurück in die Fahrrinne. Während meines Aufenthalts sehe ich dieses Baggerschiff immer wieder; es fährt von Tageslicht bis zur Dunkelheit die Fahrrinne ab.
In der Einfahrt ist das Wasser wegen der noch querlaufenden Wellen sehr bewegt, doch mit auflaufendem Wasser und damit zusätzlichen 2 Knoten Fahrt ist schnell eine Flussbiegung erreicht und damit ruhiges Wasser. Dann sehe ich auch schon Kourou. Hier sind zwei Anlegestege, einer gehört einem Club, der andere wird von den örtlichen Fischern genutzt. Etwas weiter gefahren und dann außerhalb des Fahrwassers ist jedoch guter Ankergrund. In diesen Gewässern umso wichtiger, als dass mit jedem Tidenwechsel auch die Strömung wechselt und die kann 3 – 4 Knoten erreichen. Dann zieht es schon ganz gewaltig an der Kette.
Weiter flussaufwärts ankert ein französisches Boot, in meiner Nähe eines aus Venezuela. Hier mache ich mit dem Dinghi meinen ersten Besuch um Hallo zu sagen und höre, dass das Boot in Venezuela gekauft ist. Der Eigner ist Pole, hat gerade frisches Bier eingekauft und schnell sind einige Dosen gelenzt. Ich kann mich mit einigen kopierten Musikstücken revanchieren. Denn sein Solarregler ist defekt, so dass er stets seinen CD-Spieler laufen lässt, um seine Akkus nicht zu überladen oder sogar zerstören. Seine Musik mag er schon nicht mehr. Er hat noch mehrere Defekte an seinem Boot und will diese in nächster Zeit in Trinidad reparieren.
Das geschäftliche Leben in Kourou findet hauptsächlich auf einer etwa 800 m langen Hauptstraße statt und dann nach einem Kreisverkehr ausladend noch etwa 300 m mit Apotheke und Supermarkt sowie Verwaltungsgebäuden und Kindergarten. An den Straßenseiten befinden sich Hütten bis zum baufälligen Zustand wie auch gepflegte Häuser. Eine geschlossene Kirche reiht sich in das Bild. Hauptsächlich sind Restaurants vieler Küchen vorhanden, alle nennen sich Restaurant. Daneben fallen die vielen chinesischen Supermärkte (3-4 Regale, oft mehr Personal) auf. Die nicht bebauten Grundstücke werden derweil als Müll- oder Bauschuttplatz genutzt. Der Ort ist schnell durchlaufen und so kann ich mich interessanteren Dingen zuwenden. Etwa dem Fällen einer Kokuspalme und der Verkostung des frischen Safts der Nüsse.
Der Start der Ariane war um einen Tag verschoben. Die Erde zittert, es ist ein Pfeifen und Sirren in der Luft, noch eine kurze Zeit ist die Flugbahn anhand des Kondensstreifens zu sehen, dann ist es ruhig als wenn nichts gewesen wäre.
Am Abend erzählt mir der Franzose, dass er schon mehrere Male dort vor Anker gewesen ist. Er kennt Kourou und Umgebung. Nun will er mit einem geliehenen Aluminiumboot und seinem 15 PS Außenbordmotor für etwa 10 Tage flussaufwärts in die Wälder fahren. Er erzählt weiter, dass ihm in den vergangenen Jahren schon zwei Außenbordmotoren gestohlen wurden. Besonders Kleine werden gern genommen. Er zieht sein Dinghi nun abendlich bis in Relingshöhe und hat seitdem Ruhe. Das gibt mir doch zu denken und so nehme ich am Abend den Motor vom Dinghi und schraube ihn am Heckkorb fest. So kann ich auch beruhigt schlafen. In der Nacht kommt Wind auf. Es beginnt zu regnen und dann zu schütten. Alle Luken dicht, Eingang regendicht verschlossen. Es ist stockdunkel und es prasselt aufs Deck. Es dauert etwas über eine Stunde an, dann ist es wieder still. Ich schlafe.
Am folgenden Morgen eben ein Blick über Boot und Umgebung. Anker sitzt gut, alles ok. Doch irgendwie ist etwas anders. Ich sehe noch mal. Der Motor ist weg. Der schöne kleine Suzuki mit 2 PS ist verschwunden. So eine Dreistigkeit, vom Heckkorb abgenommen. Noch schimpfe ich vor Entrüstung, da sehe ich den Franzosen sein Dinghi klarmachen. Er kommt rüber und schimpft noch mehr. Sein 15 PS, mit dem er in die Wälder wollte, ist gestohlen. Die Kette, mit der er ihn gesichert hatte, ist durchgekniffen. Er kennt viele französische Schimpfwörter. Zur Polizei oder nein? Er kennt das schon. 2-3 Stunden auf der Wache, ein völlig unmotivierter Polizist tippt alle Daten ein. Nichts passiert. Ich entscheide mich für nein, denn auch versicherungstechnisch ist nichts zu holen. Er ist mit seinem Dinghi noch fahrtüchtig und will mal das Ufer abfahren ob er etwas sieht. Ich bedeute ihm, dass die Motoren jetzt doch Teil vorzüglicher Weihnachtsgeschenke sind und somit frühestens in den nächsten Tagen auftauchen könnten. So langsam sickert auch bei ihm, dass er seinen Motor nicht wiedersehen wird. Schimpfend und faustballend fährt er von dannen.
Nun, ich bin aufgeschmissen. Die Strömung ist zu stark als dass ich dagegen anrudern kann. Auch will ich nicht immer auf Stillzeit (Hochwasser bzw. Niedrigwasser) warten, um an Land bzw. an Bord zu kommen.
Also dann doch bei Hochwasser die Kette hoch und mit der Strömung des ablaufenden Wassers bin ich in 1 ½ Stunden aus dem Fahrwasser und nehme Kurs 300 Grad, also Richtung Nordwest. Es weht ein frischer Wind und die Equinoxe macht gute Fahrt. Natürlich überschlage ich schon die Fahrtdauer zum nächsten Hafen. Könnte ich diesen am folgenden Tag schon erreichen? Nur eine Nachtfahrt, nicht zwei? Wieweit muss ich mich von der Küste halten? Wo sind die Fischer? Am Abend frischt der Wind auf. 7 bis 8 Knoten Fahrt. Da lacht das Herz. Doch es ist erst 2 Stunden dunkel, der Sternenhimmel verschwindet, dicke Wolken ziehen auf. Es wird stockdunkel und beginnt zu regnen. Der Wind legt noch zu und wechselt dann laufend seine Richtung. Es war eigentlich Schlafenszeit, weil kein Schiff zu sehen. Nun bin ich mit Segelreffen und Trimmen beschäftigt. Na gut, ich werde dabei auch geduscht, seife mit zwischenzeitlich flott ein (auch den Lifebelt) und der Regen spült alles ab. Doch nun geht das schon über 2 Stunden und da finde ich das nicht mehr schön. Ich verziehe mich ins Trockene und ziehe ein T-Shirt über. Es ist frisch. Nach 3 Stunden endlich, der Wind lässt etwas nach. Der Regen auch. Ich kann wieder neu trimmen und die Windfahne einstellen. Da weht nur noch ein Hauch und das kann die Windfahne nicht halten. Ich steuere von Hand. Als dann wieder Wind aufkommt, denke ich, jetzt schnell schlafen. Doch was ist das? Der ganze Zirkus geht noch einmal über 2 Stunden. Danach abwechselnd Windstärken und Richtungen bis sich in den Morgenstunden das Wetter und auch ich mich wieder beruhige. Das war eine Nacht zum Abgewöhnen. Dann ein weiterer Segeltag ohne besondere Vorkommnisse. Mit guter Fahrt erreiche ich am Nachmittag die Buoy Safe Water. Hier beginnt die Fahrrinne in den Suriname River. Doch noch sehe ich kein Land. Das Wasser ändert wieder seine Farbe nach graubraun. Ich fahr den Tonnen nach, die etwa 1 - 2 Meilen Abstand haben. Es ist Niedrigwasser und so bekomme ich bald das auflaufende Wasser und damit die Strömung mit. Die Mündung ist etwa 3 km breit, doch ich muss mich an die Tonnen halten. Ein von achtern aufkommender Fischer macht dies auch akkurat. Noch eine Schleife und noch eine Flussbiegung und ich bin in Höhe der Hauptstadt Paramaribo. Die Sonne ist schon tief, die gute Strömung nimmt mich weiter flussaufwärts mit. Fahre unter der großen Brücke durch, die Flussbreite ist jetzt nur noch etwa 500 Meter, backbords ist nur Wald zu sehen, steuerbords ist ein Haus schöner und größer als das andere. Viele prächtige Ufergrundstücke mit Villen im Kolonialstil. Vieles neu gebaut. Vereinzelt sind auch noch ältere kleine Hütten auszumachen. Ich halte weiter Kurs und die Sonne ist schon untergegangen, sehe ich einige Segelboote vor Anker liegen. Dort möchte ich hin, nach Domburg. Die Dämmerung tritt schon ein, ein Dinghi kommt mir entgegen gefahren. Zwei nette Holländerinnen begrüßen mich mit Welkom in Suriname und bieten Hilfe an. Nach insgesamt 212 Meilen, davon 32 im Fluss rauscht die Ankerkette aus und anhand der Hafenbeleuchtung nehme ich Peilung. Sie steht. Nun merke ich, dass ich erschöpft bin. KO bin ich. Der Einladung zur Bar folge ich nicht mehr. Ein Ankerbier und dann bin ich in der Plicht schon eingeschlafen. Ich freue mich, mal wieder ein tolles Stück gemeistert zu haben.
Es sind noch 14 Segler hier in Domburg, ausschließlich Holländer. Der abendliche Klönschnack findet bei Rita und Robbert in der nahe dem Anleger gelegenen Imbissbude statt. Um den Anleger herum sind noch einige Imbissbuden, ein Friseur, eine Post, ein CD-DVD-Laden, ein Cyber-Café, eine Tankstelle und eine Poliklinik von der Größe eines Einfamilienhauses mit dienstäglichen Sprechstunden. Es herrscht immer reges Treiben, denn hier ist Treffpunkt für alle. Sehen und gesehen werden.
Wegen der vorweihnachtlichen Zeit dauert die Ausstellung des Visums etwas länger, aber ich will mich ja doch etwas ausruhen. Dabei habe ich schon gesehen, dass Paramaribo eine Stadt, ganz anders als die bisherigen, einen intensiven Besuch wert ist. Schon die vielen Religionen und ihre Kirchen, Hindu, Protestanten, Römisch-Katholische, Juden und Muslims nebeneinander. Das Stadtbild mit den Menschen aus aller Welt. Es herrscht Linksverkehr. Offizielle Sprache ist niederländisch. Bezahlt wird mit dem SRD, dem Surinamese Dollar.
Dass der Anker am folgenden Tag slipt und ich verholen muss. erwähne ich nur nebenbei. Meine Preisfindung für einen neuen Außenborder ist von Erfolg gekrönt. Nun ist es ein kleiner Yamaha. Ich bin gottlob wieder fahrtüchtig, denn auch hier kentert die Strömung mit jeder Tide und es herrscht eine kräftige Strömung.
Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr und dann viel Gesundheit.
Berthold




Standortmeldung Nr 24

  





Standortmeldung 24 Iles du Salut

Liebe Leute,
meine Position ist 05 17 06 N, 52 35 19 W
Nach 7 Tagen und 1.024 Meilen konnte ich den Anker fallen lassen südlich
der Ile Royale, eine der 3 Inseln der Iles du Salut. Nun bin ich in
Europa, zumindest was Sprache und Währung betrifft. Ansonsten ist hier
karibisches Flair. Ich bin in Französisch Guyana, einem französischen
Übersee-Department. Die Inseln Ile St.Joseph, die Ile du Diable
(Teufelsinsel, wer kennt nicht Papillon?)und die Ile Royale liegen
nordöstlich von Courou. Und in Courou ist auch das
Ariane-Raumfahrtzentrum.

Ich hatte die Equinoxe gerade klar und war eingeschlafen, wurde ich
schon geweckt von der Gendarmerie. Die Einklarierungsformalitäten
konnten sofort an Bord erledigt werden, also kein Besuch verschiedener
Stellen nötig. Bis Donnerstag darf ich hier in der geschützten Bucht vor
Anker liegen. Ab und an rollt es aber auch in einer geschützten Bucht
ganz kräftig. Dann werde ich in Courou erwartet. Anlässlich meines
Einhand-Törns, der auch noch mit einem Etmal-Rekord von 157 Meilen
gekrönt ist, wird am Donnerstag eine Rakete gestartet. :)


Zu Beginn des Törns waren die Nächte noch klar. Sterne und jeweils zur
Morgenzeit der Mond erhellten das Umfeld. Tagsüber Sonnenschein
und somit ausreichend Energie.
Danach folgte mistiges Wetter. Der Wind hat entgegen der Vorhersage
zugelegt. Mit gereffter Fock lange Passagen durchgehend 7-8,5 Knoten.
Neuer Rekord. Aber am Limit zu fahren bedeutet auch mehr Kontrolle
auszuüben und das bedeutet weniger Schlaf. Dabei gibt es Passagen, in
denen es ganz ruhig läuft, wie auf Schienen. Da ist kein Moment von
Unwohl oder Unsicherheit. Es macht nur viel Arbeit.

Du nimmst etwas Fahrt raus, der Kurs angenehmer, du lehnst dich zurück,
könntest schon mal ein Auge zufallen lassen, noch einmal Kontrolle,
Rundumsicht, ja es geht. Da beginnt es zu regnen. Dicke Wolken schütten
sich aus. Immer nachts, wenn man sie nicht sehen kann. Ich schnell nach
draußen, Instrumente sichern, sollen unnütz keinen Regen abkriegen, dann
mich schnell nach draußen machen, muss die Gelegenheit zum Duschen
nutzen. Wasser ist nun genügend vorhanden. Zwischendurch bekomme ich
auch noch eine Salzwasserdusche. Also daher der Ausdruck: mit allen
Wassern gewaschen. Der Regen hält an und es reicht mehr als nur Shampoo
abzuspülen. Nun bin ich wieder hellwach. Der Wind trocknet die Haut und
eine angenehme Kühle macht sich bemerkbar. Wieder versuche ich mal zu
schlafen.

In den letzten Tagen blieb es auch tagsüber bewölkt. Nur sporadisch
Regen. Auf der einen Seite schön, dann brennt die Sonne nicht so auf den
Pelz, auf der anderen Seite zeigt der Kühlschrank an, dass er nicht mehr
voll mitmacht.
In der vorletzten Nacht habe ich dann Brasilien verlassen. Ich konnte
die Gastlandflagge von Französisch-Guyana setzen. Was ich aber erst bei
ruhiger Welle kurz vor den Inseln gemacht habe.
Liebe Grüße und Euch allen eine schöne Weihnachtszeit
Berthold




Standortmeldung Nr 23 vom 10.12.2009

  
Standort auf dem Äquator
 
  
  





Standortmeldung 23 Äquatorpassage Richtung Nord

Liebe Leute,
habe soeben, 10.12.09 um 09:33 UTC bei 43°36'48" W den Äquator Richtung
NW segelnd passiert.

Angesichts der frühmorgendlichen Zeit, es ist
Ortszeit 06:33, habe ich mir mit Neptun ein Likörchen geteilt. Es hat
ihm sehr gefallen. Die Wetterprognose für die folgenden Tage hat er mir
sofort mitgegeben:
Wind: aus östlichen Richtungen 15 Kn, 4-5 Bft, in Böen 21 Kn 5-6 Bft
Luftdruck 1011 hPa
Wellenhöhe 1,80 bis 2,00
Temperatur 27,8°
Wellenrichtung 64°
Wellenperiode 7s

Fortaleza zu verlassen, gestaltete sich anders als erwartet. Wie so oft.

Am Montag wollte ich starten. Möglichst früh, damit ich das
küstennahe Gewässer und damit die vielen Fischerboote bei Tageslicht
passieren kann.
Es wird hell und ich habe bereits gefrühstückt. Natürlich bin ich
aufgeregt und gehe noch einmal in Gedanken alles durch. Alles im Griff.
Jetzt nur noch eben die Windsteueranlage richten, sie hatte am
Eisenponton einen kleinen Klapps bekommen. Dann den Anker raus und ab in
den frischen Morgen. Segel raus und mit der leichten Dünung verabschiede
ich mich von Fortaleza. Hatte ich so gedacht. Geträumt.

Die Windsteueranlage "Taurus" hatte wohl einen etwas kräftigeren Schlag
mitbekommen, denn ich konnte sie nicht einstellen. Etwas klemmte. Also
habe ich sie - ärgerlich - abgebaut und in die Plicht geholt und siehe
da,
eine kleine Niroöse hat sich verbogen und dadurch konnte das
Flettnerruder nicht mehr sauber bewegt werden. Ganz nach links ja, ganz
nach rechts nein. Und über die Mitte ging es gar nicht. Konnte ich nur
ab und zu mit der Hand rüberbringen. Also so gehts nicht. Damit, d.h.
ohne, geh ich nicht raus. Alle meine Pläne hin? Noch ärgerlicher habe
ich dann getüftelt,gebastelt, verzweifelt. Habe viel mit einem Hammer
gearbeitet.
Erstaunlich, dass so ein sensibel arbeitendes Teil so feste Schläge
vertragen kann. Um 08:30 konnte ich das Teil vertrauensvoll wieder
anbauen und einstellen. Es lief fast wie in alten Zeiten.

Nun endlich, schnell den Anker raus und dann aber.
Ging nicht schnell. Zuerst hing er in der Kette eines nach mir
gekommenen Engländers, der holte seinen Anker darauf hin - ärgerlich
- ein, Mein neues Manöver ist auch nicht von Erfolg gekrönt, denn nun
hängt er in der Kette eines brasilianischen Motorschiffs, welches am
Abend vorher eingelaufen ist. Gemeinsam mit verbringen en wir einige
Zeit mit verschiedenen Lösungsversuchen. Nichts. Also Taucher her. Kommt
um kurz nach zehn. Wenn brasilianische Zeitangabe, wird es etwas oder
mehr später.
Um 11.00 Uhr kommt Armando, der Hafenmeister. Er hatte sich bei
unserer Ankunft so vorgestellt: I´m the Harbourmaster. When do
you have problems, ask me, I will find a solution. Nu Armando, what´s
now.
Der Brasilianer hat ihm erst mal ausgelegt, was wir schon alles versucht
haben. Er schlägt noch eine Variante vor. Unglaubig sehe ich ihn an.
Breitbeinig steht er auf dem wackelnden Ponton, grinst und
sagt, one´s more.
Und siehe da, es scheint zu gehen. Ich bin über 10 m Kette weg.
9,8,7,6,5 und richtig, er kommt, mit der Trosse des Brasilianers und
voller alter Tücher und Plastik hoch. Armando strahlt wieder sein
schönstes Lächeln.

Im Vorhafen mach ich die Equinoxe klar und gerade, als ich die Segel
setze, gehen mehrere Sirenen. Toller Abschied. Seemännisch
organisiert. Es ist Mittag und in vielen Fabriken wird die Pause
angezeigt. Den Plotter habe ich schon auf das vorgesehene Ziel
eingestellt. Er zeigt mir an, dass ich 999 NM (das ist einfach, rd. 1850
km) Wasser vor mir habe.
Dann endlich bin ich draußen. Leider ist der Kurs nicht ganz so zu
fahren, wie ich geplant hatte, so muss ich in der ersten Nacht ein
Ölfeld landseits passieren. Ist ja selbstverständlich, dass da reger
Schiffsverkehr herrscht. Einigen Schiffen muss ich ausweichen und so
finde ich erst nach Mitternacht ein wenig Schlaf, und ab jetzt immer nur
Hasenschläfchen.
Das war ein langer Tag mit viel Aufregung.

Was macht ein Einhandsegler eigentlich so??? Schlafen, viel Schlafen.
Nach Christels Devise: Du musst immer fit sein. Zu jeder Zeit, bei jeder
sich bietenden Möglichkeit schnell in die Ecke und schlafen. Denn jeden
Moment kann ein anderes Schiff in die Quere kommen oder sonst etwas
passieren, was einen hellwachen Skipper erfordert. Sie schickt mir jede
Nacht ihre Engel zum Aufpassen.

Die Equinoxe läuft zur Zeit mir 5,5 bis 6,5 Knoten. Bin etwa 100 Meilen
von der Küste entfernt. Ganz wenig Schiffverkehr. Lässt ein Schläfchen
mehr zu. Manchmal ist die See so unruhig, dass die Schaukelei jedes
Kirmeskarussel in den Schatten stellt, doch dann wieder so ruhig, wie
auf Schienen, dass ich raussehe, ob wir überhaupt noch fahren. Nach der
Wetterprognose wird es nun etwas langsamer gehen. Mein Ziel liegt noch
etwa 600 Meilen entfernt. Habe also noch einiges Wasser vor mir.

Übrigens, habe mir in Brasilien den Panettone, den Weihnachtskuchen,
gekauft und in die Pantry gestellt. Aber zur Weihnachtsstimmung gehört
einfach Kälte und Glühwein.

Liebe Grüße
Berthold





Standortmeldung vom 2. Dezember 2009: 03 43 16 S, 38 32 17 W
Hinweis: Die Koordinaten lassen sich direkt in GoogleEarth oder GoogleMaps in die Suchzeile eingeben.



Liebe Leute,
da haben doch einige von Euch die Daumen für den guten Wind nicht fest genug gedrückt, zumindest nicht lange genug. Okay, es ist wieder einmal alles gut gegangen und wir können eine neue Standortmeldung geben.
Liebe Grüße Berthold und Christel

Die große Fahrt der Equinoxe, Standortmeldung 22

Salvador nach Fortaleza

Leinen los in Salvador

Herzlicher Abschied in der Marina PierSalvador, in der wir uns so gut betreut wussten. Der Chef und seine Marineros inclusive der Nachtdienst hatten immer ein Auge auf die Equinoxe und so konnten wir ständiges Aufräumen und Abschließen vergessen.
Wir segeln mal mit mehr, mal weniger Erfolg Richtung NordOst. Es ist nun einmal so. Jahreszeitabhängig bläst hier der Wind aus NordOst bis Ost. Manchmal kurzzeitig mit einem kleinen Schlenker nach SüdOst. Wenn man, so wie wir, nach NordOst segeln wollen, heißt das "gegenan" mit der Hoffnung, bei einer kleinen Winddrehung nicht immer kreuzen zu müssen. Das Glück hatten wir die ersten Tage. Doch ab und an stand uns der Wind genau auf der Nase, dann nahmen wir unseren Motor zur Hilfe.
Die Equinoxe ist fahrtenmäßig voll beladen. Sie eignet sich im Moment nicht so sehr für ein ausgepfeiltes Kreuzen am Wind. Und wenn dann nach vielen, vielen Stunden Segelei kein oder nur wenig Raum gutgemacht ist, verzweifeln wir noch nicht, doch die Freude bekommt einen Dämpfer. Wie gesagt, dann hilft uns der Motor.
Nach 3 Tagen am Wind bekommen wir von der Wetterwelt für die nächsten Tage eine Windänderung in Stärke und Richtung angekündigt, und dieses nehmen wir zum Anlass, einen Zwischenstopp in
Maceió
einzulegen. Und das war genau richtig. Windgeschützt erholen wir uns an einem ruhigen Mooringplatz. Wir haben bis hier 330 Meilen zurückgelegt.
Wie schon vom ersten Aufenthalt in Maceió bekannt, kommt am frühen Morgen Carli in seinem Ruderboot, in dem er immer stehend und wriggend das Anker- bzw. Mooringfeld beobachtet, längsseits und fragt nach Lixo. Abfall. Für ein kleines Trinkgeld entsorgt er unseren Müll. Weil wir unser Dinghi nicht aufgeblasen haben, bitten wir ihn, uns Diesel und Wasch- und Trinkwasser zu besorgen. Wir schreiben alles auf, doch wir vermuten, dass er es nicht lesen kann. Denn mehrmals fragt er ab, was auf dem Zettel steht. Alles liefert er "frei Bordwand" mit Rechnungsbeleg und so nutzen wir vor der Weiterfahrt die Gunst, auch den Bier- und Saftvorrat aufzufüllen.
Nach 2 Tagen erfolgt die Wetteränderung und am Abend verlassen wir Maceió mit Ziel Cabedelo. Aber wieder ist es Kampf und Krampf. Für gegenan sind wir zur Zeit einfach nicht ausgerüstet. Drei Tage benötigen wir für lumpige 192 Meilen. Wir fahren den Fluss aufwärts und legen in
Cabedelo
an von Seglern oft erwähnter Stelle den Anker aus. Bei Sonnenuntergang kommt der Bolerospieler, jeden Tag.
Noch spielen die in der Nähe befindlichen Restaurants Sambamusik in brasilianischer Lautstärke. Doch kurz vor Sonnenuntergang wird es ruhig, auf dem Wasser wird ein Kanu gerudert, darin stehend ein weiß gekleideter Saxophonspieler und er spielt den Bolero von Ravel. Wird über Lautsprecher verstärkt, so dass es auch auf den entfernteren Ankerplätzen zu hören ist. Später spielt er noch das Ave Maria und dann setzen auch schnell wieder Sambarythmen ein . Am folgenden Tag besuchen wir den kleinen Ort und stellen fest, dass ein Großteil des örtlichen Geschehens auf den Sonnenuntergang und den Bolero abgestellt ist. Unserer Meinung nach ist es zu sehr vermarktet.
Wie sagte Kurt von der Aleppo? Wenn Ihr Recife geschafft habt, dann wird es besser. In Cabedelo sind wir schon nördlich Recife und es wird besser. Der Anker geht auf und auf dem Weg flussabwärts tauschen wir die Genua 3 gegen die Genua 1. Das bedeutet 17 gegen 27 qm. Aus einem noch unerfindlichen Grund lässt sich die Genua schwer hochhieven und Christel muss das Fahrwasser mehr als ihr lieb ist, aussteuern. Doch dann ist es geschafft und mit einem Blick nach oben teilt sie ganz enttäuscht mit, dass sich im oberen Drittel am Achterliek eine Naht auf etwa 50 cm gelöst hat und wir den Vorgang rückwärts wiederholen müssen. Übrigens, das Segel ist noch eins der ersten Stunde, mittlerweile 20 Jahre alt. Noch einmal hängen wir uns rein und dann ist der vorherige Zustand wieder hergestellt. Beilken-Segel sind oben. Schnell erreichen wir die Mündung und ab geht´s. Unser Ziel für den folgenden Tag ist
Natal,
was übersetzt in Brasilien auch Weihnachten heißt. Die Flussmündung wird von einer großen Brücke überspannt. Diese sehen wir schon lange in der Nacht, doch die Wege sind weit. Erst im Morgengrauen erreichen wir die Einfahrt, die Brücke ist hoch genug, backbords ist der örtliche Segelclub, Yate Clube Natal, fahren eine Mooring an und können dann geruhsam einige Stunden schlafen. Nach unserer Anmeldung übernimmt die Dame vom Sekretariat die Arbeiten hinsichtlich Immigration und Zoll. Sehr nett. Wir können uns derweil Natal ansehen. Auch eine Stadt wie tausend andere. Citys brauchen wir nicht mehr. Sehen alle gleich aus. Auffallend jetzt jedoch die weihnachtliche Dekoration. Tannenbäume aus Plastik, mit bunten Kugeln behangen, Krippenfiguren in allen Größen und immer wieder Nachbildungen von Tannenbäumen. Auch ganze Gebilde in weiß. Soll Schnee darstellen. Und das alles hier bei 30 Grad. Alle sind leicht bekleidet und gern werden Schattenplätze aufgesucht. So kommt bei uns kein weihnachtliches Gefühl auf.
Ein uns bekanntes Seglerpaar ist vor einigen Wochen hier überfallen worden. Es ging gut aus. Im Club werden wir mehrfach auf die Gefährlichkeit von Ausflügen angesprochen. Zur Querung bestimmter Viertel nehmen wir dann auch empfehlungsgemäß ein Taxi. Als wir dann doch einmal mit dem Bus fahren, weist uns eine freundliche Dame auf die Sicherstellung unseres Rucksacks hin. Manchmal reicht auch ein "unter den Arm klemmen" nicht.
Am Abend ist es im Club geschäftig. Es wird eine kleine Bühne vorbereitet. Aha, es gibt Musik. Clubgäste und weitere Besucher füllen die Plätze um den Pool und die Terrassenplätze mit Aussicht auf das Wasser. Und siehe da, kurz vor Sonnenuntergang, ein Ruderboot kommt herangefahren, darin neben dem Ruderer stehend ein Saxophonspieler und er versteht es, alle zu verzaubern. Ein Pianospieler untermalt die Sangeskünste mehrerer Interpreten und dann tritt Mariana Holschuh (das für uns fehlende "z" dürfte sich ausgeschliffen haben) auf und spielt auf der Geige einige bekannte Weisen und dann das "Ave Maria". Großer Jubel. Bis spät in den Abend dauert die Veranstaltung.
Vor Anker liegen noch eine neuseeländische Familie und ein französisches Paar. Auch sie kommen zu der Musik und bald sitzen wir an einem Tisch und es wird spät an diesem Abend. So auch an den nächsten Abenden. Jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag tritt das Ensemble auf. Wir dürfen es drei Mal genießen. Gut getimet.
Am folgenden Morgen heißt es für die Neuseeländer Leinen los. Sie wollen nonstop nach Trinidad segeln. Auch für uns heißt es Leinen los.
Doch jetzt werden Wind und Wetter mitspielen. Noch ein wenig nach Nord und dann heißt der Kurs NordWest, und das für lange Zeit. Der Wind weht beständig mit 4 – 5 Beaufort aus östlicher Richtung und so machen wir eine schnelle Fahrt. Am folgenden Morgen werden wir auf Sichtweite von einem Katamaran überholt. Er fährt doppelt so schnell. Es ist der Franzose. Später erzählt er, dass er zwischenzeitlich bis zu 16 Knoten schnell gesegelt ist.
In der Nacht nehmen wir eine Kursänderung Richtung See vor. Zu viele "Angelboote" liegen uns im Weg und verlangen nach ständiger Ausschau und Kursänderung. Unsere Windsteuerung hält ausschließlich Kurs nach Windwinkel. Diese Angelboote, es sind Jangadas, sind ähnlich flachen Pontons etwa 2 x 4 Meter. In der Regel mit 2 Leuten besetzt. Segel tragen sie, Lateinersegel. Oft gibt es eine kleine Bank an einem Ende und die unentbehrliche Fischkiste in der Mitte. Auf diesen Brettern stehend und balancierend finden wir sie bis zu 15 Meilen von der Küste. Bei bis zu 2 m Wellenhöhe verschwinden sie immer wieder aus dem Blickfeld. Kommen wir ihnen des Nachts zu nahe, leuchten sie mit einer Taschenlampe entgegen. Ein freudiges Tudo bem (alles in Ordnung) signalisiert gegenseitiges Erkennen und Ausweichen. Unsere Achtung haben sie. Ständig spritzen Wasser und Gischt über ihr Gefährt und sie sind Wind und Wetter ausgesetzt.
Doch auch wir bekommen noch eine Lektion. Es ist kurz nach Mitternacht, der Wind nimmt ständig zu. Mittlerweile zeigt das Log beharrlich 7 und mehr Knoten. Das ist zu schnell. Etwas weniger Tuch wird helfen. Doch was ist das? Die Genua ist nicht einzurollen. Unsere Devise: Was von Hand nicht geht, nicht mit Gewalt erledigen. In diesem Falle wäre die Winsch dran, doch nein, erst einmal nachsehen. Das heißt, zum Bug kriechen, ja kriechen, denn eine andere Fortbewegungsart ist bei einem schlingernden Boot nicht möglich. Berthold pickt den Gurt, der nachts immer getragen wird, in die ständig vorhandene Sicherheitsleine. Dann nach vorne gerobbt. Christel bibbert (nicht vor Kälte, es ist Badehosenklima) derweil in der Plicht und hofft auf Erfolg. Am Bug pickt Berthold die zweite Leine ein und prüft den Stand der Dinge. Das Rollfall hat sich um die Trommel gelegt. Schnell kann Christel den Knoten lösen und Berthold fädelt neu ein. Langsam kriecht er wieder nach achtern in den Schutz der Plicht. Problem gelöst. Wir reffen die Genua und sofort bekommen wir etwas langsamere, aber unvergleichbar ruhigere Fahrt. Aus anderer Sicht, so schnelle Fahrt macht Meilen. Im Morgengrauen erkennen wir die Küste und einige Stunden später die Kulisse der 3 Mio Stadt
Fortaleza
Unser Zielhafen. Hier gibt es eine Hotel-Marina, an deren Pontons wir festmachen wollen. Erst einmal angekommen sehen wir einen kleinen geschützten Hafen. Es ist sehr windig, doch hier tritt der Schwell zurück. Was sehen wir? Der schöne Steg entpuppt sich als marode Einrichtung. Etwa 20 zusammengebundene Eisenpontons, deren Rostfraß unübersehbar ist. Teilweise sind auch schon armdicke Klampen abgerostet. Hier heißt es römisch-katholisch festmachen. Wir gehen jedoch erst einmal längsseits und stellen dann fest, dass es auch so geht.
Mit uns sind hier noch 2 Franzosen. Die Nabucco, die wir aus Salvador kennen und der besagte Katamaran 4200. Die Nabucco will am folgenden Tag weiter und so ist bei ihr an Bord abends schon wieder eine Abschiedsfeier. Wir diskutieren die folgenden Häfen mit ihren Anfahrten und Liegeplatzmöglichkeiten. Die nächsten Häfen, passablen Häfen, liegen weit entfernt, weite Wege.
Übrigens, weite Wege
Die von Sportbooten anzulaufenden Häfen sind in der Regel sehr weit auseinander. Ein Ortswechsel bedeutet immer ein bis mehrere Tage segeln. Nun ist jedoch der Wind einigermaßen verlässlich, so dass diese Strecken mutig angegangen werden können. So ist zum Beispiel die Entfernung von Salvador nach Maceió 330 sm (600 km), weiter nach Cabedelo 192 sm (350 km), weiter nach Natal 78 sm (145 km), und weiter nach Fortaleza 259 sm (480 km).
Der Hafenmeister der Hotel-Marina, ein ganz netter, will doch partout nicht, dass die Equinoxe längsseits liegt. Unseren Hinweis, dass doch so ein kleines Boot gut längsseits liegen kann, lässt er nicht gelten. So werfen wir also den Anker aus und gehen mit dem Heck an den Steg. Bei der Berechnung der Liegeplatzkosten gibt er uns jedoch einen merklichen Nachlass. Na ja, wenigstens etwas. Wasser gibt es ab und zu aus dicken Schläuchen, es soll Trinkwasser sein. Strom holen wir uns, indem wir an dem offenen Zählerkasten in einem Wirrwarr von Sicherungen ein Kabel anklemmen. Die gesamte Verkabelung sieht abenteuerlich aus, und der Hinweis, dass es bei Regen mal keinen Strom geben kann, verwundert uns, der wäre nicht notwendig. Aus anderer Sicht: Für wen sollen sie es denn schön (mit hohen Kosten) machen? Es sind 9 Boote hier, davon 2 von der Policia beschlagnahmt. Eines wegen Drogenschmuggel und eines wegen illegaler Besatzung. Das Hotel bietet viele Annehmlichkeiten, es hat einen Frühstückssalon mit reichhaltigem Angebot (Berthold hat ihn getestet), ein nobles Restaurant La Marina (hier gab es ein vorgezogenes Geburtstagsmenü), einen Swimmingpool, den wir kostenfrei nutzen können, auch am Poolrand werden Getränke und Speisen serviert. Und rundum Sicherheit. Hier können wir uns es gut gehen lassen. Doch während der Springzeit, die nun gerade ist, ruckt es beträchtlich an den Leinen. Ob die Equinoxe schon weiter will?
Wir packen das Dinghi wieder einmal transportsicher ein. Füllen die Vorräte auf. Ein Segelmacher ist leider nicht aufzutreiben, so dass die Reparatur der Genua 1 eine Fleiß-Hand-Arbeit wird. Eine neue Starterbatterie ist fällig. Die Wäsche geben wir in eine günstige Lavanderia, die hoteleigene ist uns zu teuer. Christel lässt es sich nicht nehmen, wieder einmal alles in Glanz zu setzen.
Zwei große Projekte liegen vor uns.
Das erste, Christel fliegt von hier über Salvador und Frankfurt nach Hause und lässt sich eine neue Hüfte einbauen.
Das zweite ist ganz anderer Art. Unsere Aufenthaltsgenehmigung läuft bald aus. Das heißt, Brasilien ist zu verlassen. Berthold wird einhand – eine Hand, das Boot zu walten, die andere, sich festzuhalten - weiter segeln. Es geht weiter NordWest.
Ach ja, unser Standort: 03 43 16 S, 38 32 17 W (wie oben angegeben)





Die große Fahrt der Equinoxe, Standortmeldung 21
eingegangen 13.11.2009

Brasilien per Bus (einmal keine Segelei)

Liebe Leute,
wir melden uns wieder von Bord der Equinoxe. Einige sagen "jetzt endlich" oder "wird auch Zeit" , der Meinung sind wir auch. Unser Heimatbesuch hatte sich unerwartet verlängert. Berthold musste sich ausgerechnet am bereits gebuchten Abflugstag einer kleinen Operation unterziehen, die wieder einmal problemlos über die Bühne ging. Die dadurch notwendigen Änderungen der Zollformalitäten für die Equinoxe in Brasilien erledigte nach Telefonaten mit der Aleppo und Mails an den Hafenchef Sandoval der Marina PierSalvador dieser persönlich. Doch auch der vertraute Brasilianer benötigte hierfür drei Anläufe bei den Behördenmühlen.

Unserer Rückkehr nach Salvador sahen wir sehr gespannt entgegen. Hatten wir die Equinoxe doch zur Regenzeit zurückgelassen. Wie wird sich die hohe Luftfeuchtigkeit auswirken? Von vielen Seglern hatten wir gehört, dass sie bei ihrer Rückkehr viel Schimmel, Stockflecken bis hin zu Rott vorgefunden haben. Einige hatten einen Großteil ihrer Kleidung entsorgen müssen. Auch Aufträge für neue Polsterbezüge sind erteilt worden. Aber auch die auf den Booten gebliebenen Segler hatten mit der hohen Luftfeuchtigkeit zu kämpfen. Was finden wir denn wohl vor.
Wir haben eine Compromis, hat Christel immer gesagt, und damit hat sie erst einmal recht. Wir haben in all den vielen Jahren noch nie Stockflecken oder Schimmel festgestellt. Wir haben lediglich einmal im Winterlager einen Topf mit Salz als Entfeuchter aufgestellt, sonst nie besondere Vorkehrungen getroffen.
Hier in Salvador haben wir unseren regenfesten Sonnenschutz, der fast am Mast beginnend über die Sprayhood bis über die Baumnock hinaus bis über das Achterluk ragt, festgezurrt. Das zusätzlich eingebaute Luk von 7 x 20 cm vom WC zur Plicht kann dann geöffnet bleiben. Der Rest war Hoffen. Eine Mail von der Crew der Mingula teilte uns später lediglich die Nachbesserung von uns nicht ausreichend geknüpfter Bändsel mit.

Wir erreichen den Flughafen von Salvador. Unsere Ankunft war avisiert und wir werden erwartet. Fernando, Taxifahrer und Besitzer eines 22-Fuß-Boots, steht mit einem großen Schild Berthold und Christel und noch größer geschrieben Equinoxe in der Wartehalle. Er umfährt geschickt die abendlichen Staus und so sind wir schnell im PierSalvador, wo wir den Chef Sandoval und die Crews der Aleppo und der Mingula treffen. Die Wiedersehensfreude ist groß und so sitzen wir, noch ehe wir unser Gepäck 2 Hemden, ansonsten nur Bootszubehör , bei einem Glas Caipirinha.

Wo Christel recht hat, hat sie Recht. Wir fahren eine Compromis und darin ist es nicht feucht. Auch hier die Tropenluft hat sie unbeschadet überstanden. Wir mussten nichts entsorgen oder erneuern. Bei dem üblichen Frühjahrsputz fiel jedoch auf, dass eine Gardine kleine Flecken aufwies, die jedoch schnell ausgewaschen werden konnten. Der Bewuchs des Unterwasserschiffs hatte jedoch unübersehbar stark zugenommen. Hier musste etwas geschehen.

Doch erst war Einklarieren bzw. die Erledigung der Zollformalitäten angesagt. Zeitgleich klarierte die Aleppo für die Weiterfahrt nach Norden aus. Einige Tage später löste die Mingula ihre Leinen für die Weiterfahrt nach Süden. Die Arbeiten an unserem Boot machten gute Fortschritte. Der Großteil des aus Deutschland mitgebrachten Zubehörs war eingebaut. Die neue Steueranlage muss lediglich noch justiert werden. Das Unterwasserschiff vorsorglich vom gröbsten Teil der Muscheln und Pocken befreit. Nur Ölwechsel von Motor und Getriebe und ein neuer Antifoulinganstrich, der weiteren Muschelbewuchs verhindern soll, stehen auf der Liste. Es gibt hier am benachbarten Segelclub eine Slipanlage mit Rollböcken. In das Equipment wird jedoch von vielen Seglern kein großes Vertrauen gesetzt. Wir sehen uns die Anlage an und zweifeln über unser Vorhaben. Hafenchef und Clubleiter teilen unsere Bedenken nicht ganz. Wir verschieben diesen Akt jedoch und machen uns auf eine ganz andere Reise.

Die großen Städte Brasiliens
wollen wir besuchen. Dazu gibt es 2 Möglichkeiten. Flugzeug oder Omnibus. Ein Schienennetz besteht nicht. Lediglich vereinzelt Kleinstrecken oder einige ausschließlich für Güterverkehr. Wir möchten schon etwas mehr sehen als Flugplätze und Städte und so beginnen wir mit dem Bus. Immer die Möglichkeit offen, auf ein Flugzeug umzusteigen. Das ist die Grobplanung. Aber, unterschätze nicht die Entfernungen in Brasilien. Bei der Erkundung der Fahrzeiten und –preise ein lachendes und ein erschrockenes Auge. Der Preis ist günstig. Die Fahrzeit lang.

Unsere erste Reise führt uns von Salvador nach Belo Horizonte.
Dafür vorgesehen sind rund 1.400 km mit einer Fahrzeit von 24 Stunden, Diese Strecke erscheint uns für einen Test des Reisekomforts ausreichend. Wie bekannt prüft der Fahrer Reisepässe und Fahrkarten. Wir nehmen die reservierten Plätze ein. Große Beinfreiheit. Die Lehnen sind für Liegemöglichkeit verstellbar. Bei manchen Sitzen kann auch ein Fußteil ausgefahren werden. Für kurze Beine angenehm. In Abständen von 2 – 3 Stunden wird ein Busbahnhof oder ein Restaurant angefahren. Aufenthaltsdauer von 5 Minuten bis zu 30 Minuten zu den Essenszeiten. Die Bordtoilette wird von einigen Reisenden immer wieder gern aufgesucht. Offensichtlich genießen sie so eine Einrichtung auf ihrer Reise. Kurzum, der Test verlief zur Zufriedenheit. So eine Reise könnten wir wiederholen.

Belo Horizonte schöner Horizont , Hauptstadt des Bundesstaats Minas Gerais,
gehört zu den wichtigsten Städten Brasiliens. Mit etwa 3 Millionen Einwohnern ist BH , wie es hier häufig genannt wird ein Wirtschafts- und Kulturzentrum. Für uns ist es die Stadt der Boticos, der Kneipen, was etwa einer deutschen Kneipe mit der Darreichung kleiner Speisen entspricht. Diese Art der Gastronomie haben wir bevorzugt.
Im örtlichen Touristenbüro geben uns zwei sehr nette Damen einige Adressen und damit können wir die vorgeschlagenen Pousadas und Hotels aufsuchen und haben schon beim vierten Anlauf das Richtige gefunden. Wir fragen jeweils nach Bonito, limpio, barato und seguro: schön, sauber, günstig und sicher. Wir empfinden BH angenehm und sauberer als die Städte im Norden. Ein interessanter Punkt ist, dass die Straßen von BH in einem schachbrettartigen Muster mit diagonal verlaufenden Hauptalleen geplant wurden. Da die Straßen nach Persönlichkeiten und Daten aus der brasilianischen Geschichte einerseits und Regionen Brasiliens andererseits benannt wurden, kann man sich in der Innenstadt auch heute noch mit entsprechenden Kenntnissen in Geografie und Geschichte Brasiliens orientieren.
Unser Aufenthalt in BH hat sich ein wenig gestreckt, weil wir auch die Umgebung wieder ein Wallfahrtsort dabei erkunden wollten. In einem Reisebüro erfragen wir die Möglichkeiten und manchmal geht etwas ganz schnell. Schon am folgenden Morgen steht ein fast neuer PKW mit Fahrer Alex und einer deutschsprechenden Reiseleitung namens Sueli vor unserer Unterkunft. Sonst hatte niemand gebucht und so fahren wir 1. Klasse. Zuerst besuchen wir den Wallfahrtsort Congonhas, der auch in der Goldgräberzeit erstand. Eine Kirche mit einigen Kapellen, in denen mit geschnitzten, lebensgroßen Figuren der Kreuzweg dargestellt wird. Schlechtes Gewissen? Weiter geht die Fahrt nach Sao Joao del Rei. Auch hier zwei wunderschöne Kirchen. Und um den Besuch der sehenswerten Kirchen aus der Goldgräberzeit komplett zu machen, besuchen wir auch Tiradentes Zahnzieher, Anführer eines Aufstandes gegen Portugal . Auf dem Heimweg erleben wir ein Gewitter 1. Güte. Gewaltige Regenfälle prasseln herunter. Die Straßenmarkierung ist in den Außenbezirken sehr spärlich, so dass wir bei dem lang anhaltenden Regenguss die Orientierung verlieren. Doch der Fahrer fährt langsam und umsichtig; lediglich einmal hält er auf einem Parkstreifen, weil die Scheibenwischer es nicht mehr schaffen. Nach rund 500 km und 14 Stunden sind wir glücklich in BH zurück. Nach einer weiteren Stadtbesichtigung erkunden wir die Fahrpläne nach
Ouro Preto, ehemalige Hauptstadt Minas Gerais
Der Name bedeutet schwarzes Gold, wegen der riesigen Goldvorkommen, die durch Eisenoxyd-Verunreinigung leicht schwarz gefärbt waren. Wegen ihrer barocken Altstadt ist sie in der Welt einzigartig und einer der wichtigsten Touristenmagnete Brasiliens. Seit 1980 ist die Altstadt Unesco-Weltkulturerbe.
Der Legende nach fand ein Mulatte, als er im Flüsschen Tripuí seine Flasche mit Wasser füllen wollte, ein paar schwarze Steine, die er nach Taubate in Sao Paulo mitnahm. Diese Steine gelangen in die Hand des damaligen Gouverneurs von Rio de Janeiro, der deren Beschaffenheit mit seinen Zähnen geprüft und dabei unter der Oberfläche pures Gold entdeckt haben soll. Die Nachricht davon verbreitete sich schnell und man wusste, dass das Gold in der Nähe einer markanten Felsformation gefunden worden war, welche von den Einheimischen Itacolomi genannt wurde. Zahllose Expeditionen suchten diesen Ort in den Bergen von Minas Gerais vergebens.
Erst 1698 entdeckt Antonio Dias de Oliveira aus Sao Paulo die Felsformation wieder und findet eine äußerst ergiebige Goldader, worauf er beschließt, sich dort niederzulassen und Familie und Freunde nachzuholen. Von da an begeben sich immer mehr Bandeirantes ins neue Eldorado. Gold kommt im Überfluss vor und wird in einer ersten Phase im Flussbett und an den Hängen gewonnen. In christlicher Hingabe werden einfache Kapellen aus Lehm und Stroh errichtet. Rührt da schon das schlechte Gewissen? Die Zuwanderung aus den verschiedensten Regionen führt zu Spannungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Paulistas aus Sao Paulo nehmen als Entdecker das Sagen für sich in Anspruch. Sie verteilen die Goldvorkommen und versuchen, eine Verwaltung nach ihren Regeln aufzuziehen. Die Ablehnung dieses Anspruchs durch die Fremdzuwanderer - vor allem Portugiesen, Bahianer und Pernambucaner - gipfelt in der Guerra dos Emboabas, einer bewaffneten Auseinandersetzung, in der die Fremdzuwanderer die Oberhand gewinnen. Am Höhepunkt des Goldrausches, zum Ende des 18. Jahrhunderts, hatte Ouro Preto ca. 100.000 Einwohner und war damals die größte und reichste Stadt in der Neuen Welt. Von 1700 bis 1820 wurden ca. 1200 Tonnen Gold gefördert, 80 Prozent der damaligen Weltproduktion. Da das Gold aber direkt nach Portugal abfloss Brasilien war damals ja noch eine portugiesische Kolonie , kam es der Entwicklung Brasiliens nicht zugute. Einige Historiker sind sich sicher, dass mit dem Gold Ouro Pretos die industrielle Revolution in England finanziert wurde. Gegenwärtig fördern in dem Gebiet noch drei Goldminen. Waschgold wird noch an vielen Stellen in der Umgebung Ouro Pretos gewonnen. Nach wie vor lassen sich in den Bergen von Minas Gerais aber auch Diamanten finden; sie sind heute eine wichtige Einnahmequelle für Ouro Preto.
Einen besonderen Aufschwung erfährt die Stadt aber Ende des 20. Jahrhunderts, als der bekannte deutsche Zimmermeister und Ehrenobermeister Heinrich Boltendahl aus Essen an der Ruhr, während eines mehrmonatigen Aufenthalts, sein handwerkspädagogisches Wirken der Bevölkerung – und hier besonders den jugendlichen Arbeitssuchenden - zugute kommen lassen konnte. Danach konnten besonders die Restaurationen der unter Denkmalschutz stehenden Stadt fachgemäß durchgeführt werden, wovon wir uns vor Ort immer wieder lobend überzeugen konnten. Sein Aufenthalt in Ouro Preto wird einen nachhaltigen Eindruck des Stadtbildes hinterlassen.
Wir erreichen die Rodoviaria von Ouro Preto und stellen bei unserer Unterkunftserfragung erst einmal fest, dass wegen eines überregionalen Radrennens viele Zimmer belegt sind. So lernen wir immer noch leichtes Gepäck den innerstädtischen Bereich schon einmal wandernd kennen. Auf verschlungenen Pfaden kommen wir zur Pousada Ouro Preto und hier werden wir fündig. Bonito, Limpio, Barato e Seguro und über einen Schleichpfad noch näher zur Altstadt gelegen, als wir vermutet haben.

Am Abend in einer Botica, unser abendlicher Lieblingsaufenthaltsort, lernen wir die Möglichkeiten der Gästedisziplinierung kennen. Ein angeheiterter Gast setzt sich immer wieder zu den Gästen und möchte offensichtlich diskutieren. Die Kellnerin bittet ihn zwei Mal, das zu unterlassen. Ohne Erfolg. Schon sitzt er bei uns am Nebentisch und auch wir müssen seinen Besuch erwarten. Doch da tritt der Chef auf. In der Hand einen schön gedrechselten Holzknüppel, und diesen lässt er ungebremst auf den Störenfried niedersausen. Zwei mal, drei Mal, der Geprügelte kennt seinen Weg: bis zum Ausgang spürt er den Gedrechselten noch mehrmals.

Mit der historischen Eisenbahn, die lediglich samstags und sonntags schnauft, fahren wir eine Stunde durch die Bergwelt nach Mariana. Hier stehen wieder Kirchen auf dem Programm. In der Kathedrale bekommen wir unvermutet eine Führung. Ein wunderschön augenrollender Jugendlicher, der uns an die Zeiten unserer Kindheit zur Weihnachtszeit in deutschen Kirchen erinnert, hört fremdländische Stimmen und als er erfährt, dass wir aus Deutschland sind, gibt er uns ausführliche Informationen über alle Altäre und besonders über die Orgel. Sie stammt aus dem Jahre 1701 und ist von Arp Schnitger aus Hamburg. Übrigens, es gibt im Bundesstaat Minas Gerais lediglich 2 Orgeln.
In unserer Pousada lernen wir Ligia kennen. Eine Geologin aus Salvador, die hier auf einem Seminar vorträgt und Geschäftsbeziehungen knüpfen wird. Weil sie sich freimachen kann, verbringen wir gemeinsam zwei Tage mit einem weiteren Ausflug nach Mariana, einem Besuch einer Goldmine, bei der wir neben den allgemeinen Erläuterungen von ihr spezielle Informationen über die Kontinentverschiebungen und ihre Einflüsse auf Brasilien bekommen. In mehreren Museen erläutert sie uns die Besonderheiten der Geschichte. Sie führt uns zu wundervollen Aussichtspunkten, von denen Stadt und Umgebung immer wieder neue Eindrücke hervorbringen. Ganz in ihrer Obhut sorgt sie für unser Wohlbefinden, organisiert Fahrten der Chef der Pousada fährt uns persönlich , zu heimischen, speziellen Restaurants mit wieder neuen Speisenkreationen. Doch dann muss sie wieder ihrer Arbeit nachgehen; wir machen uns auf den Weg nach

Rio de Janeiro
der zweitgrößten Stadt Brasiliens und Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates. Sie liegt an der Guanabara-Bucht im Südosten des Landes. Der Name portugiesisch für „Fluss des Januars“ entstand, weil der Entdecker der Bucht sie irrtümlich für die Mündung eines großen Flusses hielt. Die Metropolregion hat 11,6 Millionen Einwohner. Die Bewohner der Stadt nennt man Cariocas, nach einem Wort aus der zum Tupí-Guaraní gehörenden Sprache der Tupinambá, welches Hütte des weißen Mannes bedeutet.

Wir erreichen nach 7 Stunden Busfahrt morgens um 06:00 die Busstation Rodoviária. Nach einem Kaffee suchen wir das Tourist-Office auf. Leider öffnet es auch nach mehrmaliger Ankündigung nicht. Schlecht für Rio und für uns. Wir erstehen in einer Buchhandlung einen Stadtplan und begeben uns auf die Suche nach einer angenehmen Unterkunft. Einigen Pousadas und Hotels, deren Ausstattung und Preis nicht harmonieren, bescheiden wir abschlägig. Gut, dass wir mit leichtem Gepäck reisen, so ist das Schlendern von Haus zu Haus erträglich. Nach zwei Reservierungen und fünf Absagen finden wir eine feine Unterkunft, mitten im bevorzugt sicheren Wohnviertel Flamengo.
Wir besuchen die Wahrzeichen von Rio de Janeiro wie den Zuckerhut, die 38 Meter hohe Christusfigur auf dem Gipfel des Corcovado und den Strand des Stadtteils Copacabana, der als einer der berühmtesten der Welt gilt. Seltsam, die vielen braunen Schönheiten am Strand, so wie wir sie von Bildern kennen, haben offensichtlich gewichtsmäßig stark zugelegt. Scheint wohl noch nicht die richtige Zeit zu sein. Auch zwei Tage später bietet sich uns kein anderes Bild. Natürlich haben wir auch die Paradestraße des berühmten Karnevals von Rio besucht. Ein Shop in der Nähe vertreibt das ganze Jahr über Karnevalskostüme.

Den Segelclub Rio de Janeiro besuchen wir und finden die holländische Segelyacht MamaSan, die wir von Recife und Salvador kennen, hier vor Anker liegen. Leider ist der Eigner Ruud nicht aufzutreiben. Schade. Auf dem Weg von unserem Strand zur Copacabana werden wir von Radfahrer und Jogger gewarnt, nicht weiterzugehen, für Ausländer zu gefährlich. Wir machen kehrt. Später gehen wir diesen Weg doch und sitzen zwischen den Einheimischen ohne irgendeine Spur von Unsicherheit. Okay, besser vorher gesorgt.

Auf einen Besuch der Favelas, der Armenviertel, haben wir in allen Städten verzichtet. Zum einen haben wir genügend und hautnah Kontakt gehabt in Recife, Macei und Salvador. Der Bedarf ist gedeckt. Wir haben uns mehr auf die schönen Seiten konzentriert. Zum anderen fahren die Stadtbusse, die wir besonders bei weit entferntem Ziel wegen der geringen Fahrpreise gern nehmen, durch viele Viertel unterschiedlichen Komforts. Die Metro nehmen wir wegen der Geschwindigkeit bei entfernten Zielen ohne Stadtbesichtigungsambitionen.
2016 werden die Olympischen Spiele in Rio stattfinden. Doch so lange können wir nicht warten. Wir schließen nach einigen Tagen unseren Besuch ab und machen uns auf eine wiederum 24-stündige Busfahrt. Der Weg führt über

Sao Paulo

Wir fahren lediglich durch Sao Paulo, denn der Bus fährt natürlich auch hier die Rodoviaria, die Busstation an. Unser Beschluss, hier keinen Zwischenstopp einzulegen, erweist sich als richtig. Eine Riesenstadt mit 20 Millionen Einwohnern. Auf den Einfahrtstraßen erkennen wir Fabriken, dann Autohäuser und Supermärkte aller bekannten europäischen Firmen. Dann folgen die kleinen garagen- bis 3 garagengroßen, anmutend abbruchreifen, brasilianischen Kleinbetriebe, die Autoersatzteile, Reparaturen, Elektroservice und Reifen anbieten. Dazwischen befinden sich immer wieder kleine Hütten und halboffene Verschläge, mit großen Schildern ihren Stand als Restaurant oder Bar betitelt, in denen Essen und Trinken angeboten wird. Und vor diesen stehen immer die Plastiktische und Plastikstühle der bekannten Bier- oder Softdrinkhersteller. Das geht über einige Kilometer.
Auf der Ausfahrt das gleiche Bild. Wir genießen es weiterzufahren, denn uns erwartet

Foz do Iguaçu, im Dreiländereck Argentinien – Brasilien – Paraguay

Nach der Ankunft erfragen wir wie schon gewohnt Stadtplan und Informationen. Danach setzen wir uns zu einem Kaffee ins Restaurant und beratschlagen. Christel sieht in die Vorhalle und sagt: Da ist Anne. Dann: Da ist wirklich Anne, sie kommt zu uns. Ich nicke die Mitteilung ab und behalte meinen Blick auf den Stadtplan. Aber wirklich, Anne kommt. Welch eine Überraschung. Anne und Günter, die Crew der Mingula, verabschiedet von uns in Salvador haben nach 15 Segeltagen den Süden von Brasilien, das europäisch anmutende und vielfach deutsche Gebiet mit der Stadt Blumenau und dem zweitgrößten Oktoberfest der Welt erreicht. Sie wussten, dass wir auf dem Weg nach Iguacu sind und sind mit dem Bus auch dort hin gefahren. Großes Hallo und dann gemeinsame Pousada- bzw. Hotelsuche. Wir werden schnell fündig. Ein preisgünstiges Haus mit Barservice am großen Swimming-Pool. Am Abend schleichen wir bedenkenlos durch die Stadt, werden jedoch einmal beraten, nicht weiter zu gehen. Für Ausländer gefährlich.

Am folgenden Tag besuchen wir die Wasserfälle auf brasilianischer Seite. Im Bus bekommen wir schon die Information, dass es zur Zeit so viel geregnet hat und überall Hochwasser vorherrscht. Auch die Wasserfälle sind davon betroffen. Viel Wasser, besonders viel rotes und braunes, welches den roten und braunen Sand mitführt, ergießt sich. Wir gehen möglichst nah an die Wasser. Die Gischt hüllt uns ein. Christel, Anne und Günter haben Jacken angezogen. Berthold bekommt nach der Dusche ein neues, trockenes Shirt gekauft. Wir schließen den Ausflug mit einem Besuch im Vogelpark ab. Am folgenden Tag geht es nach

Argentinien
Die Einreiseformalitäten sind relativ einfach. Leider hat Anne lediglich ihren nichtgültigen Pass mit, muss noch einmal zum Hotel zurück und so verzögert sich die Einreise etwas. Auf der argentinischen Seite führt ein Steg auf dem oberen Plateau etwa bis zur Mitte der Wasserfälle. Es ist gewaltig, so nah an den stürzenden Wassern zu sein. Nach weiteren Erkundungen mit insgesamt rund 10 Kilometern und auch der kleineren Fälle im unteren Bereich besuchen Christel und Günter noch eine Aussichtsplattform und kommen triefend nass zurück. Schnell trocknet die Wärme und eine anschließende Bahnfahrt im Park die Kleidung. Leider sind wegen des Hochwassers nicht alle Wege zugänglich. Den Abend lassen wir in einer uns bekannten Churrasceria Grillrestaurant ausklingen.

Paraguay
Nun, im Dreiländereck muss auch Paraguay besucht werden. Ein Stadtbus, der schon bessere Tage erlebt hat, fährt uns zur und über die Grenze nach Ciudad del Este, der Grenzstadt. Es steigt wohl ein Zollbeamter hinzu, doch unsere Pässe werden nicht kontrolliert und es gibt auch keinen Einreisevermerk. Sie glauben zu wissen, was wir bei Ihnen wollen. An der Grenze fallen uns die vielen sogenannten Moto-Taxi auf. Fahrer von Mopeds und Kleinmotorrädern halten Helme bereit für eine schnelle Fahrt. Schlangenlinien fahrend zwischen den wartenden Bussen und PkW`s haben sie schnell die Grenze überschritten. Auch hier findet keine Kontrolle statt. Der Autoverkehr geht nur schleppend und sollte einmal die Geschwindigkeit erhöht werden können, fordert der Straßenbelag seinen Tribut. Große und tiefe Schlaglöcher gewährleisten eine langsame Fahrt.
Uns empfängt ein riesiger Markt. Einmal ausgestiegen werden wir unmittelbar angesprochen und mit Angeboten überhäuft. Links und rechts der Straßen endlos Verkaufsstände. Alles wird angeboten, was wir schon besitzen oder nicht benötigen. Dazu laufen die ambulanten Straßenhändler mit Hüten, Gürteln, CDs, Klappmessern, Unterwäsche und auch Kondome und einem Viagra-ähnlichem Hilfsmittel. Der Hit sind jedoch quietschende Gummienten und gackernde Gummihühner. Bei Ablehnung wird unverdrossen das gesamte Sortiment vorgeführt, auch von mehreren Händlern gleichzeitig. In einem vielfach angepriesenen Kaufhaus ist lediglich das Erdgeschoss und ein Restaurant in der 1. Etage funktionstüchtig. In weiteren Etagen werden noch Läden eingerichtet, weiter oben werden noch Leitungen verlegt und Wände verputzt. Na ja, da konnten wir unseren Besuch in Paraguay aber kurz fassen.

Etwa 30 km außerhalb gibt es das derzeit größte Wasserkraftwerk der Erde, ITAIPU. Ein Gemeinschaftswerk von Brasilien und Paraguay. 20 Turbinen erzeugen stündlich 14.000 Megawatt. Der Deich ist insgesamt über 8 km lang. Wir stehen auf dem Teil, wo er auf 3 km eine Höhe von 196 m hat. Später können wir in die Generatoren-Area und auch in die Steuerzentrale. Es scheint, innerhalb des Deiches noch eine eigene weitere Welt zu geben. Das Personal ist zu jeweils 50 Prozent aus Brasilien und Paraguay, die Leiter wechseln 6-stündlich die Nationalität.
Am Abend richten wir gemeinsam in unserer bekannten Churrasceria eine Abschiedsfeier aus. Morgen trennen sich unsere Wege wieder.

Der netten Einladung zum Besuch der Mingula mit Übernachtungsmöglichkeit müssen wir entsagen, obwohl nur rund 9 Stunden Fahrzeit. Wiedersehen in der Karibik versprechen wir uns. Wir geben unsere Wäsche zur Lavanderia, der Wäscherei, mit der Maßgabe, rechtzeitig vor Busabfahrt das Paket trocken zu haben. Leider hat unsere VISA die Kartenfinanzierung gestoppt. Schon in Rio wollte sie ab und an nicht Geld spucken. Nach unserer Anfrage bei der Bank, ob wir zu viel oder zu wenig mit der Karte arbeiten, wurde sie von der freundlichen Frau Zahlten schnell wieder freigeschaltet. Noch ein Stadtbummel, die Wäsche ist mit einer kleinen Verspätung auch fertig, und in der Hotellobby füllen wir unsere Rucksäcke. Noch ein gegenseitiges Abfragen, ob wir gut vorbereitet sind, alles eingepackt haben und dann geht´s zu Rodoviaria. Es wird wieder mal eine längere Reise. Wir möchten nach

Brasilia, Hauptstadt Brasiliens.
Vorgesehen sind dafür rund 1.700 km und 26 Stunden Fahrzeit. Na, das wird ja wieder interessant.
Schon die Verspätung bei der Abfahrt – 8 Minuten – wirft den Fahrplan für uns beiden durcheinander. Der Busfahrer ist so nett und hält noch einmal an, um einen verspäteten Reisenden mitzunehmen. Der Arme hätte sonst erst am folgenden Tag fahren können. Nach anfänglicher Unruhe im Bus – viele Gäste hatten noch irgend etwas zu räumen und zu telefonieren – wird es erst nach dem Abendessen ruhiger. Bald fallen auch wir in den Schlaf.
Der neue Morgen weckt uns mit Sonnenschein, wir passieren einige kleine Orte und immer wieder verlassen einige Reisende den Bus, so dass von den Verbliebenen die nun freien Plätze aufgesucht werden, um sich auszubreiten. Zum Mittag hat sich eine Verspätung von 2 Stunden aufgebaut. Mitten im brasilianischen Busch wird der Bus von der Rodoviaria Federal, der Straßenpolizei, herausgewunken. Unsere Pässe – wir sind die einzigen Ausländer im Bus - werden kontrolliert und wir denken schon: wenn es mehr nicht ist. Doch dann geht es an die Rucksäcke, Reisetaschen und Handgepäck aller Reisenden. Uns entsteht der Eindruck, dass etwas Bestimmtes gesucht wird. Nachdem wir dem Kontrolleur auch unsere gestern aus der Lavanderia geholten Höschen und Shorts vorgeführt haben, können wir wieder einpacken. Er hat Glück, dass sie gerade gewaschen sind. In der Zwischenzeit werden von weiterem Personal auch die Kofferräume inspiziert und im Bedarfsfall der Besitzer eines verdächtigen Teils herausgerufen. Doch alles läuft zur Zufriedenheit und nach über einer Stunde kann der Fahrer die Fahrt wieder aufnehmen.
So ein Stopp wirft auch manchmal Probleme auf, hören wir. Auf großen Parkplätzen neben den Kontrollstellen sehen wir zig guterhaltene PKW, auf der Frontscheibe mit großer Schrift durchnummeriert, zig Motorräder, und auch zig Fahrzeuge, die offensichtlich in einen Unfall verwickelt waren. Die Verstaubung der Fahrzeuge deutet auf eine längere Standzeit bei der Polizei hin.

Doch dann endlich, nach vielen Stunden Wildnis, es ist schon wieder dunkel geworden, taucht am Horizont ein Lichtstreif auf. Brasilia. Unsere geplante Fahrzeit ist mittlerweile um 3,5 Stunden überschritten. Noch im Bus erkundigen wir uns nach Pousada und Hotel. Ein netter Mitreisender weiß so etwas in der Nähe der Rodoviária nicht anzubieten. Doch seine Frau wird ihn vermutlich von seiner Reise abholen und er bietet uns spontan an, uns dann zu einer Unterkunft zu fahren. Schön, dass seine Frau ihn abholt. Wir bekommen auf dem Weg zur Stadt die ersten Informationen über Sicherheit und Preise. Schließlich sind wir in der Metropole. Er fährt uns zu einer guten Unterkunft, schnell eingecheckt, ein Duschbad und schon fallen wir in die Kissen.

Brasilia verzaubert uns. Haben wir vorher mehrfach gehört, die Stadt sei einen Besuch nicht lohnenswert oder höchstens mal einen Tag reinschauen. Diese Ansicht können wir nicht teilen. In der Nähe des Fernsehturms ist auch das Hotelviertel, hier sind wir untergebracht. Vom Hotel aus haben wir erst einmal eine Stadtrundfahrt erlebt und in den folgenden Tagen vieles zu Fuß erwandert. Wir genießen die breiten Straßen und die vielen Fußwege. Der Straßenverkehr im Gegensatz zu den anderen Städten daher ruhiger. Wir erlaufen verschiedene Ausstellungen,
Nationalmuseum, Nationalbibliothek, Kunstmuseum, Denkmal- und Ehrenstätten. Fast alles ist an der breiten Allee – 6 Spuren hin, 6 Spuren zurück und daneben weitere Straßen – an vorgelagerten großen Plätzen gelegen. Wir gelangen auch zur Nationalflagge. Eine leichte Brise weht 289 m⊃2; Tuch aus, die größte Flagge der Welt. Für den Stadtpark nehmen wir uns viel Zeit. Er soll noch größer als der Central-Park in New-York sein. In etwa dem mittleren Bereich wächst eine große Anzahl von Mangobäumen. Natürlich probieren und sammeln wir. Doch leichtes Gepäck erinnert uns und so machen wir nur kleine Beute. Eine Regierungsstadt hat nun mal viele Ministerien. Hier sind sie beieinander, links und rechts der Prachtstraße als große rechteckige Gebäude auszumachen. An den Frontseiten steht jeweils der Zuständigkeitsbereich. Deutlich ist zu erkennen, dass die Planer großen Raum zur Verfügung hatten. Für uns ist die Stadt noch ganz jung. Im nächsten Jahr feiert Brasilia seinen 60jährigen Geburtstag.

Noch einmal steht eine Reise von 24 Stunden an. 1.500 km weiter erreichen wir

Salvador

Schwingen uns in den Stadtbus, dessen einfache Ausstattung jetzt erst recht auffällt, und sind schnell wieder in Ribeira in der Marina PierSalvador. Die Hafencrew freut sich, dass wir wohlbehalten zurück sind. Wir denken schon an die Weiterreise und in welchem Zeitrahmen wir die Equinoxe klar haben werden. Das Unterwasserschiff ist schon wieder etwas angemuschelt. Also doch rausnehmen? Noch einmal sehen wir uns die Slipanlage im benachbarten Club an und sofort ist der Termin fix. Denn gerade ist Springzeit, dann ist die Flut besonders hoch, günstig für den Bootskarren. Los geht´s. Christel geht an Land, sie möchte dieses hoffentlich einmalige Erlebnis fotografieren. Viele helfende Hände und am Abend des folgenden Tags kann die Equinoxe, gepinselt, gewachst und gewienert holpernd über die Slipanlage zurück in ihr Element tauchen.

Da meldet sich Ligia, unsere Freundin aus Ouro Preto. Sie möchte uns noch einmal das Salvador aus ihrer Sicht zeigen. Das Angebot nehmen wir freudig an. Gemeinsam mit ihrem Mann Modesto holt sie uns an der Marina ab. Sie möchte uns zuerst ihrer Mutter vorstellen und einer ihrer Söhne wäre auch dort. Nichts ahnend und völlig unvorbereitet platzen wir in die Geburtstagsfeier ihrer Schwester. Natürlich schimpfen wir, dass sie es uns verheimlicht hat, aber nun begrüßen wir die vielzählige Verwandtschaft. Von allen sind wir herzlich aufgenommen und immer wieder werden uns Getränke für Berthold war extra Skol geholt und leckere, für die Feier zubereitete Speisen angeboten. Wir haben vieles probiert und ausnahmslos fanden alle Gerichte unseren Beifall. Nach einem Weinbrand wurden Leckereien wie Kuchen, Törtchen, Gebäck und verschiedene Schokoladen angeboten, immer frisch aus dem Kühlschrank, da die Zutaten wegen der Wärme sonst verschmelzen würden. Der Pflicht, alles zu probieren haben wir uns gern unterzogen.
Dann zeigen sie – Ligia, Modesto und Ian der Sohn - uns ihr Salvador. Herrliche Aussichtspunkte, schöne saubere Anlagen in einem Stadtteil, in dem die arme und die reiche Welt unmittelbar nebeneinander wohnt. Später, es war bereits lange dunkel, genossen wir, auch zu den Orten gehen zu können, vor denen wir als Touristen vorher gewarnt wurden.
Am abendlichen Abschied sprachen sie noch eine Einladung aus: Mit dem Auto etwa 80 km nordwärts Salvadors. Dort könnten wir baden und auch mal wieder deutsch sprechen. Was das wohl gibt? Überraschung.
Früh am Morgen holen sie uns von der Marina ab und zeigen uns noch im Umfeld von Ribeira einige Sehenswürdigkeiten. Modesto kennt sich gut aus, er ist hier aufgewachsen. Dann geht es den Strand entlang nach Norden und was wir nun sehen, stellt alles bisherige in den Schatten. KilometerlangTraumstrände. Vom kleinen Blockhaus bis zur Villa und eingezäunten Wohnstätten alles vom Feinsten. Wir erreichen einen Ort mit verschiedenen, geschlossenen Wohnbereichen. Modesto biegt ab, der Sicherheitsdienst nickt ihm zu und nach einigen Kurven hält er vor einem Tor. Schon bekommen wir Einlass. Hier wohnen Roland Schweizer und Regina gebürtige Brasilianerin . Sie heißen uns willkommen, führen uns durch Haus und Gästehaus und schon sitzen wir mit einem Erfrischungsgetränk – es heißt wieder Skol – und einem kleinen Imbiss unter einem Mangobaum. Ein wunderschönes Anwesen, ein europäisch-brasilianischer Mix mit vielen vortrefflich kombinierten Details. Wie selbstverständlich steht uns der Swimmingpool zur Verfügung. Roland lässt es sich nicht nehmen, uns auch im Wasser mit einer Erfrischung zu verwöhnen.
Ligia hatte bereits vorbereitet mitgebracht eine deutsche Spezialität: Swein e Krou. Unter halboffenem Dach, an einer großen Tafel speisen wir wie Gott in Frankreich. Wie selbstverständlich erhalten wir eine Einladung für sofortigen oder späteren Aufenthalt. Immer wenn es am schönsten ist…….. Christel könnte wunderbar dort eine Reha-Kur verbringen.

Nun wird es aber höchste Zeit. In Deutschland beginnt der Karneval. Wir müssen uns sputen. Die Ausklarierungsprozedur bietet wieder einige Überraschungsmomente, so dass wir als nächsten Hafen schon Fortaleza nennen. Morgen lösen wir die Leinen. Drückt uns die Daumen für guten Wind.

Liebe Grüße an Euch alle
Berthold und Christel




 

 
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